Sind deutsche Unternehmen bereit für die mobile Revolution?

Erfolgreiche Strategien für mobiles Breitband

| Autor / Redakteur: Allan Chan / Andreas Donner

IPX dient als Brücke für den Zusammenschluss von Diensteanbietern. Passgenaue mobile Applikationen werden so preiswert möglich.
IPX dient als Brücke für den Zusammenschluss von Diensteanbietern. Passgenaue mobile Applikationen werden so preiswert möglich. (Bild: itestro - Fotolia.com)

Die Nachfrage nach jederzeit und überall abrufbaren Online-Inhalten steigt stetig. Damit entstehen sowohl Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, als auch zahlreiche Möglichkeiten. Doch die zentrale Frage lautet: sind deutsche Unternehmen bereit, sich den Herausforderungen des mobilen Breitbands zu stellen?

Laut Statistiken der Marktanalysten von IDC, wurden alleine in 2011 über 916 Millionen vernetzte Geräte verkauft. Bis 2016 wird diese Zahl voraussichtlich auf 1,84 Milliarden Einheiten steigen. All diese Geräte benötigen Zugang zu mobilem Breitband und stellen damit große Anforderungen an die bestehenden Netzwerke.

Laut dem „Forrester Research Adoption Forecast, 2011 to 2016 (Western Europe)“ sowie dem „Forrester Research Mobile Adoption and Sales Forecast, 2012 to 2017 (US)“ sind die USA Europa bei der Entwicklung des mobilen Breitbands um einige Nasenlängen voraus. In Europa hat aktuell Großbritannien die Führungsrolle bei der Nutzung von mobilem Internet inne, liegt jedoch im Vergleich deutlich hinter den USA.

Knapp 40 Prozent der Handybesitzer nutzen hier mobiles Internet auf einer monatlichen Basis. Die Erklärung: In den USA sind Smartphones verbreiteter als in Westeuropa. Zudem herrscht dort ein schärferer Wettbewerb bei Datentarifen. Ebenso gibt es eine höhere Anzahl an Post-Pay-Kunden sowie einen schnelleren Rollout von 4G-Netzwerken und Mobiltelefonen. Nutzer von Mobiltelefonen in Deutschland warten aktuell noch auf eine landesweite 4G-Einführung.

Rasantes Datenwachstum

Die Menge der mobilen Daten wird innerhalb der nächsten fünf Jahre schätzungsweise um das Zehnfache wachsen. Zurückzuführen ist dies auf Innovationen bei Apps, die hohe Bandbreiten benötigen, sowie auf die stetig steigende Nachfrage nach mobilen Breitbandlösungen. Die Dynamiken des mobilen Ökosystems ändern sich, um sich an die neuen Anforderungen anzupassen.

Gleichzeitig müssen Anbieter von Applikationen und Inhalten, Mobilfunkanbieter sowie Hersteller von Endgeräten und zugehörigem Equipment enger zusammenarbeiten. Es ist unerlässlich, dass Mobilfunkanbieter Strategien entwickeln, um den Datenanstieg managen und intelligente Applikationen bereitstellen zu können: Nur so können sie Anwendern bieten, was diese verlangen – und bekommen ein Stück des wachsenden Kuchens für mobiles Breitband ab.

Veränderte Taktik

Die Telekommunikationslandschaft entwickelt sich in einem schnellen Tempo. Um mithalten zu können, muss die Taktik geändert werden. Als ersten Schritt sollten Betreiber ihre Strategien gründlich überprüfen – Netzwerk, Service Infrastruktur, Vereinbarungen bezüglich Arbeits- und Geschäftsabläufen –, um drei Schlüsselfaktoren zu optimieren: Effizienz, Qualität des Nutzererlebnisses und Innovation.

Kurzum: Mobilfunkbetreiber müssen Lösungen finden, um sowohl bereits existierende Services zu verbessern und effizienter anbieten zu können, als auch Kapazitäten aufzubauen, um künftigen Services schnell den Weg ebnen zu können. Zusätzlich zu den Herausforderungen bezüglich der notwendigen Änderungen an der eigenen Basistechnologie beeinflussen die Services, an die sich die Nutzer von Mobiltelefonen gewöhnt haben das Handeln der Anbieter.

4G/LTE forciert den Einsatz von IP-basierten Services; zudem wird ein Technologieumschwung bei bestehenden Services wie Roaming für Messaging Services (SMS/MMS) erwartet. Aktuelle IP-basierte Messaging-Anwendungen wie WhatsApp oder iMessage werden immer beliebter unter Anwendern, die ein „sozialeres“ Nutzererlebnis suchen, wenn sie mit ihrer Familie und Freunden mailen.

Mobilfunkbetreiber sollten die Wichtigkeit des Nutzererlebnisses erkennen und zur Verbesserung mit anderen Betreibern oder Anbietern von Inhalten zusammenarbeiten. Nur so können sie Anwendern qualitativ hochwertige Services außerhalb des Netzwerks anbieten. Effektive Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Service Providern ist unumgänglich, um die Einführung von neuen breitbandfähigen Applikationen wie Video-Streaming, Konferenzschaltungen oder Multi-Player-Gaming zu beschleunigen.

Natürlich steigt die Komplexität der Zusammenarbeit exponentiell zur Anzahl der mitwirkenden Betreiber und angebotenen Services. Doch IPX wurde entwickelt, um eine effektive Netzwerkvernetzung zwischen einzelnen Providern zu ermöglichen. Dennoch benötigen Mobilfunkbetreiber Lösungen, die über IPX hinausgehen, um allen Herausforderungen zu begegnen.

