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Umstiegsmöglichkeiten im Überblick Drei Wege führen von ISDN zu VoIP

Autor / Redakteur: Martin Jeschar / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Der Wechsel von ISDN auf All-IP ist unausweichlich. Denn spätestens 2022 schalten auch die letzten Telekommunikationsprovider ihre ISDN-Funktionen ab – höchste Zeit also, auf VoIP-Telefonie umzusteigen. Dafür bieten sich drei Möglichkeiten: die ISDN-Telefonanlage kann in Verbindung mit einem SIP TK-Anlagenanschluss weiterbetreiben werden, eine stationäre IP-Telefonanalage kann genutzt oder zur Cloud-Telefonie gewechselt werden.

Wenn aus einem kleinen Betrieb ein größeres Unternehmen wird, dann spielt eine VoIP-Anlage in der Cloud ihre Vorteile voll aus.
Wenn aus einem kleinen Betrieb ein größeres Unternehmen wird, dann spielt eine VoIP-Anlage in der Cloud ihre Vorteile voll aus.
(Bild: Placetel)

IP-Telefonie mit ISDN-Telefonanlage

Wer nicht in eine neue Anlage mit eigener Infrastruktur investieren möchte, kann die bisherige ISDN-Telefonanlage mit Hilfe von SIP-Trunking auch nach der All-IP-Umstellung weiter betreiben. Möglich wird das durch einen SIP TK-Anlagenanschluss, mit dem Unternehmen eine lokale ISDN-Anlage an das All-IP-Netz anbinden können. Voraussetzung ist, dass die Telefonanlage SIP-fähig ist. Aber keine Sorge, auch wenn sie es nicht ist, haben Firmen im Allgemeinen die Möglichkeit, ihre analoge Telefonanlage über ein Media Gateway an das Internet anzuschließen.

Ein SIP TK-Anlagenanschluss ist in seiner Funktionsweise mit einem ISDN- oder PMX-Anschluss vergleichbar. Da beim SIP-Trunking jedoch nicht alle ISDN-Funktionen wie gewohnt genutzt werden können, stellt dieses Modell eher eine Übergangslösung dar.

Kritischer wird es bei älteren Anlagen. Hier kann eine Umrüstung tatsächlich nicht möglich oder sehr kostenintensiv sein. Dann muss die ISDN-Anlage ersetzt werden. Vor dem Kauf müssen Unternehmen abwägen, ob sie Geld in eine stationäre Telefonanlage investieren möchten oder sich die Anschaffungskosten nicht lieber sparen, und sich für eine Cloud-Telefonanlage entscheiden.

Stationäre VoIP-Telefonanlage

Die On-Premises-Lösung erfordert den Erwerb einer neuen IP-Telefonanlage, die lokal installiert und im firmeneigenen Netzwerk betrieben wird. Unternehmen behalten so die volle Kontrolle über alle geschäftskritischen Daten, müssen diese jedoch auch eigenständig absichern. Interne Softwarelösungen, beispielsweise CRM-Systeme, können bei dieser Lösung wiederum einfach lokal integriert werden und ermöglichen so eine optimale Kundenbetreuung. Ausfallzeiten durch Updates und andere Wartungsarbeiten bleiben ebenfalls in der Hand des Unternehmens und können an geschäftliche Ereignisse angepasst werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass interne Gespräche auch intern bleiben. Es wird also keine extra Bandbreite im Internet benötigt.

Gleichzeitig birgt die stationäre Telefonanlage einen erheblichen Kosten- und Arbeitsaufwand im Vergleich zur On-Demand-Lösung. Neben der Anschaffung der lokalen Telefonanlage sind die Kosten für Installation, Wartung, Verwaltung, Updates und Lizenzen nicht zu vernachlässigen. Denn die notwendigen Kompetenzen zum Betrieb der Anlage werden inhouse, in der eigenen IT-Abteilung, benötigt. Diese muss ebenfalls sicherstellen, dass eine passende Routing- und Firewall-Ausrüstung vorhanden ist, damit es zu keinen Komplikationen, beispielsweise bei den Anforderungen des SIP-Protokolls, kommt. Allerdings können selbst exzellente interne IT-Kräfte kaum dieselben Sicherheits- und Verfügbarkeitsstandarts leisten, wie Cloudanbieter, die für jede noch so kleine auf der Anlage laufende Komponente eine State-of-the-Art-Technologie nutzen. Die Skalierbarkeit ist mit einer On-Premises-Lösung ebenfalls schwierig, da Erweiterungen der stationären Anlage eine aufwendige Aufrüstung erfordern.

