Technologien für Unified Communications & Collaboration unter der Lupe

Fixed Mobile Convergence (FMC) – Erreichbarkeit kontra Sicherheit

16.07.2008 | Autor / Redakteur: Dr. Simon Hoff, Daniel Meinhold, Dr. Michael Wallbaum / Andreas Donner

FMC-Lösungen sind sehr attraktiv, bergen aber auch enorme Sicherheitsrisiken
FMC-Lösungen sind sehr attraktiv, bergen aber auch enorme Sicherheitsrisiken

Alternative 1: FMC-Lösung als Ergänzung einer TK-Anlage

FMC-Systeme können mit den in TK-Anlagen bereitgestellten Funktionen realisiert werden. Die entsprechende Steuerungslogik (als FMC Controller bezeichnet) kann als Komponente der TK-Anlage oder in einer separaten Appliance realisiert werden. Aus dem Blickwinkel der TK-Anlage und des Nutzers wird das Mobiltelefon dabei praktisch zu einer weiteren Nebenstelle, d.h. insbesondere, dass Mobiltelefone integraler Bestandteil der TK- bzw. IT-Infrastruktur werden.

Das Mobilfunknetz wird als transparentes Kommunikationsmedium verwendet. Für die Bereitstellung von Leistungsmerkmalen dient eine spezielle Software auf dem Mobiltelefon. Grundlegende Funktionen einer FMC-Lösung können auch mit einfachen Mobiltelefonen ohne spezielle Software genutzt werden. Diese Variante wird aufgrund der praktisch nicht verfügbaren Mehrwertdienste im Folgenden aber nicht genauer betrachtet.

Enterprise FMC-Lösungen können neben den Diensten zur Sprachübertragung auch GPRS zur spezifischen Signalisierung zwischen der Komponente auf dem Mobiltelefon und der TK-Anlage (z.B. Synchronisation von Kontakten) und Messaging-Dienste nutzen.

Ein eingehender Ruf kann parallel sowohl auf dem Festnetztelefon als auch auf dem Mobiltelefon angezeigt werden, wie in Abbildung 2 gezeigt. Nimmt der Teilnehmer das Gespräch beispielsweise auf dem Festnetzapparat an, kann das Gespräch bei vielen Lösungen anschließend „auf Knopfdruck“ an das Mobiltelefon übergeben und dort nahtlos fortgesetzt werden.

Unterstützt das Mobiltelefon zusätzlich eine WLAN-Schnittstelle mit einem VoIP-Client (Softphone), so gestatten es manche FMC-Lösungen, dass sich das Endgerät bei Empfang des heimatlichen WLANs automatisch in dieses Netz einbucht und die Sprachkommunikation über WLAN geführt wird. Bewegt sich das Mobiltelefon aus dem Abdeckungsbereich des WLANs hinaus, wird wieder über GSM/UMTS kommuniziert (siehe Abbildung 3). Dabei kann auch eine nahtlose Gesprächsübergabe (Seamless Handover) zwischen WLAN und GSM/UMTS realisiert werden.

Zu den typischen Merkmalen einer Enterprise FMC-Lösung gehören:

  • One Number Service / Single Number Reach: Die einheitliche Erreichbarkeit unter einer Rufnummer ist das entscheidende Merkmal einer FMC-Lösung.
  • Seamless Roam-In / Roam-Out: In engem Zusammenhang mit dem One Number Service steht die Funktion der automatischen Einbuchung in das bevorzugte Netz (z.B: bei Empfang des heimatlichen WLAN) bzw. in ein anderes Netz, das aktuell empfangen wird. Dabei kann ebenfalls die nahtlose (seamless) Übergabe des laufenden Gesprächs an das jeweils andere Medium unterstützt werden. Dies kann automatisch oder manuell erfolgen. Abbildung 4 illustriert eine manuelle Übergabe anhand der FMC-Lösung von Avaya.
  • Over the Air Configuration (OTA): Die Konfiguration der Mobiltelefone inklusive der FMC-bezogenen Parameter muss drahtlos über das jeweilig zur Verfügung stehende Medium (per WLAN oder z.B. mit SMS per GSM oder UMTS) erfolgen können. Die Installation und Konfiguration von Programmen und Diensten über SMS-Nachrichten wird in der Mobilfunkwelt allgemein als Over the Air Configuration (OTA) bezeichnet.
  • Präsenzinformationen: Gerade in modernen Arbeitsumgebungen, die von (globaler) Mobilität der Nutzer geprägt werden, sind Informationen hinsichtlich der Erreichbarkeit eines Nutzers eine wesentliche Grundlage der geschäftlichen Telekommunikation. Daher bieten FMC-Lösungen oft eine Integration mit Präsenzdiensten.
  • Mehrwertdienste: Eine FMC-Lösung, die als Ergänzung einer TK-Anlage realisiert ist, wird die spezifischen Leistungsmerkmale möglichst auch auf Mobiltelefonen zur Verfügung stellen und insbesondere das herstellerspezifische „Look and Feel“ der kabelbasierten Endgeräte als Anwendung auf dem Mobiltelefon anbieten. Die Leistungsmerkmale beinhalten typischerweise Anrufweiterleitung, Makeln, Konferenzen und die Anwahl von Nebenstellen (Nebenstellenfunktion).
  • Zugriff auf Verzeichnisdienste: Von einer FMC-Lösung wird natürlich auch erwartet, dass ein Zugriff auf zentrale Verzeichnisdienste (Corporate Directory) ebenso unterstützt wird, wie auf die in Groupware-Anwendungen verwalteten persönlichen Kontakte.
  • Übergreifende Dienste: Im Sinne einer Integration von Festnetz- und Mobiltelefonie ist auch die Bereitstellung übergreifender Dienste als wesentliches Merkmal einer FMC-Lösung zu sehen. Hierzu zählen insbesondere gemeinsam genutzte Anrufbeantworter (Sprachmailboxen) sowie ein Anrufjournal für alle Endgeräte eines Nutzers.

Die Eckpunkte einer Enterprise FMC-Lösung sehen zusammenfassend damit so aus:

  • Grundlage ist ein Dual-Mode-fähiges Mobiltelefon (in der Regel mit WLAN- und GSM/UMTS-Schnittstelle).
  • Die Bereitstellung von Leistungsmerkmalen erfolgt über eine spezielle Software auf dem Mobiltelefon (FMC-Client).
  • Bei Empfang des heimatlichen WLAN kann sich das Mobiltelefon automatisch in dieses Netz einbuchen.
  • Bewegt sich das Mobiltelefon aus dem Abdeckungsbereich des WLAN hinaus, wird über das Mobilfunknetz kommuniziert.
  • Gespräche können unterbrechungsfrei über verschiedene Medien (WLAN, GSM/UMTS) geführt werden (Seamless Handover).
  • Aus dem Blickwinkel von TK-Anlage und Nutzer ist das Mobiltelefon eine weitere Nebenstelle geworden.

weiter mit: Alternative 2: FMC-Lösung als Komponente in einem Mobilfunknetz

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