Glasfaserausbau: Abstand zu Deutschland vergrößert sich

FTTH-Rangliste: Litauen weiter vor Norwegen und Schweden

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Das FTTH Council Europe hat aktuelle Zahlen zum Glasfaserausbau in Europa vorgestellt.
Das FTTH Council Europe hat aktuelle Zahlen zum Glasfaserausbau in Europa vorgestellt. (Bild: FTTH Council Europe)

Das FTTH-Marktpanorama zählt aktuell auch Spanien und Luxemburg zu den führenden Glasfaservolkswirtschaften. Laut FTTH Council Europe schreitet der Glasfaserausbau in Europa schneller, aber nach wie vor unzureichend voran.

Das Update des FTTH-Marktpanoramas, das vom Analysten IDATE für das FTTH Council erarbeitet wurde, listet die 22 Volkswirtschaften Europas auf, in denen mehr als ein Prozent der Haushalte über einen FTTH- oder FTTB-Internetanschluss verfügen (Glasfaser bis zum Haushalt oder zumindest bis zum Gebäude).

Europa (EU27+9, also die 27 EU-Staaten plus Andorra, Kroatien, Island, Israel, Mazedonien, Norwegen, Serbien, Schweiz und Türkei) konnte bei der Glasfaservernetzung im ersten Halbjahr 2012 ein solides Plus von 16,4 Prozent verzeichnen. Europa ohne die +9-Staaten meldete bei der FTTH- und FTTB-Abdeckung ebenfalls einen schnellen Anstieg (16 Prozent). Mitte 2012 gab es in der Region EU27+9 etwa 5,95 Mio. genutzte FTTH/B-Anschlüsse. 32 Mio. Haushalte haben nun einen Glasfaserverteiler in unmittelbarer Nähe, sodass ein Anschluss einfach zu realisieren wäre (Homes Passed).

Russland mit Potenzial, Deutschland abgeschlagen

Große Marktpotenziale bietet auch Russland, mit 5,2 Mio. FTTH/B-Abonnenten und 15,8 Mio. anschlussbereiten Haushalten. Mehr als eine Million FTTH/B-Nutzer gibt es in der Ukraine – das entspricht einem Zuwachs von mehr als 85 Prozent im ersten Halbjahr 2012. In der GUS werden wohl bald neue FTTH/B-Player hinzukommen.

Die ersten drei der Rangliste blieben unverändert: Litauen führt nach wie vor, mit mehr als 30 Prozent Abdeckung, gefolgt von Norwegen (18 Prozent) und Schweden (14,5 Prozent). Auffällig unauffällig zeigen sich aber auch im Juni-Update einige der großen EU-Volkswirtschaften. In England und Deutschland zum Beispiel bleibt die Glasfaserpenetration nach wie vor unter einem Prozent. Daher sind diese Länder auch in der aktuellen Liste nicht verzeichnet.

Aufsteiger: Spanien und Luxemburg

Spanien hat es in die FTTH/B-Tabelle geschafft, aktuell auf Platz 20 (1,42 Prozent Abdeckung). Hier schnellte die Zahl der Abonnenten in der ersten Hälfte des Jahres um 44 Prozent nach oben. Obwohl sich das Land in einer wirtschaftlich schwierigen Phase befindet, erscheinen Glasfasernetze nach Angeben der Betreiber (zum Beispiel Telefonica und Orange Spain) nach wie vor als sichere Investition. Der FTTH-Anbieter Telefonica und sein Kabelkonkurrent Ono haben den spanischen Markt deutlich ausgeweitet. Einzigartig im südlichen Europa: In Asturien, einer autonomen Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens, hat die lokale Regierung das Open-Access-Modell übernommen, der normalerweise in Skandinavien zu finden ist. Anstatt auf private Investoren zu warten, ging man hier frühzeitig selbst in de FTTH-Offensive.

Luxemburg (1,46 Prozent Abonnenten) ist ebenfalls neu im Ranking. Die staatliche Post- und Telekommunikationsgesellschaft P&T Luxembourg zeigt sich damit gerüstet für die Umsetzung der Regierungsziele: Ende 2013 sollen 80 Prozent aller Haushalte des Kleinstaates mit 100 MBit/s anschlussbereit sein, der Rest soll dann bis 2015 folgen. Auch andere FTTH-Kandidaten nutzen bereits die P&T-Infrastruktur.

„Bedeutende Länder, die einen Platz im Ranking verfehlen, könnten ihren Bürgern damit auch die Chance auf eine nachhaltige Zukunft vorenthalten“, gibt Hartwig Tauber, Director General beim FTTH Council Europe, zu bedenken. „Es bedarf zusätzlicher Anstrengungen, damit Europa die Breitbandziele der Digital Agenda 2020 erreicht. Die Investitionsentscheidung für FTTH – die einzig zukunftssichere Lösung – muss schon heute fallen.“

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