Suchen

Transatlantische Verbindungen Ein halbes Jahrhundert sorgen Seekabel für Kommunikation

Redakteur: Ulrike Ostler

Das erste transatlantische Seekabel ging vor 50 Jahren in Betrieb. Damals ließen sich gerade einmal 36 Telefongespräche gleichzeitig führen, heute sind es sieben Millionen. Bereits 70 Prozent der Kabelkapazität beansprucht der Internet-Datenverkehr.

Firmen zum Thema

Spezialschiffe verlegen und reparieren Unterseekabel bis etwa 9400 Metern Tiefe. Fotomontage: Deutsche Telekom
Spezialschiffe verlegen und reparieren Unterseekabel bis etwa 9400 Metern Tiefe. Fotomontage: Deutsche Telekom
( Archiv: Vogel Business Media )

Am 25. September 1956 war es soweit: Erstmals konnten Bewohner des amerikanischen Kontinents und Europäer direkt miteinander telefonieren. Ein kurz als „TAT-1“ bezeichnetes Kabel verband Schottland mit Kanada. Es war 3600 Kilometer lang, bestand aus Kupferdraht und war zwischen Juni und September 1955 verlegt worden. Die Kosten beliefen sich nach Angaben des Branchenverbands Bitkom auf rund 50 Millionen Dollar.

Vorläufer für transatlantische Telefonleitungen gab es schon seit 1866. Insbesondere die Telegrafie zeichnete sich durch große Zuverlässigkeit aus und spielte bis in die 50er Jahre eine wichtige Rolle.

Bildergalerie

Auch Funkverbindungen gab es bereits. Seit 1927 waren Gespräche auf der Basis von Langwellen möglich. Doch im Gegensatz zur Telegrafie erwies sich das Netz als störanfällig. Zudem kostete die Kommunikation eine Menge: neun englische Pfund pro angefangene drei Minuten.

Insbesondere die Entwicklung leistungsstarker Repeater, die die Signale verstärken, schufen die Möglichkeit, unterseeischen Telefonkabel einzusetzen. Zunächst blieben die Kosten zwar hoch, doch die Kommunikation nahm zu. 1957 stieg die Zahl der transatlantischen Telefonate bereits auf über 300 000, mehr als doppelt so viele wie über alte Funkverbindungen.

Ablösung für TAT-1

Das TAT-1 wurde bis 1978 genutzt. Ihm folgten sechs weitere Kupferkabel. Das letzte von ihnen wurde 1994 abgeschaltet. Seit 1988 werden ausschließlich Glasfaserkabel verlegt.

Seit den 60er Jahren macht die Übertragung per Satellit den Kabeln Konkurrenz. So manch einer sah bereits das Ende dieser Technik besiegelt. Doch Fernmeldesatelliten verfügen nur über einen Bruchteil der Glasfaserkapazität. Zudem dauert die Datenübertragung vergleichsweise lange. T-Com-Sprecher Willfried Seibel legt Zahlen vor, die für das Jahr 2000 gegolten haben.

Demnach brauchte eine Übertragung von Telefon zu Telefon per Kabel 36 Millisekunden, die Verbindung via eines Satelliten, der sich in rund 36 000 Kilometern Höhe befindet, aber 240 Millisekunden. Zugleich verbesserte sich die Glasfasertechnik, so dass Anfang der 90er Jahre in immer kürzeren Abständen die Transatlantikleitungen speziell für den Internet-Datenverkehr ausgebaut wurden.

Derzeit werden für die transatlantische Anbindung vor allem die Seekabelsysteme TAT-14 (Trans Atlantic Telephonecable) und AC1 und AC2 genutzt.

Da es bei Seekabeln noch immer um eine teure Angelegenheit handelt, finden sich zumeist Konsortien, die die Seekabel in Auftrag geben. Nach Angaben des Bitkom handelt es sich bei den Mitgliedern zumeist um große, ehemals staatliche Telekommunikationsunternehmen wie die Telekom, die sich die Kosten vom mehr als 1 Milliarde Euro teilen.

Teuer und schnell

Bei dem derzeit schnellsten Transatlantikseekabel TAT-14 ist die Deutsche Telekom mit 128 Millionen Euro der viertgrößte Anteilseigner. Außerdem sind France Telecom, Swisscom, Telenor, Telia, KPNQwest, Mertromedia Fiber, Sprint und Networks beteiligt. Insgesamt jedoch haben mehr als 50 Telekommunikationsunternehmen rund 1,2 Milliarden Euro in die Herstellung und Verlegung der 15 000 km langen Glasfaserverbindung investiert.

Allein die Produktion des Kabels hatte fast 600 Millionen Euro verschlungen. Damit ist TAT-14 das bisher schnellste und teuerste Transatlantikkabel. Verlegt wurde es 2001.

Am 22. November 2003 war es gebrochen. Bei TAT-14 handelt es sich um ein so genanntes Ringkabel. Ein Strang verläuft südlich, der andere nördlich von Großbritannien. Es ist doppelt und bidirektional ausgelegt, so dass es durch einen einzigen Fehler nicht lahm zu legen ist. Doch schon zu Anfang des Monats war auf der US-Seite eine Störung aufgetreten, so dass die Redundanz aufgehoben war.

Für den eigentlichen Datentransfer sorgen bei TAT-14 die in ein weiches Gel eingelagerten Glasfasern. Diese Glasfasern sind mit einem Viertelmillimeter gerade doppelt so dick wie ein menschliches Haar.

Somit ist das Kabel gesamt kaum dicker als ein Handgelenk, 50 Millimeter. Jürgen Ridder, Leiter der Betriebszentrale der Seekabel-Endstelle Norden von der Deutschen Telekom sagte bei der Inbetriebnahme im März 2001: „Eigentlich sieht das Ding, das da aus der Wand kommt, aus wie ein Tankstellenschlauch.“

Geschützt ist das Kabel durch eine zug- und druckfeste Stahlarmatur, einen weiteren Metallmantel und mehrere Kunststoffschichten. Bei geringer Wassertiefe liegt das Kabel in einer knapp einen Meter tiefen Rinne im Meeresboden. Ab 1000 bis 1500 Metern Tiefe jedoch gibt es keinen Schutz mehr. Das Kabel liegt frei auf dem Meeresgrund.

TAT-14 kann 640 Gigabit pro Sekunde zu übertragen, dies entspricht sieben Millionen Telefonaten oder tausend CD-ROMs. Der Hohe Durchsatz führt dazu, dass die Investitionskosten zwar hoch waren. das hohe Gesprächsaufkommen aber die Kosten pro Gesprächsminute senkte - von 2,5 US-Dollar pro Gesprächsminute bei TAT-1 auf unter 1 US-Cent.

Superlang

TAT-14 ist derzeit zwar das schnellste und teuerste Seekabel der Welt, aber nicht das längste. Dieses reicht seit 1999 von Europa mit Asien bis Australien. Bei einer Strecke von 38 000 Kilometern sind 33 Länder miteinander verbunden.

Neben den üblichen Sicherungsmaßnahmen musste dieses Kabel zum Schutz vor gefräßigen Haien mit Speerspitzen versehen werden. Die Übertragungsrate beträgt hier 20 Gigabit pro Sekunde, was für rund 300 000 Telefonate gleichzeitig ausreicht. Doch eine Verdoppelung der Kapazitäten ist bereits geplant.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2000055)