Intelligente Flughäfen in der zivilen Luftfahrt von heute

Flughäfen müssen smarter werden, nicht nur größer

| Autor / Redakteur: Kelly Allen / Andreas Donner

Ohne modernste Netzwerktechnik geht bei Flughäfen heute nichts mehr!
Ohne modernste Netzwerktechnik geht bei Flughäfen heute nichts mehr! (Bild: Pexels - Pixabay - gemeinfrei / CC0)

Flughäfen spielen eine Schlüsselrolle beim Wachstum und bei der Wirtschaftsentwicklung einer Region. Um dies auch in Zukunft gewährleisten zu können, müssen Flughäfen nicht nur immer größer werden, sondern auch ihre Ressourcen und Kapazitäten intelligenter einsetzen. Und hierzu ist eine moderne Netzwerkinfrastruktur unerlässlich.

Die zivile Luftfahrt boomt, und die Flughäfen müssen auch bei steigenden Passagierzahlen und immer mehr Flügen und Flugrouten eine gleichbleibend hohe Sicherheit gewährleisten. Gleichzeitig stehen sie unter hohem Wettbewerbsdruck und müssen ihre Rentabilität verbessern, indem sie effizienter agieren und Kosten senken. Kapazitätsengpässe führen dazu, dass die Betriebseffizienz immer häufiger durch die Einführung neuer Technologien gesteigert werden soll.

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), Automatisierung, Big Data, Roboter, KI und Virtual Reality gehören deshalb heute genauso zum Ökosystem der zivilen Luftfahrt wie integrierte Datenerfassung und bessere Kanäle für die Echtzeitkommunikation. Um das Beste aus diesen Technologien zu machen, müssen die Flughäfen jedoch Prozesse etablieren, die die Zusammenarbeit in der Luftfahrt-Community vereinfachen und beschleunigen.

Ein komplexes Ökosystem

Sowohl im operativen Bereich als auch beim Kundenservice bieten Endgeräte, die an das IoT angeschlossen sind, ein nicht zu unterschätzendes Potenzial zur Straffung der Betriebsabläufe. Echtzeit-Überblick über den Zustand von Anlagen. Standortbasierte Services und Beacons für Leitsysteme und Ortung. Online-Marketing, Beschilderung und Informationsanzeige. Remote-Sensoren für die Überwachung von Start- und Landebahnen oder von Umgebungsbedingungen. Überwachungskameras mit Gesichtserkennung und digitale Kontrolltürme. Gepäckabfertigung, Fluggast-Tracking und Self-Check-In. Vernetzte IoT-Geräte sind einfach überall.

Es ist aber nahezu unmöglich, alle diese Technologien zu managen, wenn sie an verschiedene Subsysteme angeschlossen sind, die jeweils ihre eigene Verwaltung und Wartung benötigen. Und egal, welche digitalen Werkzeuge, Plattformen oder Systeme die Flughäfen einsetzen: Ohne die richtigen Netzwerke und Kommunikationsbausteine werden sie niemals ihr volles Potenzial erreichen. Darüber hinaus wird eine ineffektive Umsetzung sogar dazu führen, dass diese neuen Geräte die Netzwerkressourcen belasten, neue Schwachstellen darstellen und das Erlebnis der Reisenden beeinträchtigen.

Ja, die Luftfahrtindustrie muss sich neu ausrichten, und Flughäfen müssen verstärkt kostengünstige IP-basierte Lösungen einsetzen. Diese unterstützen eine bessere Konnektivität zwischen Menschen, Prozessen und intelligenten „Dingen“ und vereinfachen auch das IT-Management. Hier kommt der vernetzte Flughafen ins Spiel.

Online-Sicherheit ist oberstes Gebot im IoT

Ob Überwachungskameras, Heizung, Lüftung und Klimaanlage oder Anzeigetafeln: Alle Prozesse auf derselben Netzwerk-Infrastruktur laufen zu lassen, ist kostengünstiger, einfacher zu managen und bietet unternehmensweiten Überblick. Aber das ist auch mit Risiken verbunden. So kann bei schlecht abgesicherten Installationen jedes kompromittierte Gerät eine mögliche Hintertür in das Netzwerk darstellen. Wenn immer mehr feste und mobile Geräte an die Netzwerkperipherie angeschlossen werden, wird es noch wichtiger, die IoT-Geräte ordentlich abzuschotten.

Die Techniken der Netzwerkvirtualisierung ermöglichen es, isolierte virtuelle Umgebungen auf einer gemeinsamen Infrastruktur einzurichten, um das IoT besser handhabbar zu machen. So können verschiedene Teams oder Abteilungen jeweils ihre eigene IoT-Netzwerkinstallation unterhalten. Mit der virtuellen Segmentierung des Netzwerks werden „IoT-Container“ eingerichtet, die Endgeräte und Nutzer zusammenfassen, verwalten und absichern – und im Falle eines Angriffs verhindern, dass sich die Bedrohung horizontal im Netzwerk ausbreitet.

