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Bahn sucht Tester für Near Field Communication Einfaches Bahnfahren und Bezahlen mit dem RFID-Handy

| Redakteur: Ulrike Ostler

Mit „Touch & Travel“ will die Deutsche Bahn ihren Kunden den Fahrkartenkauf ersparen. Der Kunde benötigt ein mit RFID-Chip ausgestattetes Handy. Mit diesem meldet er sich vor Fahrtbeginn bei einem Touchpoint an und bei Reiseende ab. Der Pilotversuch soll im Oktober 2007 starten. Noch werden Tester gesucht.

( Archiv: Vogel Business Media )

Testkunden, die etwa beruflich den Fern- und Regionalverkehr zwischen Berlin und Hamburg sowie im Potsdamer Stadtverkehr Bus- Tram oder S-Bahn nutzen, können sich derzeit bei der Bahn als Testfahrer bewerben. Denn auf diesen Strecken soll Touch & Travel in einer ersten Pilotstufe ab Herbst dieses Jahres von Bahnkunden geprüft werden.

Da die Bahn ein breites Kundenspektrum abdecken möchte, dürfen sich sowohl Kunden melden, die etwa zwischen Berlin und Hannover pendeln, als auch solche Bahnfahrer, die nur gelegentlich das Verkehrsmittel nutzen, um etwa von Stendal nach Wolfsburg zu kommen.

Für die Dauer der ersten Pilotstufe bekommen die rund 200 Prüfer kostenlos ein Motorola-Handy übergeben, das sich zur Near Field Communication (NFC) eignet; es muss also einen Funkchip besitzen, der Identitätsdaten mit RFID-Schreib-Lesegeräten austauschen kann – in diesem Fall den „Touchpoints“. Diese sind mit passiven Chips ausgestattet und die Übertragung geschieht verschlüsselt.

An- und Abmelden

Kunden müssen sich vor dem Antritt einer Reise bei einem der insgesamt 900 Touchpoints registrieren, indem sie das aktivierte Handy an das Gerät halten. Ist die Fahrt beendet, melden sie sich an einem solchem Reader wieder ab.

Anschließend erfolgt vom Handy aus eine gesicherte Verbindung zur Hintergrundanwendung. Aus den Daten, die dabei gesammelt werden – Anmeldepunkt, Kontrolldaten, Fahrzeit und Abmeldepunkt, rekonstruiert im Hintergrund eine Anwendung die gefahrene Strecke sowie die genutzten Verkehrsmittel und ermittelt den Preis für jeden Reiseabschnitt.

Aus diesen Daten lassen sich dann individuelle monatliche „Mobilitätsrechnungen“ erstellen. Diese können schließlich per Kreditkarte oder per Lastschriftverfahren beglichen werden.

Die Projektpartner

Die zentrale Rolle des Applikationsherausgebers wird dabei von der VDV-Kernapplikations GmbH & Co. KG (KA KG) besetzt, einer Tochter des VDV, zu deren Kommanditisten unter anderem die DB zählt. Aufgaben der KA KG sind unter anderem die Weiterentwicklung der KA, die Applikationsverwaltung und die Verantwortung des übergreifenden Sicherheits-Managements.

Weitere Teilnehmer der Pilotanwendung sind neben der Motorola GmbH die Vodaphone D2 GmbH, die Atron Electronic GmbH, die Verkehrsbetriebe in Berlin und Potsdam, Gieseke und Devrient sowie NXP Semiconductors.

Während der ersten Pilotstufe sind jedoch nicht alle Haltestellen mit Touchpoints ausgestattet und Touch & Travel wird nicht als gültige Fahrtberechtigung anerkannt. Deshalb müssen die Tester eine gültige Fahrkarte besitzen. Außerdem müssen die Kunden im Internet ihre Daten prüfen und Rückmeldung geben. Um das schmackhafter zu machen, verspricht die Bahn Präsente aus dem Programm der Deutschen Bahn.

In der zweiten Pilotphase, die Mitte des kommenden Jahres starten soll, werde rund 3000 Bahn-Kunden auf mehr Bahnhöfen den Service testen. Geht es in der ersten Phase vor allem um einen Tauglichkeitstest für die Technik, steht während der Phase II die Akzeptanz des Systems auf dem Plan.

NFC-Potenzial

Generell ermöglicht Near Field Communication eine schnelle und kontaktlose Datenübertragung zwischen einem NFC-Handy und einem Kontaktpunkt. Komplizierte und zeitraubende Verbindungsaufbauten gibt es nicht.

Die NFC-Technologie basiert auf einer Kombination aus RFID und drahtloser Verbindungstechnologie. Sie arbeitet in einem Frequenzbereich von 13,56 MHz und bietet eine Datenübertragungsrate von maximal 424 Kilobit pro Sekunde bei einer Reichweite von nur wenigen Zentimetern.

Die Parameter für NFC sind durch ISO 18092, ECMA 340 beziehungsweise ETSI TS 102 190 spezifiziert. Die Kommunikation zwischen NFC-fähigen Geräten kann im Gegensatz zur herkömmlichen RFID-Technologie (nur aktiv <-> passiv) in diesem Frequenzbereich sowohl aktiv <-> passiv als auch aktiv <-> aktiv sein.

Dabei kann das Mobilfunkgerät eine aktive Rolle einnehmen und Daten austauschen, zum Beispiel eine Identifikationsnummer aus einen Touchpoint lesen oder passiv bleiben und Daten empfangen. Das ist notwendig, um etwa als Fahrkartenersatz zu dienen.

Prognosen zufolge soll bis zum Jahr 2010 mit einer Marktdurchdringung von 40 bis 50 Prozent NFC-fähiger Handys zu rechnen sein. In Japan und Korea ist die Technik bereits weit verbreitet.

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