Höchste Zeit für den Wechsel von IPv4 nach IPv6

Ein Blick auf den Status quo in Sachen IPv6

22.06.2011 | Autor / Redakteur: Yves Poppe / Andreas Donner

Seit dem World IPv6 Day sind viele Websites auch über IPv6 erreichbar
Seit dem World IPv6 Day sind viele Websites auch über IPv6 erreichbar

Die IPv4-Adressen im Internet sind nahezu aufgebraucht – das hat sich inzwischen herumgesprochen. Unternehmen sollten die Übernahme des neuen Standards IPv6 deshalb nicht länger aufschieben. Doch wie gut sind Unternehmen weltweit auf die Umstellung vorbereitet und was können Service Provider und Behörden für einen möglichst reibungslosen Übergang auf den neuen Standard tun?

Der 03. Februar 2011 war ein Meilenstein in der Entwicklung des Internets. Es war der Tag, an dem die letzten der 4,3 Millarden IPv4-Adressen vergeben wurden. Ohne eine eigene IP-Adresse könnte aber kein weiterer User, Dienst oder mobiles Datengerät das Internet künftig nutzen.

Der Mangelzustand war bereits 1999 zu erahnen, als das neue Internet Protokoll IPv6 erstmals präsentiert wurde. Während die IPv4-Adressen aus 32 Bits bestehen (32-stellig) und damit insgesamt eine Menge von 4,3 Millarden Adressen zur Verfügung steht, bietet IPv6 sehr viel mehr, nämlich 340 Sextillionen Internet-Adressen. Jede IPv6-Adresse ist dabei 128-stellig.

Nur eine Dekade später ist das Ende der IPv4-Adressen bereits Realität. Und die Nachfrage nach neuen IP-Adressen steigt mit der Einführung des mobilen Breitbandinternets sowie der Verbreitung von Smartphones, Tablet-PCs und anderen internetfähigen Geräten unvermindert an.

Gemäß dem Cisco Visual Networking Index (VNI) wuchs der mobile Datenverkehr in den letzten Jahren weltweit jeweils um das 2,6-fache und hat sich damit in den letzten drei aufeinanderfolgenden Jahren stets verdreifacht. Der mobile Datenverkehr soll gemäß VNI zwischen 2010 und 2015 nun sogar um das 26-fache ansteigen. Das entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von 92 Prozent.

Die weiteren Entwicklungen, die die Migration zu IPv6 unumgänglich machen, sind die Kommunikation zwischen mobilen vernetzten Geräten, Smart Grids, Smart Buildings (künftiger Gebäudetechnnik), Tracking Networks, Green IT und Cloud Computing. Die neusten Hochrechnungen sprechen von bis zu 7 Billionen Geräten, die innerhalb der nächsten Dekade Zugang zum Internet benötigen. (Quelle: Amdocs paper may 27th )

Regierungen preschen nach vorn, Unternehmen agieren zurückhaltend

Die Netzwerke der internationalen Top-Service-Provider sind gut vorbereitet auf die mit IPv6 kommende Datenflut. In einzelnen Ländern und Regionen sieht das Bild jedoch anders aus. Viele Länder sind weit von diesem Standard entfernt und die Behörden spielen eine große Rolle bei der Einführung neuer Technologien. Hier hatte Asien bisher einen schier nicht zu übertreffenden Vorsprung vor Europa und den USA. Das änderte sich allerdings als das amerikanische Wirtschaftsministerium (US Department of Commerce; DOC) und das Verteidigungsministerium (Department of Defence; DoD) den IPv6-Standard offiziell anordneten.

Führende Wirtschaftsnationen weltweit lieferten sich in der jüngsten Vergangenheit ein Kopf-an-Kopf-Rennen; allen voran der US-amerikanische Bildungs- und Wissenschaftssektor mit seinen Universitäten und Forschungslaboren. Den größten Schritt machte dann China mit CERNET2, dem weltweit größten Bildungsnetzwerk, das ausschließlich mit IPv6 betrieben wird. Es verbindet 25 Universitäten in 20 Städten. Die Volksrepublik präsentierte den IPv6-Standard während der Olympischen Spiele 2008 und auf der World Expo 2010 in Shanghai. Japan wiederum spielte unter der Federführung der NTT (Nippon Telegraph and Telephone) eine Vorreiterrolle bei der breiten Einführung des IPv6-Standards im Endverbraucher-Bereich.

Die Unternehmen haben sich jedoch bisher bei der Migration zu IPv6 eher zurückgehalten und dies als eine Investition angesehen, die sich nicht direkt in Umsatzwachstum verwandeln lässt. In Ermangelung neuer IPv4-Adressen haben sie jedoch weder in technischer noch in kaufmännischer Hinsicht eine Wahl und müssen sich der Umstellung auf IPv6 nun stellen.

Eine wachsende Zahl an Service Providern und führenden Unternehmensberatungen bieten derzeit Professional Services and Trainings zur Unterstützung der Migration an.

Die Zukunft steht im Zeichen von IPv6

Die Entwicklung hin zu IPv6 schreitet im Moment sehr schnell voran: So stellte die APNIC, die Behörde, die die IP-Adressen für den asiatisch-pazifischen Raum vergibt, für 2010 einen weltweit dramatischen Anstieg für den Bedarf an IPv6-Adressen in der eigenen Region bei Carriern, Internet Service Providern und Content Providern fest. Dieser Bedarf wird erwartungsgemäß noch weiter ansteigen, da die APNIC selbst nur noch wenige IPv4-Adressen vorrätig hat, und die Ausgabe dieser letzten Adresse streng überwacht.

Regierungen weltweit setzen jetzt Maßstäbe, indem sie die Einführung des IPv6-Standards unterstützen und konkrete Daten für die Umstellung nennen. Da beispielsweise die Einführung von IPv6 für alle Abteilungen der US-Regierung obligatorisch ist, bemühen sich nun auch die Lieferanten verstärkt darum, die neuen Anforderungen zu erfüllen. Auch in Asien gibt es solche Initiativen. So soll bis Ende 2012 die indische Regierung komplett auf den IPv6-Standard umgestellt haben.

Im eigenen Netzwerk der Tata Communications beobachten wir ebenfalls einen bemerkenswerten Zuwachs: 36 Prozent unserer gewerblichen Kunden (Wiederverkäufer) haben bereits auf Dual-Stack-Betrieb umgestellt. Das bedeutet, dass sie beide Standards IPv4 und IPv6 unterstützen. Dem gegenüber steht ein Vorjahreswert von weniger als 24 Prozent.

Hinzu kommt, dass Hosting-Firmen wie Google, Akamai oder Limelight an einer reibungslosen Migration zu IPv6 interessiert sind, weil ihre Business Modelle einen störungsfreien und kontinuierlichen Internetzugriff versprechen. Sie sind damit zu den Haupttreibern der Umstellung am 8. Juni 2011 (IPv6-Day) geworden. Seit diesem Tag sind große Teile des Internets über IPv6 zugänglich.

weiter mit: Dual-Stack-Betrieb erleichtert Migration

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