Gemeinsame Infothek von Buglas und BreitbandConsulting.NRW

Finanzierung, Planung und Roll-out von High-Speed-Netzen in NRW

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

In Nordrhein-Westfalen laufen die Regionen jenseits der Ballungsräume Gefahr, bei der Breitbandversorgung abgehängt zu werden.
In Nordrhein-Westfalen laufen die Regionen jenseits der Ballungsräume Gefahr, bei der Breitbandversorgung abgehängt zu werden. (Bild: Breitband.NRW)

Am 3. Juni 2015 hatten der Buglas, BreitbandConsulting.NRW und über 90 Vertreter von Landkreisen, Kommunen und kommunalen Unternehmen den Breitbandausbau in Nordrhein-Westfalen zum Thema. Dabei wurde die Sorge vor einer Unterversorgung auf dem Land und einer „digitalen Spaltung“ laut.

„Vordergründig scheint die Breitbandversorgung in Nordrhein-Westfalen zu den Spitzenreitern in Deutschland zu gehören“, so Dr. Michael Krause von der BreitbandConsulting.NRW. „Dies ist aber nur eine Seite der Medaille, denn die ländlichen Regionen jenseits der Ballungsräume laufen Gefahr, abgehängt zu werden.“ Im Rahmen der gemeinsamen Infothek zum Breitbandausbau mit dem Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) auf dem Campus Freudenberg der Universität Wuppertal sprach der Experte sogar von einer „digitalen Spaltung“. Wissenschaftliche Rückendeckung für diese Sorge gebe es durch die am 4. Mai veröffentlichte Micus-Studie zum NGA-Netzausbau im größten deutschen Bundesland: Die Unterversorgung mit schnellem Internet in den rund 2.000 Gewerbegebieten und etwa 800 Gebieten mit Ansiedlungspotenzial sei besonders auffallend. Dabei werde eine fehlende oder mangelhafte Erschließung als Hauptgrund für den Wegzug von Unternehmen angesehen. Oftmals gelte dies sogar als Ausschlusskriterium bei der Standortsuche. „Wir möchten den Landkreisen und Kommunen helfen, den Anschluss nicht zu verlieren“, brachte es Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer auf den Punkt. „Mit solchen Veranstaltungsformaten weisen wir den Weg auf die Datenautobahn.“

Betreibermodell bevorzugen

„Machen Sie sich zur Finanzierung direkt zu Beginn umfassende Gedanken, dann läuft es hinterher erheblich reibungsloser“, riet Andreas Weiss von der Finanzberatung neXt.kom. Von Bedeutung sei dabei schon, wie man „das Projekt anpackt“: Weitverbreitet sei einerseits die Zusammenarbeit mit großen Anbietern wie der Telekom, die sich um den gesamten Vorgang kümmern und sich die sogenannte „Wirtschaftlichkeitslücke“ für die ländliche Internetversorgung finanziell von der Kommune entschädigen lassen. „Geben Sie der Verlockung einer solchen scheinbar unkomplizierten Lösung nicht nach“, empfahl Weiss den Teilnehmern. „Die Anbieter investieren meist nur in die Ertüchtigung veralteter Kupfertechnologie, und die Berechnung der geforderten Ausgleichszahlungen beruhen häufig nur auf einem kurzen Investitionshorizont.“ Attraktiver sei daher das Betreibermodell, bei der die Kommune selbst den Ausbau vornimmt und den Betrieb dann einem Telekommunikationsanbieter gegen eine Pacht überlässt. „Mit der flächendeckenden Investition in neueste Technologie schaffen Sie bleibende Werte“, betonte Weiss.