Mehr Effizienz und Innovationen bei höherer Qualität

Wie können Mobilfunkbetreiber also die drei Schlüsselfaktoren der Vernetzung adressieren, um Effizienz voranzutreiben, qualitative hochwertige Erlebnisse zu bieten und Innovationen zu monetisieren? Da Nutzer „mehr, überall, jetzt“ fordern und immer mehr Over-the-Top-Player den Markt erobern, stehen Mobilfunkbetreiber unter noch größerem Druck, Services noch effizienter zur Verfügung zu stellen, und agil auf sich ändernde Anforderungen zu reagieren.

Auf der Netzebene ist es eine wichtige Herausforderung, service-spezifische Netzwerke zu managen. Betreiber können die Effizienz vorantreiben und die Nutzung verbessern, indem sie den Zugriff auf verschiedene Services über eine gemeinsame IP-basierte Infrastruktur konsolidieren. Umfang, Flexibilität, geringe Kosten und Multi-Service Support sind nötige Funktionen – sowohl für das Netzwerk zwischen Providern als auch für das Kernnetzwerk.

Für bereits bestehende Services wird das Konzept der Effizienzerhöhung über den gemeinsamen Zugriff, die Streamlining-Betriebsprozesse und vereinfachende Interconnect-Vereinbarungen in das konsolidierte Netzwerk übersetzt. Beispielsweise ermöglicht es der Zugriff auf führende On-Net Communities für mobile Services wie etwa Signaltechnik oder Videokonferenzen den Betreibern, sich mit anderen Providern zu vernetzen, um so die Abdeckung zu vergrößern – und dies ohne die Komplexität, welche die Verwaltung gegenseitiger Vereinbarungen mit sich bringt.

Managed Services on Demand

Des Weiteren können Betreiber den Bezug von Managed Services von erfahrenen Drittanbietern in Betracht ziehen. Dies kann die Beziehung zwischen Providern sowie die Bereitstellung von Ende-zu-Ende-Services und den Betrieb weiter rationalisieren.

Die Branche verfügt über eine gute Erfolgsbilanz, wenn es darum geht, externe Expertisen und Ressourcen zu schöpfen, um interne Möglichkeiten zu erzeugen. Hierdurch kann höhere Akzeptanz für Vernetzungsfunktionen unter Providern erzeugt werden. Dazu zählen unter anderem ein gemanagtes Roaming-Zentrum sowie internationale Sprachterminierung, Sicherheit und Revenue Assurance.

Vorausschauend sollten Betreiber sicherstellen, dass ihre Serviceinfrastruktur die Entwicklung der bestehenden Services wie LTE oder LTE Roaming sowie die Entstehung von bandbreitenintensiven, interaktiven Rich-Media-Applikationen unterstützt. Denn das Nutzererlebnis wird nicht nur über Interaktionen des Customer Service definiert, sondern auch über die Erfahrung bei der Erbringung einer Dienstleistung. Dies beinhaltet Servicequalität, Bandbreite, Verfügbarkeit und neue Serviceangebote.

Betreiber vervielfachen den Wert ihrer Leistungen, indem sie es den Nutzern über gezielte Kooperationen mit Dienste-Partnern ermöglichen, erweiterte Service-Communities zu erreichen. Das Erlebnis einer Servicebereitstellung kann zudem durch den richtigen Netzwerk-Support verbessert werden. Der Zugriff zu verschiedenen Netzwerk-Services ermöglicht es Anbietern, den richtigen Transportmechanismus mit der richtigen Mischung aus Sicherheit und QoS-Support zu wählen, um das jeweils optimale Kundenerlebnis anzubieten.

Neue Services können damit ohne eine separate Netzwerkinfrastruktur in Betrieb genommen werden, um die Anforderungen von Kunden schneller bedienen zu können. Ende-zu-Ende QoS-Management mit applikationsfähigen Funktionen wie Prozesse zum Media-Streaming und Policy Management verbessern das Nutzererlebnis weiter, indem sie Rich Media-Applikationen wie Video und Gaming zulassen.

Zuletzt ermöglicht es aktives Netzwerk- und Service Level Monitoring und Reporting den Betreibern, die Serviceverfügbarkeit und Qualitätsprobleme, die sich negativ auf das Nutzerlebnis auswirken können, zu adressieren.

Fazit

Betreiber investieren signifikant in mobiles Breitband und suchen deshalb nach Wegen, um weitere Zusatzerlöse zu generieren. Ein Multi-Service Netzwerk auf IP-Basis ermöglicht es Betreibern, neue Services schneller einzuführen, indem sie Rüstzeit für Netzwerke reduzieren.

Lösungen, die Applikationen mit Mehrwert bieten, erlauben es, Investitionen für verschiedene Nutzererlebnisse über Services hinweg zu monetisieren – insbesondere für Rich Media Applikationen.

Ein neues Spielfeld in der Arena des mobilen Breitbands zu betreten bedeutet, dass strategische Entscheidungen gefällt werden müssen, um als Sieger hervorzugehen. Mobilfunkanbieter sollten Netzwerk, Services, Arbeitsabläufe und Geschäftskomponenten für die Bereitstellung und das Management von Services zwischen Providern berücksichtigen, um die Effizienz voranzutreiben, ein qualitatives Nutzererlebnis zu bieten und Innovationen zu monetisieren.

Dies scheint vielleicht komplex, aber mit der richtigen vernetzten Infrastruktur, intelligenten IT-Entscheidungen und vereinfachtem Application Enablement ist es machbar. IPX als ein erster Schritt hin zur Konnektivität zwischen Betreibern für Rich Media Applikationen hat bereits umfangreiches Interesse geweckt.

Über den Autor

Von Allan Chan, President Global Carrier Solutions bei Tata Communications.

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