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Studie von Forrester Research zum Thema „Ethernet-WAN vs. MPLS-WAN“ Ethernet oder Multiprotocol Label Switching: Was passt wohin?

Redakteur: Ulrike Ostler

Geschwindigkeit, Preis und Flexibilität bestimmen, was es wird: Ethernet, Multiprotokoll Label Switching (MPLS) oder einer Kombination aus beidem, selbstgebaut oder gemietet. Eine Studie von Forrester Research untersuchte nicht nur diese Kriterien genauer, sondern sagt auch, wie diese und andere Gründe in europäischen Anwenderunternehmen zu bewerten sind.

Lieber eine feste Route und viel Service per MPLS oder freie Pfadwahl im Ethernet?
Lieber eine feste Route und viel Service per MPLS oder freie Pfadwahl im Ethernet?
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Datenaustausch über Wide Area Networks (WANs) nimmt enorme Ausmaße an. Nach Schätzungen von Netzwerkausrüster Cisco wird sich der WAN-Verkehr von Unternehmen bis 2011 verdoppelt haben. Laut Forrester Research jedoch fällt diese Kennzahl „konservativ“ aus.

Grundlage dieser Bewertung ist eine eigene Befragung von 1.033 europäischen Unternehmen. Demnach unterhalten bereits 71 Prozent Weitverkehrsstrecken zwischen ihren Datenzentren und Filialen sowie Tochtergesellschaften. Damit müssen sie Daten und Applikationen verteilen und benötigen dafür hohe Übertragungsgeschwindigkeiten mit geringen Verzögerungen.

Rund 65 Prozent der Unternehmen berichten zudem von Ethernet-Verbindungen zwischen den Datenzentren und über von Jahr zu Jahr steigende Datenvolumen und wachsendem Bedarf an Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Das derzeitige Spektrum liegt typischerweise zwischen 1 und 10 Gigabit pro Sekunde.

Schuld daran sind etwa Server-Konsolidierungen und andere Rationalisierungen, aber auch neue Dienste und Anwendungen wie Voice over IP, Unified Communications und IP-Video-Conferencing. Das erfordert zum Teil bereits Geschwindigkeiten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde.

Außerdem nutzen Unternehmen auch stärker als bisher großer Speicherplätze. Typischerweise befinden sich die zu synchronisierenden Storage Area Networks (SANs) in etwa zehn Kilometern Entfernung von einem Rechenzentrum. Rund 55 Prozent der Befragten sehen hierin einen Grund, auf Ethernet im WAN umzusteigen.

weiter mit: Verbreitung von Ethernet und MPLS

Verbreitung von Ethernet und MPLS

Ethernet gilt als schneller, preiswerter und flexibler. Dennoch nutzen die meisten Firmen heute noch MPLS, wenn es um Verbindungen zu Dienststellen, Filialen und Konzerntöchtern geht. Ethernet wird hingegen hauptsächlich in den schnellen Kernnetzen der Unternehmen eingesetzt.

In der Gesamtschau nutzen 40 Prozent aller Unternehmen MPLS IP Vitual Private Networks (VPNs) , 23 Prozent sind dabei, solche Netze umzusetzen, zu pilotieren oder den Einsatz zumindest zu prüfen. 30 Prozent der Befragten zeigen kein Interesse. Vo denen, die bereits mit der Planung oder Implementierung beschäftigt sind, werden rund 77 Prozent ihr Netz noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen.

MPLS wird von 48 Prozent als Managed Service in Anspruch genommen. Aber nur 23 Prozent hatten an einem solchen Dienst kein Interesse.

Auch in Bezug aufs Ethernet steigt die Rate der Unternehmen, die nicht selber implementieren möchten, sondern einen Dienst bevorzugen. In einer früheren Befragung fand Forrester heraus, dass mindestens 22 Prozent der europäischen Firmen die Absicht haben, einen solchen Service einzufordern. Insgesamt nutzen oder planen 30 Prozent der befragten Firmen ein Ethernet-WAN, während 37 Prozent bekunden, sie hätten kein Interesse daran.

In Deutschland nutzen bereits 22 Prozent der Unternehmen in ihren Weiteverkehrsstrecken das Ethernet, 30 Prozent planen eine Nutzung.

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Der Preis

Doch die jetzige Verbreitung in der Gesamtheit, spiegelt nur einen Teil der Diskussion wieder, die um das Pro und Contra von MPLS und Ethernet im WAN geführt wird. Denn welche Technik gewählt wird, hängt vom Einsatzgebiet ab.

Wie sich abzeichnet, entscheiden sich die Anwenderunternehmen für das Ethernet, wenn es um Verbindungen zwischen Datenzentren beziehungsweise um den Kern eines Datennetzes geht. Dagegen stehen MPLS und Ethernet in Konkurrenz, wenn es um die Verbindungen zu und zwischen Unternehmensdependancen geht.

In der Regel sind hier Leistungen von 1 bis 2 Gigabit pro Sekunde gefragt. Da könnte es auf den Preis ankommen. Im Allgemeinen werden in Europa Ethernet-Services günstiger angeboten als MPLS-Dienste. Das hat vornehmlich Marketing-Gründe, sagen die Autoren der Forrester-Studie.

