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100-Tage-Interview mit CEO Horst Reichardt Freudenberg IT ist erfolgreich auf Kurs

Redakteur: Sarah Gandorfer

Seit rund 100 Tagen bekleidet Horst Reichardt das Amt des CEOs bei Freudenberg IT (FIT). Er findet, das Systemhaus hat sich mit seinem Dreijahresplan bereits gut aufgestellt, dazu gehört auch die Industrie-4.0-Strategie.

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Freudenberg IT hat sich Industrie 4.0 auf die Fahnen geschrieben.
Freudenberg IT hat sich Industrie 4.0 auf die Fahnen geschrieben.
(Bild: Freudenberg IT)

IP-Insider: Bevor Sie zu Freudenberg IT nach Weinheim kamen, waren Sie in China und auch in Südafrika tätig. Ist das kein Kulturschock, seinen Wirkungskreis wieder im deutschen Mittelstand zu haben?

Reichardt: Ich war von 1999 bis 2003 in Südafrika. Im Jahr 2004 bin ich zurück nach Deutschland gekommen, wo ich vorwiegend auf globaler Ebene zu tun hatte, bevor ich für die FIT als General Manager nach China ging. Wenn sie solange international unterwegs sind und dann rein deutsch agieren müssten, ja, dann käme es zum Kulturschock. Doch ich habe auch bei Freudenberg IT die Chance, globale Luft zu schnuppern, denn wir sind mit Lokationen in China und den USA vertreten. Außerdem glaube ich, dass Sie in der FIT eine sehr agile und auch international geprägte Kultur vorfinden.

IP-Insider: Es ist also nicht so, dass gerade die Mittelständler sehr regional agieren?

Reichardt: Nein, das hat mich anfangs auch verwundert. Das habe ich speziell in den ersten sechs Monaten in China gelernt, wo ich die FIT-Landeseinheit geführt habe. Es war interessant zu sehen, wie viele deutsche Mittelständler gerade in China Fuß gefasst haben, um in ihrem jeweiligen Marktsegment im Wettbewerb bestehen zu können.

IP-Insider: Wie sieht nun ihre Strategie hierzulande für Freudenberg IT aus?

Reichardt: Immer wenn ich einen neuen Job beginne ist es so, dass ich zuerst zuhöre, sowohl den Kunden, als auch den Mitarbeitern. Ich nenne das listen, learn and understand. Dabei ist es wichtig, erst alle Aspekte zu verstehen, bevor man handelt. In dieser Phase wurde mir bewusst, dass radikale Maßnahmen nicht erforderlich sind, da die FIT bereits für 2012 bis 2014 mit ‚F3‘ ein Strategie-Konzept vorgelegt hat. F3 steht für ‚FIT, FITter, FITtest‘. Das heißt, wir haben jetzt Halbzeit. Das Programm umfasst alle Punkte, die die Weiterentwicklung der Organisation betreffen. Also unter anderem, dass wir unser Marketing stärken wollen, Optimierung unserer beiden operativen Einheiten Infrastructure Services und Solution Consulting, außerdem mussten unsere Support-Prozesse optimiert sowie ein Umbau unseres Portfolios durhgeführt werden. Aus meiner Sicht gibt es keine Notwendigkeit, hier einen neuen Kurs einzuschlagen, denn bisher verlief dieser sehr erfolgreich. Meine Aufgabe besteht unter anderem darin F3 zum Erfolg zu machen. Feinkorrekturen gibt es natürlich immer, aber die eingeschlagene Richtung stimmt.

IP-Insider: Nichtsdestotrotz bringt man sich doch als neuer Chef irgendwie in ein Unternehmen ein – wie ist es bei Ihnen?

Reichardt: Gerade aufgrund meiner rund 30 Jahre Führungserfahrung bringe ich mich ein, indem ich das Team hier forme und voranbringe. Leadership ist einer meiner Schwerpunkte. Wir haben uns vorgenommen, in drei Jahren ganz oben mitzuspielen. Nicht zuletzt beim Ausbau der internationalen Zusammenarbeit kann ich einen Beitrag leisten.

IP-Insider: Wie definieren Sie ganz oben?

Reichardt: Ganz oben bedeutet nicht gegen IBM oder T-Systems anzutreten, sondern in unserem Marktsegment, also in der Fertigungsindustrie für den Mittelstand, ein führender IT-Dienstleister zu sein. In diesem Bereich wollen wir ein verlässlicher Partner mit einer High-Performance-Kultur sein. Dafür bedarf es auch der richtigen Kollegen für die wichtigen Themen an Bord – eben Leadership.

IP-Insider: Freudenberg IT hat nach eigenen Angaben vier Megatrends ausgemacht, darunter Industrie 4.0. Können Sie kurz auf Ihre Schwerpunkte eingehen?

Reichardt: Die Themen sind im einzelnen Cloud Computing, Big Data, Mobility und Industrie 4.0 – das alles greift ineinander. Industrie 4.0 ist derzeit ein rein deutsches Thema, von dem sicherlich irgendwann auch der Rest der Welt partizipieren wird. Dabei gibt es schon einige Dinge, die umgesetzt werden können, andere sind noch eine Vision, die aber bis 2025 erreicht werden soll.

Letztlich geht es um die Frage, wie der Hochlohnstandort Deutschland seine führende Position auf den globalen Markt halten und ausbauen kann. Eigentlich ist es M2M-Kommuniktion, die hier aufgebaut wird. Big Data spielt eine Rolle, denn es fallen in Produktionsbetrieben große Datenmengen an. Mobility ist ebenfalls nicht mehr wegzudenken, beispielsweise wenn Daten von einem Ende der Produktionsstätte zum anderen gelangen müssen. Die anfallenden Daten müssen wiederum irgendwo gespeichert und verarbeitet werden, dazu bietet sich die Cloud an. Die Idee ist, ohne menschliches Eingreifen ein Werkstück vom Anfang der Produktionskette bis zum Ende zu begleiten.

Horst Reichardt
Horst Reichardt
(Bild: Freudenberg IT)

IP-Insider: Im Mai hat Bechtle bekannt gegeben, mit Freudenberg IT zu zusammenzuarbeiten. Ist eine solche Kooperation zweier IT-Dienstleister nicht etwas ungewöhnlich?

Reichardt: Die FIT verkauft keine Hardware. Ein Bestandteil unserer Strategie war es, uns von den Desktop-Services zu trennen. Wir ergänzen uns hier perfekt, es ist sozusagen eine ‚Win-Win‘-Situation.

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