TK-Branche wird von ihren Kunden abgeklemmt

Glasfaserausbau heizt TK-Wettbewerb an

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

TK-Unternehmen müssen sich im Wettlauf um die Gunst der Kunden zunehmender Konkurrenz erwehren.
TK-Unternehmen müssen sich im Wettlauf um die Gunst der Kunden zunehmender Konkurrenz erwehren. (Bild: © – Andrey Burmakin – stock.adobe.com)

Einer Markteinschätzung von Sopra Steria Consulting zufolge erwächst den etablierten TK-Unternehmen durch den Glasfaserausbau neue Konkurrenz: Kommunale Unternehmen und Versorger bauen die Infrastruktur und bieten parallel eigene Internet-, Telefon- und TV-Leistungen für Endkunden an.

Sopra Steria Consulting ist der Ansicht, dass immer mehr Landkreise, Gemeinden, Stadtwerke sowie kommunale privatwirtschaftliche Kooperationen das Unternehmen Glasfaserausbau selbst in die Hand nehmen werden. Als Beispiele nennt der IT-Serviceanbieter mit M-net eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke München, weiters den Internetanbieter BBV Deutschland, den Netzausrüster ZTE und die Managementgesellschaft Bouwfonds, die im Rhein-Neckar-Gebiet den Glasfaserausbau mit Blick auf den unterversorgten ländlichen Raum voranbringen wollen, sowie die Vereinigte Stadtwerke GmbH, die in Norddeutschland Energie und Breitbandinternet aus einer Hand anbietet.

Diese kommunalen Unternehmen und privaten Regionalpartnerschaften, so Sopra Steria Consulting, werden künftig den Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt befeuern. Sie würden nicht nur die Netzinfrastruktur in die Haushalte liefern und dann nach dem Open-Access-Prinzip anderen Unternehmen die Chance bieten, diese zu nutzen. Stattdessen seien ihre Internetseiten gefüllt mit eigenen digitalen Produkten für Privat- und Geschäftskunden in der Region, beispielsweise eins@home, ein Angebot der Thüga AG in Sachsen.

Die Nähe der kommunalen Versorger zu den Haushalten, ihre Endkundenexpertise aus dem Energiegeschäft sowie Bündelprodukte brächten die großen Telekommunikationsanbieter in Bedrängnis. „Die Trennung von Netzinfrastruktur- und Serviceanbieter könnte aufgehoben werden. Damit würden die großen Telekommunikationsdienstleister ihren direkten Kundenkontakt und ihre Vormachtstellung bei den Netzen verlieren“, sagt Karl-Heinz Kohne, Berater der Telekommunikationsbranche von Sopra Steria Consulting. Dazu komme, dass Kabelnetzbetreiber mit ihren Koaxnetzen eine echte Alternative zur Glasfaser anbieten. Der Übertragungsstandard DOCSIS 3.1 biete ähnlich schnelles Internet wie die Glasfasertechnik, wobei auch hier hohe Investitionen in die Infrastruktur notwendig seien. „Es muss nicht unbedingt Glasfaser sein, die Kunden interessiert allein die Bandbreite und der Preis“, so Kohne.

Für die traditionellen Telekommunikationsanbieter bedeute diese Entwicklung, künftig noch bessere Leistungen anzubieten und ihr Geschäft auf mehr Standbeine zu verteilen. Die Anbieter reagierten u.a. mit Kooperationen mit großen kommunalen Netzbetreibern in Großstädten sowie mit Zukäufen. Das zeige in Österreich die aktuell geplante Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPS Austria durch T-Mobile Austria. „Wichtig ist, Angebote stärker zu personalisieren und in alternative Geschäftsmodelle wie Unterhaltung zu investieren. Gleichzeitig kommt es darauf an, Service und Effizienz zu verbessern, um im klassischen Telefon- und Internettarifgeschäft neuen Wettbewerber preislich voraus zu sein“, sagt Karl-Heinz Kohne.

Noch seien die Marken der großen TK-Unternehmen stark genug, sich im Wettbewerb zu behaupten. Die großen Stadtwerke und Regionalversorger würden allerdings an Markenbekanntheit gewinnen. Zudem lägen regionale Marken bei Verbrauchern im Trend, was kommunalen Internetprovidern neue Kunden bescheren könnte. Die Gemeinde Nümbrecht sei mit Abschlussquoten zwischen 80 und 92 Prozent bei den Hausanschlüssen ein Beleg für einen möglichen bundesweiten Trend: Einer Markt- und Werbeträgeranalyse des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge haben im Jahr 2017 rund 35 Mio. Deutsche beim Einkauf regionale Produkte bevorzugt.

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