Keine Angst vor Förderanträgen

„Wenn Städte eigenes Geld in die Hand nehmen müssen, schreckt das erst einmal ab“, zeigte Ralph Ishorst von der NRW.Bank Verständnis für weitverbreitete Bedenken vieler Kommunen gegen ein solches Modell. Ein guter Teil der Investitionssumme könne aber über öffentliche Förderprogramme „gestemmt“ werden. Als Finanzexperte wolle er bei den Betroffenen Hemmungen abbauen: „Haben sie keine Angst, mit dem Hausbanker haben Sie in rund zehn Minuten die Förderanträge ausgefüllt.“ Das müsse auch so sein, denn „sonst macht Förderung doch keinen Spaß“. Zudem seien günstige Kredite ebenfalls eine Lösungsmöglichkeit. Die Förderbank für Nordrhein-Westfalen berate selbst Kommunen in solchen Angelegenheiten und habe eigene Angebote für unterschiedliche Zielgruppen konzipiert. Der Banker riet, die Gelegenheit für den Ausbau mit den aktuellen Zinskonditionen schnell zu nutzen – „wenn nicht jetzt, wann dann?“

Synergieeffekte nutzen

Dass Städte den Weg in die Gigabit-Gesellschaft nicht alleine gehen müssen, zeigte Achim Zimmermann von der Kanzlei „iuscomm Rechtsanwälte“ mit verschiedenen Beispielen. Der Jurist empfahl Kommunen, zusammenzuarbeiten und auf diese Weise Synergieeffekte zu nutzen: „Größe ist nicht alles, aber mitentscheidend!“ Gemeinsame Zweckverbände seien für Netzbetreiber attraktiver und würden den Mitgliedskommunen damit höhere Einnahmen bringen. Mit der interkommunalen Kooperation stehe wertvolles Expertenwissen auch den Verwaltungen direkt zur Verfügung. „Außerdem vermeiden Sie mit dem Modell die ärgerliche Rosinenpickerei, bei der seitens großer Telekommunikationsunternehmen nur lukrative Regionen ausgebaut werden.“ Auch abgelegene Gebiete blieben so nicht auf der Strecke, da es für eine Betreiberfirma nur ein Gesamtpaket gebe. „Haben Sie den Mut, auch unkonventionelle Wege zu gehen – es lohnt sich!“

Glasfaser statt Brückentechnologien

Dabei können Landkreise und Kommunen auf eine Vielzahl kompetenter Partner zugreifen. Einer dieser möglichen Partner sei das Unternehmen Geodata GmbH mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Planung von Breitbandnetzwerken. Christoph Bechtel riet als Experte des Fachdienstleisters den kommunalen Vertretern, es mit der Verlegung von Glasfaserleitungen bis in die Haushalte und Firmen „direkt richtig zu machen“, statt auf teure Brückentechnologien mit „mäßigen Zukunftsaussichten“ zu setzen. Das sogenannte Vectoring sei eine solche „kurzzeitige Beruhigungspille“, da dabei letztendlich nur mehr Leistung aus veralteten Kupferleitungen herausgeholt werden soll. „Daher rechnet sich der vordergründig etwas teurere Glasfaserausbau, denn damit sind sie auch in fünf bis zehn Jahren gerüstet“, betonte Bechtel. „Sonst zahlen sie schnell doppelt, wenn Sie nach kurzer Zeit die Anschlusstechnologien nachrüsten müssen.“ In der Praxis würden zudem ausgerechnet die bereits gut angebundenen Ballungsräume von Vectoring profitieren, da die Technik eine schnelle Datenverbindung voraussetzt und dann nur ortsnahe Anschlüsse leistungsstark versorgt. „Eine schnelle Lösung für den ländlichen Raum ist hier ohnehin nicht in Sicht.“

