IDC-Studie

Fehlende Fachkräfte bremsen KI-Zug

| Autor / Redakteur: Sarah Nollau / Andreas Donner

Für die Umsetzung von KI-Projekten fehlt es an Fachpersonal.
Für die Umsetzung von KI-Projekten fehlt es an Fachpersonal. (Bild: sh22 - stock.adobe.com)

IT-Entscheider sind bereit, Künstliche Intelligenz in ihrem Unternehmen einzusetzen und sammeln dafür Big Data. Die erste Anlaufstelle für das Thema sind Systemintegratoren und Systemhäuser. Der Fachkräftemangel bremst allerdings die Umsetzung der Projekte.

Eine aktuelle IDC-Studie zeigt, dass Künstliche Intelligenz in deutschen Unternehmen durchaus ein Thema ist, aber das geeignete Personal dafür fehlt. Die Umsetzung von KI-Projekten scheitert schlicht am Fachkräftemangel. Ein weiteres Problem ist das Sammeln von Big Data ohne genaue Fragestellung, wofür die Daten gezielt gesammelt werden sollen.

Im April 2018 wurden 350 Unternehmen in Deutschland zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen (ML) befragt. Alle Befragten hatten sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Dabei waren 54 Prozent IT-Entscheider und 46 Prozent Fachentscheider. Den größten Anteil bildeten dabei Unternehmen mit 250-999 Mitarbeiter (37 Prozent). Besonders vertreten waren Unternehmen aus der Industrie (27 Prozent), dem Finanz- und Versicherungswesen (13 Prozent) sowie dem Handel (10 Prozent).

Deutschland im Mittelfeld

Unter KI wurde in der Studie ein Ansatz zur Bereitstellung von Software und Hardware mit dem Ziel der Nachbildung menschlicher Intelligenz verstanden. Die Klärung des Begriffs sei wichtig, so Matthias Zacher, Manager Research & Consulting, denn als Schlagworte kursieren die Begriffe in vielerlei Bedeutungen. Jeder versteht etwas anderes unter dem Buzzword KI oder AI (Artificial Intelligence).

Ein Viertel der befragten Unternehmen konnte bereits KI-Projekte umsetzen. 69 Prozent planten in den nächsten zwölf Monaten mit der Realisierung eines Projekts. Laut Zacher wird Künstliche Intelligenz in zwei Jahren in jedem Unternehmen präsent sein. Momentan liegt Deutschland allerdings noch im Mittelfeld. Großbritannien und Skandinavien sind mit dem KI-Einsatz auf dem Vormarsch. „Hier gilt es, den Anschluss nicht zu verlieren. Der Fachkräftemangel muss hierzulande mit Priorität adressiert werden“, so Zacher.

Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT

Während in der Öffentlichkeit häufig über technologische Aspekte der KI diskutiert wird, steht für Unternehmen der Nutzen einer intelligenten Anwendung im Vordergrund. Dies erklärt, warum nur ein Drittel der Unternehmen ausschließlich die IT-Abteilung mit einem Projekt beauftragt. Die Fachabteilungen sind mit 37 Prozent am stärksten vertreten. 35 Prozent planen und realisieren KI-Projekte in Partnerschaften zwischen Fachbereichen und IT. Dies ist nach Meinung von IDC die erfolgreichste Variante, um KI im Unternehmen zum Einsatz zu bringen. Hier liegt allerdings der Knackpunkt. In mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen fehlt es schlicht an geeigneten Fachkräften. Sie suchen händeringend nach Entwicklern, Datenbankmanagern für KI-Systeme, KI-Spezialisten, Data Scientists, Business-Analysten sowie Trainern. Auch mittelfristig wird sich dieses Dilemma nicht lösen können. Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen kommen jetzt erst in Gange. Studenten gehen erst nach drei bis fünf Jahren von der Universität ab.

Am häufigsten zum Unternehmenseinsatz kommen die Extraktion von Wissen aus Daten (37 Prozent) und die Spracherkennung (32 Prozent). Darauf folgen überwachtes Lernen (25 Prozent), Bilderkennung/Bild-Klassifikation (23 Prozent) und die automatische Content-Aggregation (23 Prozent). In der konkreten Umsetzung nutzen Unternehmen intelligente Technologien, um interne und externe Kundenanfragen zu bearbeiten, oder auch für Chatbots, die mit Kunden interagieren. Eine KI kann über verschiedene Plattformen, Services und Anbieter am Markt bezogen werden. Am beliebtesten sind cloudbasierte KI-Services (56 Prozent). 38 Prozent greifen gern auf Open Source zurück, um eigene KI-Services zu entwickeln.

Dr. Konstantin Greger, Sales Consultant, Tableau Software
Dr. Konstantin Greger, Sales Consultant, Tableau Software (Bild: IDC)

Channel als erste Anlaufstelle

Die Rolle des Channels ist dabei jedoch nicht zu verachten. 49 Prozent der IT-Verantwortlichen informieren sich bei IT-Dienstleistern, Systemintegratoren sowie Systemhäusern über das Themenfeld KI und ML sowie bestehende Lösungen. Der Channel ist damit auf Platz Eins der genutzten Informationsquellen zum Thema. Mit 13 Prozentpunkten weniger folgt die Beratung über Software- und Lösungsanbieter. Dr. Konstantin Greger, Sales Consultant, Tableau Software, ist technischer Ansprechpartner für Großkunden und kann aus Erfahrung sagen, dass Unternehmen durchaus bereit für KI-Projekte sind und in scheinbar weiser Voraussicht eine große Menge an Daten sammeln. „Daten ohne Fragen sind aber nutzlos“, so der Diplom-Geograph. Es sei wichtig, dass Unternehmen wissen, wohin die Reise mit ihren Daten im Gepäck gehen soll. Dezidierte Fragestellungen müssen am Anfang des Projektes stehen. Welche Fragen wollen wir mit unserer KI-Lösung klären?

Jürgen Wirtgen, Data & AI Lead, Cloud & Enterprise, Microsoft
Jürgen Wirtgen, Data & AI Lead, Cloud & Enterprise, Microsoft (Bild: IDC)

Erfahrungen in kleinen Projekten sammeln

Auch Jürgen Wirtgen, Data & AI Lead, Cloud & Enterprise, Microsoft, kennt die Unsicherheit der Kunden, die auf den KI-Zug aufspringen wollen, aber nicht wissen, wohin der Zug fahren soll. In Beratungsgesprächen können Use Cases eine Hilfestellung bieten. So entstehen Ideen bei Kunden, wie sie KI-Lösungen für ihr Unternehmen nutzen könnten. Die Erwartungen an eine Künstliche Intelligenz sei hoch. Wichtig ist aber, so Greger, dass man zunächst mit kleinen Projekten agil startet und ausprobiert, was möglich ist und was im Einsatz tatsächlich funktioniert. Ganz nach dem Motto: „Start small, think big.“

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