Highspeed-Internet statt „Breitband light“

Digitalisierung: Wie das Land zum „Smart Country“ wird

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Breko und Colab luden zu einer politischen Diskussionsrunde zum Thema „Smart Country“ ein.
Breko und Colab luden zu einer politischen Diskussionsrunde zum Thema „Smart Country“ ein. ()

In einer politischen Gesprächsrunde, zu der Breko und Colab nach Berlin eingeladen hatten, wurde das Thema „Smart Country“ diskutiert. Dabei wurde eine wichtige Botschaft an die Adresse der Politik gerichtet: Der ländliche Raum dürfe nicht mit „Breitband light“ abgehängt werden.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) und das Internet & Gesellschaft Collaboratory (Colab) hatten am 25. Februar zu einer morgendlichen Diskussionsrunde zum Thema „Smart Country“ nach Berlin eingeladen. Im Fokus des Gesprächskreises aus Valentina Daiber (Director Corporate Affairs bei Telefónica Deutschland und Breko-Vorstandsmitglied), Rainer Helle (Vorsitzender des Länderarbeitskreises Telekommunikation, Informationswirtschaft, Post und Leiter des Referats Telekommunikation im Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein), Lars Klingbeil (MdB, netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion) und Till Meyer (Senior Manager Cluster ITK, Medien und Kreativwirtschaft bei der Zukunftsagentur Brandenburg) sei dabei die Fragestellung gestanden, wie auch der ländliche Raum von den Chancen der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft profitieren könne.

Breitband als wichtiger Standortfaktor

Denn der digitale Wandel beschäftige längst nicht mehr nur die Menschen in Metropolen: Bei der Gestaltung der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahre spiele die flächendeckende Breitbandversorgung in Stadt und Land eine zentrale Rolle. Damit der Sprung zum vernetzten Leben und Arbeiten gelinge, müssten in ganz Deutschland Highspeed-Netze entstehen. Auch die Bundesregierung habe die Digitalisierung in Stadt und Land mit der Vorstellung ihrer Digitalen Agenda als äußerst wichtigen und bestimmenden Faktor für Wirtschaft und Gesellschaft erkannt – und daraus konsequenterweise die Notwendigkeit des flächendeckenden Ausbaus mit hochleistungsfähigen Highspeed-Netzen abgeleitet.

Nach Ansicht des Breko ist Breitband der Standortfaktor Nummer eins – noch vor dem Thema Verkehrsanbindung sowie der Gewerbe- und Grundsteuer. Glasfaser- und hochleistungsfähige Mobilfunknetze in Stadt und Land spielten bei der Wahrung und weiteren Förderung von Wohlstand eine entscheidende Schlüsselrolle.

„Intelligente Vernetzung aller Akteure“

Das hätten auch die Teilnehmer der „Smart-Country“-Diskussionsrunde von Breko und Colab so gesehen, nachdem sie einen Praxisreport des Diplom-Informatikers Kai Seim zum Breitbandausbau in unterversorgten, ländlichen Gebieten erhalten hatten. „Breitband ist eines der aktuell wichtigsten Themen überhaupt“, erklärte Lars Klingbeil – und warnte zugleich vor den Folgen, wenn dieser wichtige Standortfaktor nicht gegeben sei: „In meinem Wahlkreis sind deshalb nachweislich Unternehmen abgewandert.“ Klingbeil stellte klar: „Der ländliche Raum darf nicht abgehängt werden!“

Rainer Helle unterstützt die Forderungen des Bundestagsabgeordneten: „Wir können politisch nicht akzeptieren, dass es für den ländlichen Raum nur „Breitband light“ gibt.“ Helle betonte, insbesondere beim Glasfaserausbau im ländlichen Raum sei eine „intelligente Vernetzung aller Akteure“ notwendig. Besonders Stadtwerke sowie Kommunen und lokal/regional tätige Netzbetreiber seien hier kompetente Ansprechpartner.

Breko-Vorstandsmitglied Valentina Daiber stützte die Aussage Helles: „Lokale und regionale Netzbetreiber gehen auf spezifische Besonderheiten vor Ort ein und sorgen für innovativen Wettbewerb.“ Daiber erwähnte auch, dass die Breko-Netzbetreiber Infrastrukturinvestitionen von mehr als 1,5 Mrd. Euro pro Jahr leisten würden. Die alternativen Netzbetreiber in Deutschland, so Daiber unter Bezug auf Zahlen des WIK-Instituts, wollten bis zum Jahr 2018 mehr als 9 Mrd. Euro in den flächendeckenden Breitbandausbau investieren und auf diesem Wege zusätzliche 11,2 Mio. Haushalte mit schnellen Internetanschlüssen versorgen.

Fairer Wettbewerb aller Marktteilnehmer

Rainer Helle sprach sich unterdessen für eine eingehende Prüfung des von der Deutschen Telekom am Montag eingereichten Antrags zum exklusiven Einsatz von VDSL2-Vectoring im sogenannten HVt-Nahbereich aus. Dieser würde dazu führen, dass Wettbewerber des Bonner Ex-Monopolisten in einem durchschnittlichen Radius von 550 Metern um die bundesweit rund 7.900 Hauptverteiler kein VDSL2 mehr – und damit künftig auch kein VDSL2-Vectoring – anbieten könnten. „Es darf nicht zu einer Einschränkung des Wettbewerbs kommen“, sagte Helle. Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers betonte, der flächendeckende Breitbandausbau könne nur im Zusammenspiel aller Marktteilnehmer zu fairen und diskriminierungsfreien Bedingungen erfolgen. Es gebe keinen vernünftigen Grund dafür, dass die Deutsche Telekom die innovative Vectoring-Technologie im Nahbereich um die Hauptverteiler exklusiv – und damit ohne Beteiligung des Wettbewerbs – einsetzen dürfe.

Dass der Ausbau mit ultraschnellen Glasfasernetzen insbesondere auch dem ländlichen Raum nützen würde, zeigte Till Meyer von der Zukunftsagentur Brandenburg auf. „Wertschöpfung kann auch in der Pampa erfolgen“, sagte Meyer. Die Politik müsse die Chancen der Digitalisierung nutzen; auf diesem Wege könnten zahlreiche (Tele-) Arbeitsplätze auf dem Land geschaffen werden. Eine digitale Spaltung müsse unbedingt verhindert werden.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43231832 / Breitband auf dem Land)