5G für zwei Drittel der Menschen in Deutschland Glasfaser und 5G: Telekom beschleunigt Ausbau

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Deutsche Telekom kommt beim Glasfaserausbau gut voran. Ab 2021 sollen im Schnitt zwei Mio. FTTH-Anschlüsse pro Jahr realisiert werden. Auch das 5G-Netz, so der Konzern, wachse konstant weiter. Bis 2025 sollen 99 Prozent der Menschen in Deutschland die Technologie nutzen können.

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Im Mobilfunk ist 5G der Breitbandmotor.
Im Mobilfunk ist 5G der Breitbandmotor.
(Bild: Deutsche Telekom)

Sowohl bei Glasfaser als auch bei 5G will die Telekom schneller ausbauen. Bei der Zahl der Glasfaseranschlüsse bis ins Haus habe das Unternehmen bereits große Schritte nach vorn gemacht und 2020 die Anzahl der Haushalte, die FTTH bekommen können, auf mehr als eine halbe Mio. verdoppelt. Zukünftig sollen es im Schnitt rund zwei Mio. Haushalte pro Jahr sein. Das Ziel der Telekom sei es, dass alle Haushalte in Deutschland bis 2030 direkten Zugang zum Glasfasernetz bekommen. Hierzu werde das Unternehmen eigenen Angaben zufolge den größten Anteil beitragen. Aber auch die Wettbewerber seien gefragt.

Im Mobilfunk sei 5G der Breitbandmotor. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland könnten mittlerweile die modernste Mobilfunktechnologie im Netz der Telekom nutzen. 45.000 Antennen funken hierfür bereits auf 5G. Auch hier möchte die Telekom zügig weiter ausbauen. 2021 sollen 80 Prozent der Menschen in Deutschland mit 5G erreicht werden, 2025 dann 99 Prozent.

„Die Telekom hält, was sie verspricht. Das gilt insbesondere für den Netzausbau. Gerade jetzt bewährt sich das Netz der Telekom. Es war richtig, Glasfaser in jede Straße zu legen und somit schnelles Netz von der Telekom für über 80 Prozent aller Haushalte zu ermöglichen. Homeoffice ist flächendeckend möglich. Jetzt kommen die nächsten Schritte: Glasfaser bis ins Haus und 5G. Auch hier haben wir einen Plan, den wir Schritt für Schritt abarbeiten. Trotz Corona läuft unser Ausbau auf vollen Touren“, sagt Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. „Und damit in Zukunft jeder in Deutschland dabei ist, drehen wir jetzt noch weiter auf. Dafür investieren wir seit Jahren regelmäßig rund 5,5 Mrd. Euro in Deutschland. Der Großteil davon fließt in unser Netz.“

Hohe Schlagzahl beim Glasfaserausbau

2020 habe die Telekom für rund 600.000 Haushalte die Möglichkeit geschaffen, Glasfaseranschlüsse zu nutzen. Insgesamt biete das Unternehmen jetzt zwei Mio. Haushalten einen FTTH-Anschluss an. Rund zwei Mio. weitere sollen ab 2021 im Schnitt jährlich dazukommen. Damit, so der Konzern, werde die Schlagzahl beim Ausbau massiv erhöht. Wichtig seien hierbei die Automatisierung der Ausbauprozesse und die Zusammenarbeit mit Partnern, aber auch gute Investitionsbedingungen. In diesem Zusammenhang begrüße die Telekom die Forderung des Verbraucherschutzes, das Nebenkostenprivileg abzuschaffen. Wahlfreiheit für die Mieter sorge für besseren Wettbewerb um die modernste Technik und gute Preise.