Das IoT-Containment ermöglicht es auch den verschiedenen Abteilungen, ihre eigenen Quality of Service (QoS)-Richtlinien im Netzwerk durchzusetzen, um ihre operativen Prozesse zu optimieren. Innerhalb eines jeden virtuellen IoT-Containers ist es möglich, den gesamten Verkehr und die Benutzer zu verwalten, Geräte und Anwendungen zu priorisieren, Bandbreite zu reservieren oder zu begrenzen, Geräte auf die Blacklist zu setzen oder nach verdächtigen Mustern Ausschau zu halten. Die Durchsetzung von QoS-Richtlinien kann sicherstellen, dass kritische operative Prozesse oder Geräte immer die Netzwerk-Ressourcen erhalten, die sie benötigen, um richtig zu funktionieren.

Zusammenarbeit der Interessensgruppen

Unternehmen setzen immer mehr auf verbundene Plattformen, auf denen Menschen, Prozesse und „Dinge“ miteinander verbunden sind und zusammenarbeiten, auch auf Flughäfen. In der komplexen Gemeinschaft der Interessensgruppen – aus Flughafenbetreibern, Fluggesellschaften, Bodenabfertigern, Passagieren, Behörden und Regulierungsbehörden – profitiert jeder davon, wenn Barrieren für den Informationsfluss wegfallen.

Flughäfen können Passagierbewegungen besser managen, den Betrieb optimieren und eine effizientere Notfallkommunikation sicherstellen. Fluggesellschaften können ein reibungsloses Kundenerlebnis bieten, indem sie Infrastrukturen wie „Beacons“ für automatisierte Benachrichtigungen einsetzen. Passagiere können Echtzeit-Informationen erhalten, etwa über die geschätzte Wartezeit bei Sicherheitskontrollen oder die Standorte von Check-in-Schaltern, Gates und Gepäckbändern.

Einzelhändler und Restaurants können standortbasierte Services nutzen, um ihre Angebote zu bewerben. Das intensiviert die Interaktion mit den Passagieren und führt letztendlich zu einer Umsatzsteigerung. Wichtige Informationen zu Passagieren oder Situationen können in Echtzeit zwischen den Beteiligten ausgetauscht werden, sodass immer die richtigen Personen zur richtigen Zeit die richtigen Informationen erhalten.

Offene APIs verbinden Menschen mit Prozessen

Damit das funktioniert, müssen Systeme aus ihren Silos geholt und Kommunikations-Tools wie Instant Messaging, Sprache, Dokumenten-Sharing, Video und Alarme direkt in Applikationen und Systeme integriert werden. Möglich ist das mit offenen APIs, wie sie inzwischen von einigen der weltweit führenden Kommunikationsanbieter angeboten werden. Diese Programmierschnittstellen geben Technologiepartnern und Drittanbietern die Möglichkeit, Kommunikations- und Kooperationsinstrumente zu einem integrierten Merkmal von Online-Dienstleistungen am Flughafen zu machen – und sie nicht nur als nachträglich hinzugefügte Funktionen anzubieten.

Intelligente Flughäfen – keine Vision, sondern längst Realität

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, brauchen Flughäfen innovative Lösungen und eine intelligentere Nutzung ihrer Infrastruktur. Die Flughäfen müssen die Technologie so einsetzen, dass sie ihr Budget und ihre Ressourcen optimal nutzen, um steigende Passagierzahlen zu bewältigen und die wachsenden Anforderungen technikversierter Passagiere und gewerblicher Mieter zu erfüllen.

Der Bedarf an einem Informationsaustausch in Echtzeit wird dazu führen, dass Flughäfen neue Technologien einsetzen, die für einen freien Kommunikationsfluss sorgen. Innovationen, die „smarte“ Geräte integrieren, Informationen austauschen und eine engere Kommunikation zwischen den Stakeholdern der zivilen Luftfahrt ermöglichen, spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Kelly Allen.
Kelly Allen. (Bild: ALE)

Die Einführung der richtigen Infrastruktur erfordert sorgfältige Planung, die Berücksichtigung künftiger Entwicklungen und ein durchgängiges Sicherheitskonzept – von den Kundenservices bis zur Hardware. Der intelligente Flughafen ist mehr als eine Vision, er ist ein Muss. Mit der richtigen Infrastruktur hat er das Potenzial, weltweit zur Realität zu werden.

Über die Autorin

Kelly Allen ist Director of Transportation Europe North beim Kommunikations- und Netzwerkanbieter ALE.

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