MPLS im TCP/IP-Protokollstapel: Bild aus Wikipedia (Archiv: Vogel Business Media)

Viele Anbieter liefern national und international Ethernet-Dienste wie einen Private LAN Service über ihr MPLS-Core Network – mit anderen Worten: sie nutzen einen Layer-3-Service, um einen Layer-2-Dienst anzubieten. „Deshalb sind die Transportkosten pro Megabit gleich, egal ob ein solcher Service beim Kunden als Layer-2- oder Layer-3-Dienst ankommt.“ Zudem haben laut Forrester die Netzwerk-Operatoren zumeist jede Menge freier Kapazitäten auf ihren Glasfasern.

Trotzdem lautet eine typische Empfehlung der Provider für ihre Kunden: MPLS, wenn der Bedarf unter 10 Megabit pro Sekunde liegt und Ethernet, wenn der Bedarf höher ist.

Die Zeit arbeitet für das Ethernet

Das aber spricht dafür, dass MPLS sich zu einem Auslaufmodell entwickelt. „Bei einem wachsenden Bedarf an Leistung von 20 bis 30 Prozent pro Jahr, lässt sich deshalb von einer stetigen Migration auf Ethernet-Netze ausgehen“, resümiert Forrester.

Auch die Zugangstechnik spricht dafür, dass sich mittel- bis langfristig Ethernet durchsetzt. Sobald die Netz-Interfaces (Access Circuits) einmal mehr als 2 Megabit pro Sekunde benötigen, sorgen der im Vergleich zu 34, 45 und 155 Megabit-Verbindungen günstige Preis und die Flexibilität für schnelle Akzeptanz des Ethernet. Oberhalb der 100-Megabit-Schwelle gelten Ethernet-Access-Circuits ohnehin als universell.

Hinzu kommt, dass die Carrier ebenfalls planen, ihre Verbindungen mit wenig Durchsatz durch so genannte Ethernet Private Lines (EPLs) zu ersetzen, eine Komponente für das Next Generation Network (NGN). Dieses werden die meisten westeuropäischen Telekommunikationsanbieter 2012 ausgebaut haben.

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Jetzt kommt es auf die Feinheiten an

Wenn auch vieles für Ethernet im WAN spricht, müssen Anwender auf die Feinheiten achten. Denn es gibt durchaus Unterschiede zwischen den Ethernet-Services. So hängt die technische Leistung von der darunterliegenden Technik ab. Außerdem unterscheiden sich die Angebote im Funktionsumfang. Anwenderunternehmen bleibt nichts anderes übrig, als die Angebote eingehend zu vergleichen.

Dafür sollten sich die Unternehmen im Klaren sein, welche Prioritäten gesetzt werden und welche Investitionen zu verteidigen sind. Das hilft nicht nur bei der Evaluation der diversen Ethernet-Angebote, sondern auch bei der grundsätzlichen Entscheidung für oder gegen Ethernet oder MPLS.

Folgende Gründe sprechen laut Forrester dafür, ohne Umweg direkt zum Ethernet zu wechseln:

  • Es gibt Bedenken hinsichtlich eines MPLS-Netzes, das nicht nur einem, sondern vielen Anwendern zur Verfügung steht
  • Es ist ohnehin geplant, eigene Router einzusetzen, um das Routing kontrollieren zu können
  • Es wird bislang ein geroutetes IP Netz genutzt, das auf Frame Relay oder ATM (Asyncronous Transfer Modus) aufbaut

Das Für und Wider

Darüber hinaus weist Forrester darauf hin, dass sich die meisten Service-Metriken, wie die Zeiträume für Installation und Reparatur, die Verfügbarkeit von Netzen und die Höhe der Paketverluste, sowohl auf Ethernet- als auch auf MPLS-Netze anwenden lassen. Somit lässt sich leicht Vergleichbarkeit herstellen.

Verzögerungen aber zwischen zwei Ortschaften sind nicht nur von der Lichtgeschwindigkeit abhängig, sondern auch von der Anzahl der Switches und Buffer, über die der Verkehr geleitet wird. Somit kann sich eine Ethernet Private Line empfehlen, wenn die Verzögerungen möglichst gering ausfallen sollen. Das muss aber in bestimmten Fällen nicht so sein.

Ausschlaggebend kann zudem sein, dass Ethernet-Services noch nicht flächendeckend angeboten werden. MPLS ist viel weiter verbreitet.

Auch Network-Network-Interconnects (NNIs) auf der Basis von Ethernet sind weit weniger zu finden als MPLS-Übergänge.

Der Mix

Somit es gibt auch gute Gründe für eine Hybrid-Lösung. Forrester geht sogar davon aus, dass eine Kombination aus MPLS- und Ethernet-Services noch für die kommenden fünf Jahre für die meisten Unternehmen die beste Lösung sein wird. Für eine graduelle Migration Richtung Ethernet sprechen steigende Anforderungen auf der einen Seite und Service-Qualität auf der anderen.

In solchen Szenarien, sagt die Studie, machen sich Projekt-Teams beliebt, die beide Dienste von demselben Provider beziehen. Denn das kann die schrittweise Migration deutlich entspannen. Da das Internet zunehmend für den externen und internen Datenverkehr genutzt werde, empfehle es sich darüber hinaus, den Internet-Zugang zu einem Bestandteil eines entsprechenden Vertrags zu machen.

(ID:2013274)