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Content Delivery Networks Fünf Kriterien für die Wahl eines geeigneten CDN-Netzwerks

Autor / Redakteur: Steve Miller-Jones / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Attraktive Online-Erlebnisse schnell und zuverlässig bereitzustellen, ist eine vielschichtige, und zentrale Herausforderung. Egal ob es um Videos, Musik, Software oder Spiele geht: Der wirtschaftliche Erfolg jedes Web-Angebots hängt entscheidend vom positiven Konsumentenerlebnis ab.

Ein CDN-Anbieter ist weit mehr als ein reiner Dienstleister für Kapazitäten und sollte sehr sorgfältig ausgewählt werden.
Ein CDN-Anbieter ist weit mehr als ein reiner Dienstleister für Kapazitäten und sollte sehr sorgfältig ausgewählt werden.
(Bild: © bakhtiarzein - stock.adobe.com)

Vor allem eine schwache Performance verärgert Besucher und potentielle Kunden. Sie brechen Streaming oder Online-Käufe ab: Laut dem Limelight Network State of Video Streaming aus dem Jahr 2019 verlässt fast jeder zweite Nutzer eine Webseite bei einer Ladezeit von mehr als fünf Sekunden. Rund 43 Prozent der Befragten wenden sich sogar komplett vom Anbieter ab und gehen zur Konkurrenz.

Unternehmen haben viele Möglichkeiten, um das Online-Nutzererlebnis zu verbessern. Dazu zählt vor allem ein von einem Partner bereitgestelltes Content Delivery Network (CDN). Doch beim Ausspielen von Inhalten liefern nicht alle Anbieter dieselbe Leistung und Servicequalität. Diese Faktoren hängen von unterschiedlichen Aspekten ab – etwa Cache-Kapazität, Latenz, Durchsatz, Verfügbarkeit und Reichweite.

Bei der Auswahl kommt es auf zentrale Kriterien wie das Nutzen privater Verbindungen an: Viele Anbieter verlassen sich bei Online-Streaming-Diensten zu sehr auf die Best Efforts des öffentlichen Internets oder nutzen für die Übergabe der Datenpakete an den Last-Mile-Anbieter zu viele Zwischenstationen (Hops). Ein privates Backbone mit globaler Reichweite ist flexibler sowie zuverlässiger als das öffentliche Internet und daher vorzuziehen. Es verfügt über leistungsstarke Points of Presence (PoPs) in bevölkerungsstarken Zentren weltweit und baut auf Peering-Vereinbarungen mit allen großen Internet Service Providern.

Ebenso entscheidend ist die Sicherheit. Angesichts der steigenden Internet-Risiken benötigen Online-Anbieter Cloud-Dienste für eine mehrschichtige Abwehr von Cyber-Attacken. Sie müssen sich zum einen darauf verlassen können, dass „Distributed Denial of Service“-Angriffe (DDoS), die die Verfügbarkeit beeinträchtigen, schnell erkannt und abgewehrt werden. Zum anderen gilt es, berechtigte Zugriffe auf Angebote von unberechtigten zu unterscheiden und auszufiltern. Ein starkes Netzwerk wehrt Gefahren ab, ohne neue Latenzen zu erzeugen und damit die Leistung der Web-Applikationen sowie das Bereitstellen der Inhalte zu beeinträchtigen. Eine integrierte Web Application Firewall (WAF) oder Kapazitäten für das Bot-Management schützen zudem vor Hacking-Angriffen.

Steve Miller-Jones von Limelight Networks definiert darüber hinaus fünf weitere Kriterien, worauf Anbieter bei der Wahl eines CDNs achten sollten:

1. Leistung ganzheitlich erhöhen

Viele Unternehmen beurteilen die Performance einer Website vor allem anhand der Ladegeschwindigkeit. Diese ist aber nur ein Faktor, wenn auch ein sehr wichtiger. Weitere Kennzahlen beeinflussen jedoch ebenso die Funktion und damit die Bewertung durch den Kunden. Bei Videos sorgt vor allem das wiederholte Zwischenspeichern für Frustration. Ebenso verärgert den User die Wartezeit, bis weitere Informationen angezeigt oder neue Artikel dem Warenkorb hinzugefügt werden. Für das Herunterladen eines neuen Produktes etwa kommt es wiederum auf den Durchsatz an. Gute Netz-Anbieter optimieren deswegen mehrere Leistungsparameter, um Content bestmöglich und unabhängig vom Aufenthaltsort oder vom verwendeten Endgerät bereitzustellen.

