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Morgendämmerung für Pico-Zellen auf dem Betriebsgelände Femtocell: Eine Technik entwickelt sich schneller als der Markt

Redakteur: Ulrike Ostler

In Europa sollen die ersten Femto-Zellen gegen Ende dieses Jahres angeboten werden. Ob die deutschen Mobilfunkbetreiber dabei eine Rolle spielen, ist mehr als fraglich. Erst im Juni startete T-Mobile in Köln seinen ersten Pilotversuch mit der Minizelle. In Großbritannien sollen die Provider schon weiter sein.

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Femto-Zellen nutzen Mobilfunktechniken in einem lizenzierten Spektrum; Grafik: Femto Forum
Femto-Zellen nutzen Mobilfunktechniken in einem lizenzierten Spektrum; Grafik: Femto Forum
( Archiv: Vogel Business Media )

Für die PA Consulting Group gibt es im Wesentlichen fünf Fragen, die sich Mobilfunkbetreiber und sonstige UCC-Anbieter heute stellen müssen:

  • Mit welcher Art von Geschäft will man in Zukunft Geld verdienen?
  • Welche Vorteile ergeben sich aus einem Netzwerk-Sharing?
  • Welche Strategie führt in Bezug auf drahtloses Breitband zu Erfolg?
  • Wann und wie sollen die Kunden von 2G auf 3G umsteigen?
  • Gibt es eine Zukunft für Femtocell?

Tatsächlich scheinen Femto-Zellen den heißesten Diskussionsstoff abzugeben. Das liegt zum einen an Prognosen von diversen Marktbeobachtern. So veröffentlichte IDC schon im Mai 2007 mit der Studie „Femtocell-Enabled Mobile Services in Western Europe: Forecast and Analysis 2007 – 2011“, dass es in drei bis vier Jahren bereits 5,7 Millionen Nutzer geben wird, die einen Umsatz von 900 Millionen Dollar generieren.

Nach Accenture-Studien nimmt die Datennutzung am Handy zu. Doch der Durchbruch soll erst in zwei bis fünf Jahren erfolgen. Femtocell könnte den Prozess beschleunigen. (Archiv: Vogel Business Media)

Andere sehen in den Pico-Zellen eher eine letzte Chance der Mobilfunkbetreiber, der Konvergenz von Sprache und Daten innerhalb ihrer Netze auf die Sprünge zu helfen – in Konkurrenz zu WLAN und WiMAX. Zudem bieten sich hier Chancen, die Breitband-unterversorgten Regionen kostengünstig ins digitale Informations- und Unterhaltungsgeschehen einzubinden.

Das Interesse erscheint dementsprechend riesig. Das Femto Forum, eine Non-Profit-Organisation, die sich Standardisierung und Weiterentwicklung von Femtocell-Technik auf die Fahne geschrieben hat, wurde im Juni vor einem Jahr mit nur sieben Mitgliedern gegründet, zählte aber ein Jahr später bereits 83 Teilnehmer. Zudem hat das Forum bereits einen 3GPP-Standard durchgeboxt. (3GPP = 3rd Generation Partnership Project ist eine weltweite Kooperation von Standardisierungsgremien für die Standardisierung im Mobilfunk; insbesondere UMTS und IP Multimedia Subsystem.)

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Wie die Pico-Zellen arbeiten

Femto-Zellen sind sehr kleine Mobilfunkzellen. Sie nutzen bekannte Funk-Standards in einem Lizenzierten Spektrum – hierzulande UMTS – und vergrößern damit sowohl die Zuverlässigkeit als auch die Reichweite zu einem Preis, der mit WiFi-Installationen vergleichbar sein soll. Als Internet-Backhaul dienen DSL- oder andere Kabel-Verbindungen. Das Management obliegt den Mobilfunkoperatoren.

Damit können die Mini-Mobilfunkzellen als Verstärker in Gebäuden, Zuhause oder im Büro genutzt werden. Sie sollen aber auch komplette WLAN-Installationen auf einem Betriebsgelände oder Uni-Campus ersetzen können.

Der Deutschlandfunk berichtete kürzlich von Keith Day, der zurzeit bei sich daheim in Großbritannien ein Gerät der Firma Ubiquisys testet, das etwa die Größe eines herkömmlichen DSL-Routers besitzt. Seit März dieses Jahres ist T-Mobile Venture an dem Femtocell-Anbieter beteiligt, wie auch Google, Accel Partners, Atlas Venture und Advent Venture Partners. Partner sind etwa Nokia Siemens Networks, Netgear und NEC.

