Breitband im bayerischen Land

Franz Josef Pschierer: „Der Staatssekretär will keine Zweiklassengesellschaft“

14.10.2010 | Redakteur: Ulrike Ostler

Staatssekretär Franz Josef Pschierer (CDU) ist in Bayern für den Breitbandausbau zuständig, Er fordert einen Grabungsatlas.
Staatssekretär Franz Josef Pschierer (CDU) ist in Bayern für den Breitbandausbau zuständig, Er fordert einen Grabungsatlas.

Schnelles Breitband ist außerhalb der Metropolen zumeist von einem lokalen Infrastrukturdienstleister, Landesfördermitteln, dem kommunalen Budget, einem Dienste-Anbieter sowie von ganz viel Engagement der Beteiligten abhängig. Kürzlich bekam Diedorf ein Glasfasernetz. Bei der Inbetriebnahme dabei war der bayerische Staatssekretär Franz Josef Pschierer. Er gab IP-Insider ein Interview zum Breitbandausbau auf dem Land.

Die Marktgemeinde Diedorf mit 10.290 Einwohnern gehört zum Landkreis Augsburg. Seit dem 15. September 2010 haben rund 2.700 Haushalte, 75 Unternehmen, Freiberufler und Gewerbetreibende die Möglichkeit, mit 50 Megabit pro Sekunde Download und bis zu 10 Megabit pro Sekunde Upload-Geschwindigkeit für 45 Euro im Monat online zu gehen. Die Verantwortlichen sprechen allerdings hier von einer „ersten Ausbauphase“.

Ermöglicht wird das durch zehn Kilometer neu verlegter Glasfaser und zwei, später vielleicht fünf Kabelverzweiger, die die potenziellen Kunden mit dem Glasfaserring des regionalen Infrastrukturanbieters LEW TelNet verbinden, eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Lechwerke AG, Augsburg. Dieser wiederum ist an das Backbone von O2/Telefónica angebunden.

Das LEW-Glasfasernetz erstreckt sich in Bayerisch-Schwaben und angrenzenden Gebieten in Oberbayern und Baden-Württemberg auf rund 1.500 Kilometer; insgesamt umfasst das Netz 2.300 Kilometer. Die Übertragung im Backbone hat eine Kapazität von derzeit 10 Gigabit pro Sekunde, mit dem Multiplex-Verfahren „STM-64“.

LEW Telnet und O2/Telefónica

Der Partner in diesem Projekt, O2/Telefónica, betreibt und vermietet ein Backbone-Netz, das inklusive der Leitungen von Partnern rund 40.000 Kilometer umfasst und bis zu den jeweiligen Hauptverteilern reicht. Damit können nach eigenen Angaben von O2 rund 70 Prozent der deutschen Haushalte versorgt werden.

In Diedorf gehören auch die Kabelverzweiger, so genannte Digital Subscriber Line Access Multiplexer (DSLAM), die Übergänge zu den Kupferleitungen in die Häuser, erstmals O2. Darüber hinaus ist O2 für die Vermarktung des Netzes zuständig.

Für 45 Euro erhalten die Kunden eine Internet-Flatrate, eine Flatrate für Telefonate ins deutsche Festnetz und für Mobilfunkgespräche ins O2-Netz. Kunden, die in diesem Pilotprojekt einen Vertrag abschließen, erhalten zudem eine „Fritzbox 7570“ im Wert von rund 250 Euro.

Verträge und Vorverträge

Der Zuspruch in Diedorf ist gut und O2 lagen bereits vor der Inbetriebnahme zahlreiche Registrierungen vor. Zuvor standen den Bürgern und Betrieben lediglich Leitungen mit weniger als 1 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. Diedorf zählte zu den so genannten „weißen Flecken“ der Breitbandversorgung. In diesen haben rund 1,5 Millionen Haushalte, beziehungsweise 3,5 Prozent der Bevölkerung, keinen Internet-Zugriff oder kommen nur mit 384 Kilobit pro Sekunde online.

Einweihung in Diedorf: Mit einem symbolischen Knopfdruck ging das Diedorfer Breitbandnetz in Betrieb: Johannes Pruchnow, Geschäftsführer Business Telefónica O2, LEW TelNet-Geschäftsführerin Erna-Maria Trixl, Claudia Klein, Vertreterin der Regierung von Schwaben, Bayerns Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Martin Sailer, Landrat des Landkreises Augsburg, Diedorfs Bürgermeister Otto Völk und LEW-Vorstandsmitglied Dr. Markus Litpher (v.l.n.r.). Bild: LEW/Lode
Einweihung in Diedorf: Mit einem symbolischen Knopfdruck ging das Diedorfer Breitbandnetz in Betrieb: Johannes Pruchnow, Geschäftsführer Business Telefónica O2, LEW TelNet-Geschäftsführerin Erna-Maria Trixl, Claudia Klein, Vertreterin der Regierung von Schwaben, Bayerns Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Martin Sailer, Landrat des Landkreises Augsburg, Diedorfs Bürgermeister Otto Völk und LEW-Vorstandsmitglied Dr. Markus Litpher (v.l.n.r.). Bild: LEW/Lode

Der Baustart war Ende Oktober 2009. Abgeschlossen waren die Bauarbeiten im Frühsommer. Die Investitionen lagen in einem „mittleren sechsstelligen Bereich“, so LEW TelNet und O2. Die Gemeinde beteiligte sich mit 200.000 Euro an den Kosten. 100.000 Euro davon trug das Land Bayern durch Fördermittel.

Der zuständige Staatssekretär aus dem bayerischen Finanzministerium, Franz Josef Pschierer, war bei der feierlichen Inbetriebnahme des Netzes zugegen. Er sagt: „Infrastruktur heißt heute nicht nur Straßenbau und Wasserversorgung, sondern auch schneller Zugang zum weltweiten Netz.“

Wie sich speziell dieser Teil der Infrastruktur entwickeln sollte und was dafür notwendig ist, verriet Pschierer im Interview mit IP-Insider.

weiter mit: Franz Josef Pschierer im Interview

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