Höchste Zeit für den Wechsel von IPv4 nach IPv6

Ein Blick auf den Status quo in Sachen IPv6

22.06.2011 | Autor / Redakteur: Yves Poppe / Andreas Donner

Seit dem World IPv6 Day sind viele Websites auch über IPv6 erreichbar
Seit dem World IPv6 Day sind viele Websites auch über IPv6 erreichbar

Dual-Stack-Betrieb erleichtert Migration

Während das Bewusstsein für das neue Internet Protokoll generell vorhanden ist, gibt es besonders bei den Unternehmen Unsicherheiten darüber, was die Umstellung auf IPv6 hinsichtlich Kosten und Arbeitsablauf bedeutet. Unternehmen werden zwar eine allmähliche Umstellung vornehmen, müssen aber während der gesamten Phase einen reibungslosen Geschäftsablauf gewährleisten, also dafür sorgen, dass externe Kundenanwendungen beide Standards IPv4 und IPv6 unterstützen. So gerüstet würden sie außerdem vermeiden, dass neue IPv6-Kunden abgeschreckt werden und bestehende IPv4-Kunden hinter dem neusten Stand der Technik zurückbleiben. Zusätzlich würden spezielle technische Migrationsmechanismen dafür sorgen, dass Inhalte über IPv4 zugänglich sind, während Kundenanwendungen über IPv6 zugänglich sein werden.

Zahlreiche Internet Service Provider werden künftig beide Standards IPv4 und IPv6 für den so genannten Dual-Stack-Betrieb anbieten. Bei diesem Verfahren werden allen beteiligten Schnittstellen neben der IPv4-Adresse zusätzlich mindestens eine IPv6-Adresse und den Rechnern die notwendigen Routing-Informationen zugewiesen. Die Rechner können dann über beide Protokolle unabhängig kommunizieren. Der Dual-Stack-Betrieb ist zwar die kostenintensivste und technisch aufwändigste Lösung für das zur Verfügung stehende Routing Equipment. Der wesentliche Vorteil aber ist, dass damit eine durchgängige Business Continuity für den gesamten Umstellungszeitraum gewährleistet wird. Denn niemand kann genau sagen, in welchem Umfang der Bedarf an neuen IPv6-Adressen wächst, und wann der alte IPv4-Standard tatsächlich abgelöst wird.

Tata Communications hat bereits 1998 die erste interkontinentale IPv6-Verbindung implementiert und die Verteilung des IPv6-Standards im Kernnetzwerk im Jahr 2006 abgeschlossen. Nahezu alle neuen und alle Bestandskunden wählen bereits heute die Dual-Stack-Connectivity, die das Routing von Daten-Paketen über beide Standards IPv4 und IPv6 unterstützt. Auch das Tata-eigene indische Kernnetzwerk unterstützt beide Internetprotokolle und nutzt mit 6PE eine Anwendung, die es erlaubt, dass IPv6-Adressen über ein auf MPLS-Technologie basierendes IPv4-Kernnetzwerk mit IPv4-Adressen kommunizieren. Dieser Service wird bisher in allen großen Städten angeboten und mit steigender Nachfrage erweitert. Das indische Ministerium für Telekommunikation (Department of Telecommunications; DoT) wird IPv6 ab Dezember 2011 verbindlich einführen.

Anforderungen an Technik der Zukunft wachsen rasant

Video Content und Streaming wachsen unvermindert weiter. YouTube feierte kürzlich sein 6-jähriges Bestehen und verzeichnet täglich 3 Milliarden Views.

Mit der Verbreitung neuer Smartphones und Tablet-PCs verfügen in Indien jeden Monat 20 Millionen neue Nutzer über 3G-Geräte. Außerdem verbreiten sich zeitgleich die neuen Standards 4G and LTE.

Eine dritte Wachstumskomponente stellt die bevorstehende Kommunikation vielfach internetfähiger Geräte dar. In Zukunft soll alles mit allem kommunizieren und auch Autos oder Kühlschränke internetfähig sein. Sogar die Natur wird über vernetzte Sensoren das Wetter, die Umweltbelastung, Tsunami-Risiken und sogar Sonneneruptionen voraussagen können.

Einer Herausforderung, der sich IPv6 also bereits in naher Zukunft stellen muss, ist die hohe Anzahl an neuen Geräten, die neue Adressen benötigen. Diese Entwicklung wird sich allmählich vollziehen, in dem zeitlichen Rhythmus, in dem Kunden sich neue Geräte anschaffen. In der Übergangsphase werden innovative Lösungen, die die Migration erleichtern, entstehen. So gibt es schon jetzt eine Vielzahl von Tunnelmechanismen um Router, die IPv6 nicht weiterleiten, auf dem Weg zum IPv6-Internet zu überbrücken.

Wenn es die zentrale Frage der letzten Dekade war, wann der Welt die IPv4-Adressen ausgehen, stehen wir nun vor der nächsten Ära, in der man sich fragen wird, wie lange IPv6 dem Datenansturm standhalten kann? Der Anteil der Datenmenge, die über IPv6-Verbindungen übertragen wird, liegt derzeit bei 1 Prozent und stieg am 8. Juni deutlich an. Wann werden wir die 50 Prozent-Marke erreicht haben? 2015? Niemand kann das mit Sicherheit voraussagen. Die einzige Sicherheit, von der Unternehmen derzeit ausgehen können ist, dass sie es sich nicht leisten können, die Migration zu IPv6 noch länger hinauszuschieben.

Über den Autor

Yves Poppe ist Director IP Business Development bei Tata Communications

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