Day ist als Marketingleiter des Unternehmen zwar kein unvoreingenommener Beobachter, doch er kann erklären, wie Anwender mit dem Minisendemasten im Haus umgehen und diesen wahrnehmen: „Das Ding“ sei so groß wie ein Taschenbuch, per Kabel mit dem DSL-Anschluss verbunden und per SIM-Karte des Mobilfunk-Providers mit den Handys der Familie. Diese nutzten nun ihre Smartphones zum Surfen und sogar zum Download von Videos.

Angst vor der zusätzlichen Strahlung hat Day offenbar nicht. Nach Angaben von Ubiquisys benötigt ein WiFi-Router rund 100 Milliwatt Leistung. Die Femto-Zelle komme mit einem Milliwatt aus.

Antennen im Wohnzimmer und Büro

Auch T-Mobile verwendet neben Huawei-Technik auch Geräte dieses Herstellers, um die Praxistauglichkeit von Femtocell zu prüfen. Doch Pressesprecher spielen die Bedeutung des Pilotversuchs in Köln/Bonn herunter. Es handle sich lediglich um einen „kleinen Versuch und nicht um mehrere Tausend Installationen“, um vor allem die technische Abwicklung und die Stabilität sowie die Reichweite der Technik zu testen. Darüber hinaus wolle das Unternehmen „Business-Cases errechnen“.

Um vor Einflüssen aus Macro-Zellen zu schützen, benötigen die Pico-Zellen eine gute 2.100-Megahertz Abschirmung der Wände. Grafik: Femto Forum (Archiv: Vogel Business Media)

Der Versuch mit UMTS (HSDPA und HSUPA) und DSL läuft seit Juni dieses Jahres, so dass noch nicht einmal eine Zwischenauswertung vorliege oder das Ende terminiert sei. Insofern könnten auch noch keine Aussagen darüber getroffen werden, ob ein Einsatz in Firmen machbar sei und sich für Anbieter wie Kunde lohne.

Störend könnte sein, dass die Femto-Zellen nur mit Devices desselben Mobilfunk-Provider harmonieren; eine Vodafone-Zelle funktioniert nur mit Vodafone-Handys.

Ungeklärt ist offenbar auch, wie man sich vor unberechtigtem Huckepack-Surfen schützen will oder was passiert, wenn ein Anwender eine Funkzelle in eine Region mit anderen Preismodellen einführt.

Zudem könnte sich das Umgehen von Interferenzen als schwierig erweisen, zum Beispiel durch die Konkurrenz von Makro- und Mikro-Zellen oder durch unterschiedliche Femto-Technik in verschiedenen Stockwerken.

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Femtocell-Produkte

Allerdings sind die Hersteller fix bei der Integration von Mobilfunk- und Kabel-gebundener Sprach-Daten-Technik. So bietet Netgear mit dem „DVG834GH“ schon jetzt ein Voice-Gateway an, das Femtocell unterstützt. Insgesamt bietet das Gerät sieben Funktionen:

Dazu gehört „ZoneGate Femtocell“ von Ubiquisys, ein sofort betriebsbereiter Access Point mit High Speed Downlink Packet Access (HSDPA). Darüber hinaus bietet es 802.11gWLAN sowie vier 10/100 Ethernet-Anschlüsse.

Das Netgear-Gateway wird mit einem ADSL-Anschluss verbunden und ermöglicht somit kabelgebundene als auch drahtlose Internet-Breitbandverbindungen. Es erkennt Grundeinstellungen wie beispielsweise Art der Internet-Verbindung und Provider-Anbindungen.

Netgear DVG834GH – Femtocell Voice Gateway (Archiv: Vogel Business Media)

Für Sicherheit sorgt die doppelte SPI und NATFirewall. Mit Unterstützung von VPN-Pass-Through erhalten Anwender auch sicheren Fernzugriff auf das Netzwerk. Daneben eignet das Gerät für VoIP. Unter anderem unterstützt es das Session Initiation Protocol (SIP), ein Netzprotokoll zum Aufbau von Kommunikationsverbindungen.

Außerdem entwickeln Netgear und NEC Europe gemeinsam einen UMTS Access Point, den NEC in sein Femtocell Lösungsportfolio aufnehmen wird. Das Gateway wird auch mit anderen Femtocell-Produkten von NEC kompatibel sein und über das NEC Access Point Managementsystem verwaltet werden können.

Zudem soll das Gerät mit dem UMA Netzwerk Controller, einem 3GPP-basierten Femtocell „RAN Gateway“ von Kineto Wireless und mit Technik von Nokia Siemens Networks interoperabel sein. Femto-Zellen gibt es aber auch von Alcatel-Lucent, Ericsson, Motorola und Samsung.

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