„Wir bauen für die Digitalisierung in Deutschland. Je besser die Rahmenbedingungen für Investitionen sind, desto reibungsloser wird das Glasfaserausbau laufen. Für neue Technik und neue Zeiten braucht es auch neue und flexible Antworten“, sagt Tim Höttges. „Was uns beim Ausbau zusätzlich hilft, sind z.B. schnelle Genehmigungen. Zum anderen würde die Akzeptanz von alternativen Verlegemethoden jenseits vom Tiefbau vieles vereinfachen und beschleunigen. Es braucht aber auch ein klares Bekenntnis des Wettbewerbs zu FTTH. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Auch wir haben dazu gelernt und setzen sehr viel stärker auf Kooperationen, gerade auch mit lokalen Versorgern.“

13.000 Beschäftigte bauen für die Fiber Factory

Zukünftig gehe es neben dem Verlegen von Glasfaser darum, Glasfaseranschlüsse in hoher Stückzahl zu produzieren. Es werde also quasi eine Glasfaserfabrik, die Fiber Factory, entstehen. Die hiermit verbundene Skalierung der Prozesse sei notwendig, um die geplanten Steigerungen zu realisieren, denn der FTTH-Ausbau werde mit deutlich höherem Tempo weitergehen. Rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien hierfür in der Fiber Factory beschäftigt.

Überall wird gebaut

Die Telekom hat eigenen Angaben zufolge bereits 575.000 Kilometer Glasfaser verlegt, viele davon in Neubaugebieten. Pro Jahr würden in rund 2000 Neubaugebieten etwa 170.000 Haushalte angeschlossen. Bis 2023 sollen zudem 3000 Gewerbegebiete Anschluss an das Glasfasernetz erhalten. Wichtig sei auch die Digitalisierung der Schulen. Bereits heute könne die Telekom 17.000 Schulen Anschlüsse mit bis zu 250 MBit/s zur Verfügung stellen. In den kommenden drei Jahren will das Unternehmen mindestens jeder vierten Schule einen Glasfaseranschluss anbieten.

Kräfte bündeln

Beim Breitbandausbau setzt die Telekom auf Kooperationen mit anderen Unternehmen. „Die Digitalisierung Deutschlands ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft“, sagt Srini Gopalan, Deutschland-Vorstand der Telekom. „Deshalb müssen wir unsere Kräfte in allen Bereichen bündeln. Wir nutzen alle Formen von Kooperationen und arbeiten bereits erfolgreich mit Partnern zusammen: vom lokalen Stadtnetzbetreiber bis zum Wettbewerber. Nur gemeinsam erreichen wir unser Ziel, Deutschland komplett mit Glasfaser zu versorgen.“

Router mit Glasfasermodem und Display

Digitalisierung müsse im Wohnzimmer ankommen. Der Speedport Smart 4 Plus mit integriertem Glasfasermodem könne direkt an eine Glasfaser angeschlossen werden. Der Router biete zudem ein OLED-Display und Wi-Fi-6-Unterstützung. Dank integrierter Mesh-WLAN-Technologie bringe das Gerät ein durchgängiges WLAN-Signal in alle Räume. Der Speedport Smart 4 Plus werde in Verbindung mit einem neuen Glasfaseranschluss der Telekom vermarktet.

Auch für bestehende Speedports oder Router ohne eingebautes Glasfasermodem gebe es ein neues Gerät: das Glasfasermodem 2 für den Anschluss eines Speedport-Routers an das Glasfasernetz der Telekom. Es soll ab Februar 2021 erhältlich sein und dann Anschlussbandbreiten bis zu zwei GBit/s unterstützen.

5G in der Stadt und auf dem Land

Bei 5G kombiniert die Telekom den Ausbau auf zwei Frequenzbändern. Auf der reichweitenstarken 2,1-GHz-Frequenz würden hohe mobile Bandbreiten insbesondere in ländliche Gebiete gebracht. So werde jetzt z.B. auch die Hochseeinsel Helgoland mit 5G versorgt. Die 3,6-GHz-Frequenz biete Highspeed-5G dort, wo sich viele Menschen auf kleinem Raum bewegen, wie in Großstädten oder etwa am Frankfurter Flughafen. Am Berliner Flughafen BER werde die Technik ebenfalls installiert. Neu seien auch die 5G-Highspeed-Antennen in Bremen, Hannover und Nürnberg. Damit würden bereits 13 Großstädte von 5G in Gigabitgeschwindigkeit profitieren.