Strom- und Internetausfälle können bei der stationären Telefonanlage ebenfalls zum Problem werden, denn von jetzt auf gleich sind Unternehmen nicht mehr erreichbar, außer es ist eine Pufferbatterie (USV) vorhanden. Mehr Sicherheit bietet hier wiederum die Cloudtelefonie, bei der die Erreichbarkeit auch in solchen Fällen via Smartphone erhalten bleibt.

Cloudbasiert telefonieren

Unternehmen, die sich für eine Cloud-Telefonanlage und somit für eine SaaS-Lösung entscheiden, benötigen demgegenüber nicht zwingend Telefonie-Hardware. Da alle Funktionalitäten über das Internet in der Public Cloud zur Verfügung gestellt werden, lässt sich die IP-Telefonie ortsunabhängig von jedem Internetzugang und von jedem IP-Endgerät aus nutzen. Möglich macht das ein Softphone. Dabei handelt es sich um eine Software, die Internettelefonie auch über PC, Laptop, Tablet oder Smartphone ermöglicht.

Außerdem kann die komplette Administration, wie die Rufnummernverwaltung oder die Aktivierung und Deaktivierung von Unified-Communications-Diensten, über ein Web-Portal gesteuert werden. Firmen haben so maximale Flexibilität, denn das Hinzubuchen oder Abbestellen von Rufnummern kann jederzeit selbst über eine intuitive Benutzeroberfläche vorgenommen werden. Das heißt: Alle Features sind in einer zentralen Anwendung gebündelt und können von verschiedenen Mitarbeitern jederzeit von überall verwaltet werden.

Wer sich für diese On-Demand-Lösung entscheidet, braucht sich außerdem im Gegensatz zu einer stationären Anlage nicht länger um die Wartung, Instandhaltung und sicherheitsrelevante Updates zu kümmern. Denn diese Aufgaben fallen in den Verantwortungsbereich des ausgewählten Providers. Das spart Arbeitszeit und Kosten.

Die kontinuierliche Weiterentwicklung durch den Anbieter gewährleistet zudem, dass regelmäßig neue Features, wie Unified Communications, zur Verfügung stehen, mit denen die Zusammenarbeit der Teams einfacher wird. Und auch während der Durchführung der Wartungsarbeiten ist die Hochverfügbarkeit der Cloudlösung spürbar – bzw. eben nicht. Denn das System läuft in dieser Zeit auf einer Backuparchitektur, sodass der Anwender selbst nichts davon mitbekommt.

Auch bei einem Internet- oder Stromausfall sind Unternehmen über die Cloud gut gerüstet. Denn selbst bei einem kompletten Ausfall, z.B. durch Hochwasser im Serverraum, kann die Erreichbarkeit durch die App auf dem Smartphone über LTE dennoch sichergestellt werden. Durch den geringen Arbeits- und Kostenaufwand sowie die flexible Erweiterung der Rufnummern eignet sich diese Variante für jede Unternehmensgröße und -form.

Bei einer geringen Bandbreite stößt die Cloudtelefonie jedoch an ihre Grenzen. Pro Sprachkanal werden mindestens 100 KBit/s in Up- und Downloadrichtung benötigt, was Unternehmen, gerade in der neuen, hybriden Arbeitswelt, beachten sollten.

Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens

Unternehmen stehen nun vor der Frage, für welche der drei vorgestellten IP-Lösungen sie sich entscheiden sollen. Alle Alternativen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, deren Gewichtung letztendlich von den individuellen Anforderungen des Unternehmens abhängt. Zentrale Entscheidungs-Faktoren sind immer die bereits vorhandene und gewünschte Netzwerksituation sowie die Kosten-Nutzen-Frage und der Bedarf an Flexibilität.

