Keine Experimente, bitte!

Gefangen im Cloud-(Monitoring)-Hype

| Autor / Redakteur: Dirk Paessler / Elke Witmer-Goßner

Beim Cloud Monitoring fließt – trotz Hype – das Geld nicht von allein.
Beim Cloud Monitoring fließt – trotz Hype – das Geld nicht von allein. (Bild: eyeQ/David Freigner, Fotolia)

Der Cloud-Monitoring-Markt boomt weiterhin. Im Silicon Valley blühen die Geschäfte, fast täglich gründen sich neue Startups. Aber Geld ist nicht alles. Doch Cloud Monitoring ist weder Allheilmittel noch eine Gelddruckmaschine.

Denn die Voraussetzungen müssen stimmen, und das tun sie noch nicht immer. Es ist schließlich leicht, dem Cloud-Monitoring-Hype zu verfallen und eigene Business-Modelle zu entwerfen. Aber entsprechende Startups erfahren häufig Gegenwind, da sie eine Lösung für Probleme anbieten wollen, die viele ihrer potenziellen Kunden schlicht nicht haben – oder nicht sehen. Oder: Viele dieser jungen Unternehmen propagieren, die Überwachung von Cloud-Workloads zu beseitigen. Dabei ist dies streng genommen gar kein großes Problem.

Der Drang, vermeintlichen IT-Trends zu folgen, resultiert insbesondere in der steigenden Beliebtheit von Cloud-Anwendungen und dem Hype rund um das Internet of Things (IoT). Startups nehmen viel Geld in die Hand und kündigen schnell das „Next Big Thing“ an. Aber häufig fehlt ihnen oft ein konkreter Anhaltspunkt. Hardware- und LAN-Probleme machen ihnen plötzlich das Leben schwer. Um das deutlich zu machen: Ich sage nicht, dass der Übergang in die Cloud eine schlechte Idee ist – im Gegenteil. Dieser Schritt macht in vielerlei Hinsicht absolut Sinn, und auch das Cloud Monitoring spielt definitiv eine wichtige Rolle. Lediglich die Fokussierung muss stimmen.

Veraltete Hardware

Die Herausforderung liegt in der Komplexität der Netzwerke. Sie enthalten eine Vielzahl von Switches, Server, Firewalls und mehr – und eine Menge dieser Hardware ist häufig veraltet. Zu erkennen, wie jede Komponente im Netzwerk am besten zu überwachen ist, erfordert Fachwissen. Es genügt nicht, die APIs einiger führender Cloud-Anbieter zu verbinden und deren Status einmal täglich oder sogar nur wöchentlich abzufragen. Unternehmen verlassen sich auf ihre Hardware, da sie eine geschäftskritische Rolle spielt. Doch wie gesagt: Ein großer Teil der Bestandstechnologie ist veraltet. Cloud-Überwachungsdienste sind dagegen optimiert, um die neuesten Technologien zu monitoren. Der Konflikt ist im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert.

Welche Rolle spielt nun das Internet der Dinge in diesem Zusammenhang? Genau hier zeigt das Cloud-Monitoring seine Schwäche. Einer der interessantesten Aspekte des IoT ist sein Potenzial, die industrielle Wirtschaft zu verändern. Viele Berichterstattungen legen den Fokus noch auf den Verbraucher und wie dieser zukünftig seine Heizkörperthermostate und seinen Kühlschrank fernsteuern kann. Dabei geht es vielmehr um die Systeme und deren Technologie im Hintergrund. Und die ist häufig perfektes Beispiel dafür, warum es nicht um die Überwachung in der Cloud selbst geht, sondern um die Bereitschaft, im Hintergrund eine Menge Arbeit zu erledigen.

Denn auch Technologie aus dem 21. Jahrhundert läuft nicht von allein. In allen Industrieunternehmen, sei es in der Fertigung oder in der Energiebranche, sind Abläufe abhängig von eben jenen alten Systemen, darunter auch einige, die „häuslich gewachsen“ sind. SCADA-Systeme sind ein perfektes Beispiel. Sie sind das Rückgrat vieler Energieunternehmen und sie sind teuer zu implementieren: Es vergehen viele Jahre, bis sich die Kosten amortisieren. Diese Systeme benötigen Fachkräfte mit tiefgehendem Know-how und langjähriger Erfahrung, um zuverlässig zu funktionieren.

Anbieter entsprechender Monitoring-Software müssen den Endanwendern einen Weg aufzeigen, diese in der Regel veraltete Hardware zu überwachen – sei es durch spezifische Sensoren oder einfach zu bedienende, an die Kundenbedürfnisse angepasste Templates.

Darüber hinaus gibt es einige Prozesse, die eine spezifische LAN-Verbindung erfordern. Fabriken der Energiebranche beispielsweise werden niemals alle Arbeitsprozesse in die Cloud verlagern. Maschinen müssen sicher über Glasfaser, Kupfer oder Wi-Fi mit sehr hoher Bandbreite und Zuverlässigkeit angeschlossen sein. Cloud-Systeme können dies schlicht nicht leisten – jedenfalls nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Kein Fabrikbesitzer wird das Risiko geringerer Verfügbarkeit oder Verbindungsprobleme in Kauf nehmen, die nicht seiner Kontrolle unterliegen. Cloud-Ausfälle jedoch passieren, aber niemand wird die Fabrikhalle verlassen, nur weil der Cloud-Service ausgefallen ist.

Skills zählen

Netzwerküberwachung ist erforderlich und wird es auch bleiben. Und auch das Cloud Monitoring ist eine sinnvolle Weiterentwicklung. Eine Monitoring-Software im Jahr 2016 muss in der Lage sein, mit allen Netzwerkkomponenten bzw. Systemen zu kommunizieren, sei es AWS oder ein 25 Jahre altes SCADA-System – und das unabhängig von der aktuellen Verbindungsqualität. IT-Abteilungen in der Industrie müssen alle Komponenten überwachen können: von Cloud-Anwendungen über Ventile in einer Öl-Pipeline bis hin zum Status eines Kraftwerks in einem abgelegenen Gebiet.

Dirk Paessler, Paessler AG.
Dirk Paessler, Paessler AG. (Bild: Klaus Gruber/Paessler)

Es benötigt viele Jahre Know-how, um die Tools zu beherrschen, die dies ermöglichen. Die Basis vieler Netzwerke sind häufig sehr alte Server und Switches, doch das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist das Verständnis dafür, wie diese Komponenten bestmöglich zu überwachen sind.

Über den Autor

Dirk Paessler ist Vorstand der Paessler AG.

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