Jedes zweite Vertragshandy ist ein 5G-Gerät

Der Telekom zufolge kommt 5G beim Kunden an. Jeder zweite Vertrag bzw. jede zweite Vertragsverlängerung werde aktuell mit einem 5G-Gerät abgeschlossen. Mittlerweile würden bereits über 30 Geräte im Portfolio der Telekom 5G unterstützen.

5G-Campus-Netz für die Uniklinik Bonn

Die Telekom hat ein neues 5G-Campus-Netz auf dem Gelände der Universitätsklinik Bonn in Betrieb genommen. Es sei das erste Campus-Netz, das auf der Frequenz 3,6 GHz funkt. Mehrere Klinikgebäude würden dabei von Indoor-Antennen versorgt. 5G komme zunächst in der Radiologie zum Einsatz. Röntgenbilder und MRT-Aufnahmen würden per sicherem Mobilfunk an mehrere Standorte der Uniklinik Bonn übertragen. So hätten alle relevanten Abteilungen ohne Zeitverlust Zugriff auf die Radiologie-Informationen. Patienten könnten mit dieser Unterstützung schneller und besser behandelt werden.

„Insgesamt nimmt das Thema Campus-Netze Fahrt auf. Die Nachfrage der Industrie nach individueller Mobilfunkversorgung ist groß. Aktuell haben wir bereits sieben Campus-Netze in Deutschland in Betrieb“, sagt Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation bei der Telekom.

5G in 2021

2021 plant die Telekom die 5G-Aufrüstung alter 3G-Standorte und, bis Mitte des Jahres, aller UMTS-Standorte in Deutschland. An den Stellen, wo die Ankerfrequenzen dies nicht zulassen, soll LTE zum Einsatz kommen. Zudem werde sich die Geschwindigkeit erhöhen, denn mit der Abschaltung von UMTS stehe auf der 2,1-GHz-Frequenz zusätzliches Spektrum zur Verfügung.

Open RAN nimmt Fahrt auf

Mobilfunknetze werden immer leistungsfähiger, das Kundenerlebnis im Netz immer besser. Aber in einem Teil des Netzwerks – dem Radio Access Network (RAN) – könnte das Tempo der Innovation noch schneller und die Vielfalt der Ausrüster höher sein, so die Telekom. Als Vorreiter habe der Konzern dazu bereits 2016 die globale Open-RAN-Bewegung ins Leben gerufen und mit einer kleinen Gruppe Telkos und Ökosystempartner das xRAN-Forum gegründet. 2018 fusionierte xRAN mit einer verwandten Initiative, der CloudRAN-Community, zur telkogeführten O-RAN Alliance. Mission: Spezifikationen weiter ausarbeiten, um das RAN zu öffnen und zu cloudifizieren – zur Förderung einer wettbewerbsfähigeren und lebhafteren Netzwerkausrüsterlandschaft. 2021 plant die Telekom die initiale Implementierung der sogenannten O-RAN-Town in Neubrandenburg. Hier sollen in weiteren Schritten bis zu 25 O-RAN-kompatible Standorte im Wirknetzbetrieb mit 4G/5G-Technologie zusammenkommen. Dabei seien Kooperationen mit Herstellern wie Dell, Fujitsu, NEC, Nokia, Mavenir und anderen im Gespräch.

„Open RAN hat erheblich an Dynamik gewonnen. Die technischen Standards und Schnittstellen zielen auf ein offenes und vollständig interoperables RAN – für noch bessere Kundenerlebnisse in unseren Netzen. Wir freuen uns über starke Partner“, betont Technikvorstand Claudia Nemat. „Ich freue mich insbesondere, dass wir mit Nokia auch einen starken europäischen Partner für unsere Zusammenarbeit bei O-RAN gewinnen konnten.“

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