WLAN-Standardisierung

Erste Hinweise auf 802.11ax-Nachfolger EHT

| Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Andreas Donner

Annäherung: Neue WLAN-Standards nutzen immer höhere Frequenzbänder – und mittlerweile auch Techniken wie OFDMA aus dem Mobilfunk.
Annäherung: Neue WLAN-Standards nutzen immer höhere Frequenzbänder – und mittlerweile auch Techniken wie OFDMA aus dem Mobilfunk. (Bild: Clipdealer)

Zukünftiger „Extreme High Throughput“-WLAN-Standard soll im lizenzfreien 6-GHz-Band funken und besonders kurze Reaktionszeiten ermöglichen – ganz ähnlich wie der kommende 5G-Mobilfunk.

Die neue WLAN-Technik 802.11ax hat den Massenmarkt noch nicht erreicht, da werden bereits erste Zielmarken für ihren Nachfolger kolportiert: Demnach soll die „EHT“ (Extreme High Throughput“) genannte Technologie den Datendurchsatz gegenüber ax noch einmal um das bis zu Vierfache steigern.

Neben dem erhöhten Übertragungstempo sollen besonders Low-Latency-Applikationen, also Anwendungen, die auf kurze Reaktionszeiten angewiesen sind, von der neuen Technik profitieren – zum Beispiel zeitkritische Industrieanwendungen, Video-over-WLAN, Gaming, Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR). Auch soll sich EHT durch nochmals verbesserte Energieeffizienz auszeichnen.

Laut Report der Juli-„Topic Interest Group“ (EHT TIG) des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) ist für die Funktechnik ein Betrieb im Frequenzbereich zwischen 1,0 bis 7,125 GHz vorgesehen. Damit könnte EHT der erste 802.11-Standard sein, der das 6-GHz-Band nutzt. Laut einem Bericht der EE Times hoffen die EHT-Entwickler darauf, dass dieses Band bis zum Jahr 2020 für eine lizenzfreie Nutzung freigegeben ist. Diese soll nach Möglichkeit WLAN- und Mobilfunk-Anwendungen umfassen. Aktuell werden die Frequenzbänder unter anderem von Satellitennetzbetreibern und Mobile-Backhaul-Carriern verwendet.

Noch ist nicht einmal der Vorgänger-Standard ratifiziert

Grund für das beschleunigte Vorgehen sei unter anderem, dass das Entwickeln und Verabschieden der 802.11ax-Spezifikation über Gebühr lange dauert: Die Vorgängertechnik 802.11ac ist tatsächlich bereits seit gut fünf Jahren im Markt. An der ax-Version hat das IEEE über vier Jahre gefeilt, verabschiedet ist der Standard immer noch nicht. Damit ist kaum vor 2019 zu rechnen. Trotzdem trudeln bereits jetzt immer mehr Produktankündigungen ein, die ax-Kompatibilität versprechen.

Mit 11ax eingeführte Neuerungen wie Orthogonal Frequency Division Multiple Access (OFDMA), das im Mobilfunk seit LTE ebenfalls zum Einsatz kommt und auch 5G beflügeln soll, werden ihre Stärken nur in hochfrequentierten Netzen wie an Flughäfen und Bahnhöfen oder auch bei städtischen Hotspots ausspielen können – dort, wo viele Endgeräte um die verfügbare Bandbreite kämpfen. EHT soll bis zu 16 Streams unterstützen, doppelt so viele wie 11ax.

WLAN-Standards sind den Marktanforderungen meist voraus

„Mit EHT versuchen wir, ein neues Verfahren einzuführen, um eine zweijährige Frequenz für die Spezifizierung zu erreichen", sagte Laurent Cariou gegenüber der EE Times. Der Wi-Fi-Experte von Intel hat an 11.ax mitgearbeitet und konzentriert sich nun auf die neue Spezifikation. Doch auch mit der bisherigen Schlagzahl sind die WLAN-Standards dem Markt voraus. So unterstützt 11ax bereits acht Antennen für den Multi-User-MIMO-Betrieb und erreicht Datenraten von bis zu 5 GBit/s. Kommerzielle WLAN-Router setzen in der Regel maximal vier Antennen ein und verfügen maximal über einen 1-GBit/s-Anschluss zum Zugangsnetz. Das sei in Ordnung, findet Cariou, so habe man schließlich Reserven für schnell wachsenden Anforderungen.

Aktuell formt das IEEE eine Study Group (SG) und definiert den technischen Fokus sowie die Timeline für das weitere Vorgehen. Im Mai 2019 soll die Arbeitsgruppe offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal ELEKTRONIKPRAXIS.

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