Auch die Entwicklungen der letzten Monate spielen eine Rolle, denn die Arbeitswelt hat sich verändert: Hybrid Work – das Arbeiten im Büro, im Home Office oder von unterwegs aus – in variablen Mischformen mit individuellen Vereinbarungen ist die Zukunft. Nach den Erfahrungen, die wir alle in der Pandemie gemacht haben, wird es für die allermeisten Firmen kein ‚weiter so im Dauerpräsenzmodus geben. Genau diese Flexibilität ist mit VoIP als On-Demand-Lösung möglich.

Nicht länger warten – So einfach geht‘s zu VoIP!

Sobald die Entscheidung für eine der möglichen IP-Lösungen gefallen ist, kann der Umstieg beginnen. Daher haben wir zum Abschluss unserer dreiteiligen Reihe hier noch einmal alle relevanten Punkte für Ihre Umstellung auf VoIP zusammengestellt:

  • Vorhandene Anschlüsse checken
  • Splitter und NTBA (Network Termination for ISDN Basic Rate Access), das Netzabschlussgerät bei einem ISDN-Basisanschluss, entfernen
  • Ggf. SIP-Trunk einrichten
  • Provider auswählen oder bestehenden Internetvertrag erweitern
  • Zugangsdaten für den Internetzugang bereithalten
  • Klären, ob alle verwendeten Sonderdienste funktionieren
  • Je nach Bedarf Hardware oder Software für die Telefonie ergänzen
  • Telefon und Router verbinden und einrichten

In der Checkliste von Placetel/Cisco [PDF] finden Sie alle Informationen speziell für den Umstieg auf die Cloud-Telefonie.

Fazit

Mit VoIP und insbesondere mit cloudbasierter IP-Telefonie ist jedes Unternehmen für die Zukunft und die Anforderungen von Hybrid Work gut gerüstet. Firmenlenker müssen jetzt zukunftssicher handeln und dabei alle VoIP-Anforderungen und Vorteile für ihr Geschäft bedenken. Mehr zum Wechsel von ISDN zu All-IP sowie zu den nötigen Anforderungen und Voraussetzungen lesen Sie im ersten und zweiten Teil der Placetel All-IP-Artikelserie.

Lesen Sie mehr über das Ende von ISDN und den Wechsel zu VoIP in den ersten beiden Teilen der Placetel All-IP-Artikelseri:

Zum ersten Teil dieser Miniserie gelangen Sie über diesen Link:

Zum zweiten Teil dieser Miniserie gelangen Sie über diesen Link:

Martin Jeschar.
Martin Jeschar.
(Bild: Cisco/Placetel)

Über den Autor

Martin Jeschar ist Product Engineer bei Placetel.

Ergänzendes zum Thema
Vorteile der Internettelefonie-Lösungen auf einen Blick

ISDN-Telefonanlage mit nachgerüstetem VoIP Modul

  • Vorteile: Hardware bereits vorhanden, günstige Variante
  • Nachteile: Einschränkungen im Funktionsumfang, keine vollständige Nutzung der Flexibilität der modernen IP-Telefonie

Stationäre Telefonanlage mit nativer VoIP Funktionalität

  • Vorteile: Beibehaltung der vollen Kontrolle, einfache Integration von Inhouse-Lösungen, selbständige Regulation der Ausfallzeiten
  • Nachteile: Investitionskosten, Aufwand und Kosten für Bereitstellung, Wartung und laufende Systemverwaltung, Skalierung vergleichsweise teurer und zeitintensiver, es kommt zu gelegentlichen Ausfallzeiten beispielsweise durch Updates, USV als Absicherung bei Strom- oder Internetausfällen notwendig

Cloud-Telefonanlage

  • Vorteile: Flexible Skalierbarkeit, Kosteneinsparung, Wartungsfreiheit, höchstmögliche Sicherheit, hohe Benutzerfreundlichkeit, Ortsunabhängigkeit, großer Funktionsumfang, ermöglicht flexible Arbeitsmodelle, zusätzliche Sicherheitslösungen (z.B. Multifaktor-Authentifizierung), Erreichbarkeit auch bei DSL- oder Stromausfall über App
  • Nachteile: keine unmittelbare Kontrolle über die Hosting-Infrastruktur, Buchung eines standardisierten Produkts, stark individualisierte Lösungen, vorhandene und oft veraltete Geräte und TAPI Anbindungen werden nicht immer hundertprozentig unterstützt

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