2. Content-Audits durchführen

Die meisten Websites bestehen aus einem Mix aus statischen und dynamischen Inhalten sowie kleinen und großen Objekten, etwa Videos. Ein Audit kann Aufschluss über mögliche Engpässe geben. Beim Audit einer mobilen Webseite stellt sich beispielsweise heraus, dass diese bei jeder Abfrage zahlreiche dynamische Thumbnails aktualisiert. Daraus ergibt sich ein Hin und Her zwischen Website und Origin. Das System wird überlastet, und die Bereitstellung verzögert sich. Der hier von CDN-Betreibern oft vorgeschlagene Wechsel auf On-Demand-Videodateien ist dafür jedoch keine geeignete Lösung.

3. Intelligent zwischenspeichern und abrufen

Viele Anbieter speichern häufig abgefragten Content an verschiedenen Netzwerk-Edges, um ihn schneller bereitstellen zu können. Doch auch seltener Angefordertes muss sich bei Bedarf schnell abrufen lassen. Was nicht im Zwischenspeicher zu finden ist, muss von der Speicherhierarchie oder vom Origin Storage abgefragt werden. Ein gutes Netz nutzt daher eine intelligente Caching-Software und hierarchische Caching-Techniken und reduziert die notwendigen Zugriffe auf das Origin.

4. Origin-Storage optimieren

Häufig wird der Aufbau des Origin-Storage vernachlässigt. Das wirkt sich unmittelbar auf den Workflow aus. Eine schlecht integrierte Speicherung kann das Verwalten großer Bibliotheken erschweren. Durch eine ineffiziente Auswahl von Speicherorten und eine langsame Übertragung verzögert sich zum einem die Bereitstellung der Inhalte. Zum anderen erhöhen sich durch ein verstärktes Aufrufen des Origins die Zugriffskosten. Diese können unter Umständen sogar die Storage-Kosten übersteigen.

Mit einem auf das Bedienen von Anfragen ausgelegten Origin Storage lassen sich die Angebote besser verwalten. Storage-Automatisierung und intelligente Services tragen dazu bei. So kontrollieren Unternehmen ihre Videos, Spiele oder Musik besser und bestimmen, wo und wie diese eingespeist, gespeichert, repliziert und ausgeliefert werden. Für eine schnellere Abfrage empfehlen sich zum Beispiel Lösungen, die eine automatische mehrregionale Replikation der Dateien ermöglichen: Ein Film oder ein Spiel werden so selbsttätig von dem am schnellsten verfügbaren Speicherort bereitgestellt.

5. Privat statt Öffentlich

Immer noch sind die meisten Anbieter von CDN-Netzwerken auf öffentliche Internetverbindungen angewiesen. Die damit verbundenen, meist unvorhersehbaren Engpässe, Leistungseinbußen, Latenzen und Paketverluste können jedoch das Bereitstellen beeinträchtigen. Das Zwischenlagern an den Netzwerk-Edges hilft dabei nur zum Teil. Und was nicht vorgehalten wurde, stellt ein Risiko für die Verfügbarkeit dar. Unternehmen sollten daher Netzwerke mit einem privaten, Quality-of-Service-fähigen (QoS) Backbone auswählen. Denn nur das gewährleistet bei einem Cache Miss eine sichere, leistungsstarke Übertragung aller Inhalte.

Steve Miller-Jones.
Steve Miller-Jones.
(Bild: Limelight Networks)

Fazit

Generell ist ein CDN-Anbieter nicht nur ein Dienstleister, der Kapazitäten bereitstellt, sondern ein Lösungspartner und Berater. Ob er über die entsprechenden Kompetenzen verfügt, sollte man daher überprüfen. So kann man dem Anbieter schon im Vorfeld Fragen stellen – nach seiner Erfahrung und seiner bewiesenen Integrationskompetenz, nach erfolgreicher Verbesserung der Nutzererfahrung oder der Rationalisierung von Abläufen. Eine besondere Rolle spielt natürlich der verfügbare Service. Vorab ist zu klären, wie der CDN-Partner im Ernstfall hilft. Das Minimum ist dabei ein jederzeit einsatzbereiter Telefon-Support. Denn nur schnelle Hilfe vermeidet hohe Kosten bei Ausfallzeiten.

Über den Autor

Steve Miller-Jones ist Vice President für Edge-Lösungen und Solution Architecture bei Limelight Networks.

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