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Wenn der Rand ins Zentrum rückt Edge Computing für alle

Autor / Redakteur: Elmar Witte / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Plattform-Betreiber ermöglichen zunehmend auch KMUs und deren Entwicklern Zugang zu ihrer Edge-Infrastruktur, die aus unzähligen weltweit verteilten Servern besteht. Damit können nun auch diese kleineren Unternehmen und deren Entwickler von den Vorteilen des Technologie-Trends „Edge Computing“ profitieren.

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Elmar Witte ist Security Specialist bei Akamai und erläutert, was Edge Computing ist und warum es auch kleineren Unternehmen extrem nützt.
Elmar Witte ist Security Specialist bei Akamai und erläutert, was Edge Computing ist und warum es auch kleineren Unternehmen extrem nützt.
(Bild: Akamai)

Edge Computing zählt zu den aktuell wichtigsten Technologie-Trends im Bereich Vernetzung. Das Ziel dabei ist, Rechen- und Speicherleistung möglichst nahe am Anwender beziehungsweise an der verwendeten Applikation bereitzustellen. Denn so können Endanwender von geringen Latenzzeiten profitieren.

Worauf sich der Begriff „Edge“ dabei bezieht, ist je nach Einsatzgebiet etwas unterschiedlich: Bei Mobilfunknetzen wie dem im Aufbau befindlichen 5G oder bei Content Delivery Networks (CDNs) handelt es sich um den Rand (englisch: edge) der Netz-Infrastruktur, der näher an den Endanwender heranrückt. So lassen sich Anwendungen, die schnell auf geänderte Datensätze reagieren müssen und einen engen Bezug zu lokalen Gegebenheiten haben, ohne große Latenz zur Verfügung stellen – von Wetterdaten bis hin zur Bewertung lokaler Dienstleistungen.

Diese Technologie stand bislang jedoch in erster Linie Großunternehmen wie Telekommunikations-Netzbetreibern oder internationalen Konzernen zur Verfügung. Doch dies ändert sich nun: Plattform-Betreiber wie etwa Akamai ermöglichen nun auch KMUs und deren Entwicklern Zugang zu ihrer Edge-Infrastruktur, die aus hunderttausenden von weltweit verteilten Servern besteht.

Programmierer können ihren Code auf der Edge-Plattform schreiben, testen und ausführen und auf diese Weise Microservices erstellen, die wiederum über APIs Inhalte aus verschiedenen Quellen in Webanwendungen bereitstellen. Der Edge-Server fungiert dabei quasi als Verlängerung des Browsers. So profitieren Entwickler und Anbieter aller Größenordnungen und deren Endanwender von den grundlegenden Vorteilen von Edge Computing – vor allem von geringeren Latenzzeiten und mehr Kontrolle.

Lokale Champions – Edge Computing brilliert bei Lokalität

Für diesen neuen Ansatz wird auch das Schlagwort „Serverless Computing“ verwendet, was technisch natürlich nicht ganz exakt ist: Server kommen auch beim Edge-Computing nach wie vor zum Einsatz. Aber es handelt sich dabei eben nicht mehr um große, zentrale Server im Rechenzentrum, wie sie etwa bei Private-, Public- oder Hybrid-Cloud-Infrastrukturen verwendet werden. Die Rechenleistung der Edge-Server ist vielmehr so ausgelegt, dass sie genau zum beabsichtigten Anwendungsgebiet passt. Daher benötigen Edge-Server weniger Kapazitäten als traditionelle Zentralrechner und sind damit effizienter und kostensparender. Zudem stehen sie in großer Anzahl und in unmittelbarer räumlicher Nähe zu den Endanwendern bereit.

Seine Stärken spielt Edge Computing in Anwendungen aus, die stark auf lokalen Kontext setzen – beispielsweise Navigation und Verkehrsfluss-Steuerung, ortsbezogene Wetterinformationen und News oder lokale Dienstleistungen sowie deren Bewertung. Letzteres können zum Beispiel auf dem Smartphone bereitgestellte Empfehlungen für Shops, Restaurants oder Lieferdienste sein, die mit aktuellen Informationen über Angebote, Verfügbarkeiten, Auslastungen und Öffnungszeiten angereichert werden. Außerdem ermöglicht die Einbindung von Services oder Daten „aus dem Edge“ eine bessere User Experience – beispielsweise stehen lokale Kartenanzeigen sofort zur Verfügung anstatt mit Zeitverzug von einem örtlich weit entfernten, zentralen Webserver heruntergeladen zu werden. Clever eingesetzt kann die vom Edge Computing ermöglichte „Geo-Personalisierung“ somit zur massiven Verbesserung bestehender oder neuer Dienste und Angebote führen.

In den Zeiten von Microservice-Architekturen ist es wichtig, die Orchestrierung der Microservice-APIs nahe beim Endanwender durchzuführen, um die dynamischen Anpassungen an der Webseite schnell vorzunehmen und sie dann ohne Latenzen auszuliefern. Bei der Orchestrierung der Microservice-APIs geht es darum, dass in modernen Architekturen verschiedene APIs nacheinander kleinere Teilaufgaben erledigen und entsprechende Outputs nun direkt am Edge orchestriert und verarbeitet werden können.

Ein weiterer Anwendungsfall, der für viele EU-Unternehmen interessant sein könnte, ist die Verarbeitung von Cookie-Management-Daten über Edge Computing. Für die Cookie-Nutzung auf Webseiten muss ein Unternehmen nach EU-Recht in vielen Fällen die Einwilligung der Anwender einholen. Die Auslagerung der Verarbeitung von Einwilligungen auf eine Edge Plattform hat für Unternehmen zwei handfeste Vorteile: Es kann sich mit seiner Infrastruktur auf die Verarbeitung der Daten konzentrieren, die für sein Geschäftsmodel wirklich wichtig sind und gleichzeitig sicherstellen, dass die Verarbeitung und Kontrolle der Einwilligungsdaten lokal auf dem nächstgelegenen Edge Server stattfindet, anstatt in einem weit entfernten Rechenzentrum.

Entwickler erhalten dieselben Werkzeuge wie Branchengrößen

Andere Informationen, die bei der Nutzung einer Edge Platform generiert werden, verbessern die Möglichkeiten für Programmierer, ihre Entwicklung zu personalisieren und damit das Nutzungserlebnis bei den Anwendern zu optimieren: Webanwendungen profitieren von Informationen, die auf einem Edge Server generiert und gecacht werden, wie beispielsweise der vom Anwender eingesetzte Gerätetyp oder die von ihm bevorzugte Sprache, basierend auf seiner Geolokalisierung. Diese Daten kann der Entwickler nutzen, um eine Webseite an den Anwender dynamisch anzupassen. Damit wird auch Entwicklern für ihre Webanwendungen die Geo-Personalisierung ermöglicht.

Natürlich profitieren Entwickler zudem von der integrierten Sicherheit einer Edge Plattform, um Bot-, DDoS- oder Webanwendungsangriffe auf ihre Codes und Anwendungen abzuwehren.

Elmar Witte.
Elmar Witte.
(Bild: Akamai)

Mit dem Zugriff auf Edge-Server erhalten Entwickler zudem die Möglichkeit, Anwendungen zu entwickeln, die in Bezug auf Reaktionsgeschwindigkeit, Relevanz, Lokalität, Nutzererlebnis und Sicherheit denen der großen Tech-Konzerne in Nichts nachstehen. Damit wird die Entwickler-Community den Siegeszug von Edge Computing ganz bestimmt beflügeln.

Über den Autor

Elmar Witte ist Security Specialist bei Akamai.

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