„Datennetze sind die Straßen von morgen“

Dass die digitale Gesellschaftsentwicklung kontinuierlich höhere Bandbreiten benötigen wird, daran ließ der Brüsseler Buglas-Verbindungsanwalt Dr. Alexander Benczek keinen Zweifel: „Leider hängen wir im europäischen Vergleich mit dem Breitbandausbau ziemlich hinterher.“ Dabei seien die Einsatzgebiete und Wohlfahrtsgewinne für eine derartige Infrastruktur sehr vielfältig, gerade in Bereichen „die man auf den ersten Blick nicht auf dem Schirm haben dürfte“. Neue Mobilitätsformen wie automatisiertes Autofahren benötigen vor allem eine konstant stabile Datenverbindung, um einen sicheren Transport gewährleisten zu können. „Auch im Pflegebereich tun sich mit erweiterten Home-Nursing-Angeboten mit Vitalfunktionsüberwachung völlig neue Möglichkeiten auf“, betonte Benczek. „Ein Plus, um dem demografischen Wandel zu begegnen.“ Schnelle Glasfasernetze könnten zudem einen maßgeblichen Anteil zum Gelingen der Energiewende tragen, begünstigen sie doch eine intelligente Netzsteuerung und eine bessere Nutzung umweltfreundlicher Technologien. Die Quintessenz war für den Experten klar: „Besonders die Kommunen müssen die Breitbandversorgung zunehmend als Daseinsvorsorge begreifen.“ Neben Standortvorteilen und Arbeitsplatzsicherung stehe besonders die vernetzte Gemeinschaft im Mittelpunkt. Kommunen sollten jetzt ihre Handlungsoptionen wahrnehmen, denn die „Datennetze sind die Straßen von morgen“.

Diesen Trend zu schnellen Glasfaseranschlüssen frühzeitig erkannt hat das kommunale Unternehmen Elementmedia, das für das Stadtgebiet Schwerte zuständig ist. „Haben Sie keine Angst vor dem Wettbewerb“, ermunterte Geschäftsführer Oliver Weist die Teilnehmer. Mit Beispielen aus der Praxis zeigte Weist auf, dass nicht unbedingt massive Einzelinvestitionen für einen gelungenen Breitbandausbau nötig sind: „Wir bauen nicht alle Stadtteile auf einmal, sondern Gebiete Stück für Stück aus“. Wenn Wartungsarbeiten an Versorgungsleitungen anfallen würden oder Neubaugebiete erschlossen werden, könne man „Synergieeffekte nutzen“ und direkt Glasfaserkabel mitverlegen.

Modulare Lösungen und alternative Verlegemethoden

Einsparmöglichkeiten gebe es nicht nur bei den Leitungen, sondern auch bei den Verteilergehäusen, die „viele nur als graue Kästen am Straßenrand wahrnehmen“, wie Mirko Hüller vom Hersteller Berthold Sichert die „Herzstücke der Netze“ beschreibt. Mit modularen Lösungen zahle man zu Beginn ein wenig mehr, könne jedoch auf lange Sicht die Betriebskosten deutlich reduzieren. Die Boxen gebe es zudem mit speziellen Lackierungen, die das Anbringen von Graffitis und Plakaten „deutlich erschweren“ und damit zu einem sauberen Stadtbild beitragen würden.

Die alternative Verlegemethode der Firma Fast Opticom über Abwasserkanäle sorge für unberührte Straßen und eine Verkehrsentlastung durch entfallende Baustellen: „Wir schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch noch Ihren Geldbeutel“, versprach Unternehmenschef Harry Aichele. Nicht nur die Stadt Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis habe damit erheblich die Ausbaukosten senken können. Alleine in den letzten drei Jahren habe die Fast Opticom über 250 Kilometer Glasfaserkabel im Abwasserkanal verlegt. „Die eingesetzte Technologie ist zertifiziert und mehrfach auch von Gutachtern überprüft worden.“

Dr. Krause konnte als Gastgeber dem nur beipflichten: „Seien sie offen für alternative Verlegemethoden und entdecken Sie deren Möglichkeiten!“ Er kenne leider viele Beispiele, bei denen „ständige Bedenkenträger“ einen dringend benötigten Breitbandausbau verzögern oder sogar verhindern würden. „Verharren Sie nicht in der Konzeptphase, sondern packen Sie es an!“

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