Ratlosigkeit in Japan und China

Digitalisierung kostet in Deutschland keine Jobs

| Autor / Redakteur: Sarah Gandorfer / Andreas Donner

Die Arbeitswelt von morgen erfordert neue Fähigkeiten.
Die Arbeitswelt von morgen erfordert neue Fähigkeiten. (Bild: Pixabay / CC0)

Die Digitalisierung ist nicht die erste Veränderung der Arbeitswelt, denn diese war schon immer im Wandel. Die Frage ist jedoch, ob Arbeitsplätze aufgrund der Neuerungen ersatzlos wegfallen. Deutschland ist optimistisch, dass neue Jobs hinzukommen, während Japan Arbeitsplätze abbaut, so eine Studie der ManpowerGroup.

Ob der technische Fortschritt Arbeitsplätze vernichtet oder nicht, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Doris Albiez, Deutschlandchefin bei Dell EMC, warnte beispielsweise vor wenigen Wochen, dass „bisher dem technischen Fortschritt Arbeitsplätze mit geringer Qualifikation zum Opfer fielen.“ Das sei in der Digitalisierung anders: Erstmals würde es hochqualifizierte Tätigkeiten treffen. Albiez äußerte sich kritisch zu der Erwartung vieler Arbeitgeber, die Digitalisierung würde genügend Arbeitsplätze schaffen, um den Job-Verlust durch Automatisierung auszugleichen.

Der Personaldienstleister ManpowerGroup befragte für seine Studie „Skills Revolution 2.0“ 20.000 Arbeitgeber in 42 Ländern. Weltweit planen 86 Prozent der Arbeitgeber im Zuge der Digitalisierung die Zahl der Arbeitsplätze stabil zu halten oder sogar zu erhöhen. In Deutschland wollen sogar 91 Prozent in den kommenden zwei Jahren so vorgehen. Nur acht Prozent meinen hierzulande, dass Jobs verlorengehen. „Die deutschen Ergebnisse zeigen, dass bei uns im Land die Grundstimmung herrscht, dass durch die Digitalisierung nicht nur Stellen wegfallen“, sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. „Viele Unternehmer gehen davon aus, dass eine Stelle wegfällt, aber ein, zwei entstehen können, wenn sie kreativ sind und sich neue Dinge überlegen.“

Die Arbeitgeber in den USA schätzen die Lage ebenso ein wie ihre deutschen Pendants: 91 Prozent gehen davon aus, dass die Zahl der Jobs in ihren Unternehmen auf dem derzeitigen Niveau bleibt oder sogar steigt. Einen höheren Wert erzielen unter den großen Volkswirtschaften nur die Briten (96 Prozent).

Die Zahlen aus Ostasien sprechen eine deutlich andere Sprache. In Japan teilen nur 76 Prozent der Verantwortlichen diese Meinung, in China sind es sogar nur 73 Prozent. „In beiden Ländern herrscht bei einer recht großen Minderheit Ratlosigkeit“, erläutert Brune. „Viele japanische und chinesische Führungskräfte sind sich nicht sicher, wie sie die Situation einschätzen sollen. In Japan – einem Land mit einer hohen Roboterdichte, ähnlich wie auch in Deutschland – sagen aber auch gemessen am weltweiten Schnitt viele Unternehmer, dass Jobs abgebaut werden.“

Führungsqualitäten nicht gefragt

Die Studie zeigt zudem, dass die so genannte Skills Revolution, also der Wandel der Anforderungen in der Arbeitswelt, in vollem Gange ist. Immer gefragter sind Kommunikations- und Organisationstalente. 88 Prozent der deutschen Arbeitgeber suchen Mitarbeiter, die gut mit anderen zusammenarbeiten können. Die Fähigkeit, mit anderen kommunizieren zu können – sowohl mündlich als auch schriftlich – schätzen 79 Prozent der Befragten zwischen Flensburg und Oberstdorf sehr. Wer selbstständig seine Arbeit organisieren kann, hat bei 73 Prozent der Arbeitgeber gute Chancen. Führungsqualitäten sind kaum noch gefragt (28 Prozent).

Zugleich sind Bewerber, die dieses Anforderungsprofil erfüllen, auf dem Arbeitsmarkt am schwierigsten zu finden. So sagen 36 Prozent der Führungskräfte, es fehle Bewerbern an der Kompetenz, Probleme zu lösen. 31 Prozent sind der Ansicht, es mangele potenziellen Kandidaten an der Fähigkeit, sich selbst zu organisieren.

Die Studie wirft damit ein Schlaglicht auf eine Reihe von Soft Skills, die künftig für den beruflichen Erfolg entscheidend sein werden. „Hier liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Personalstrategie in Zeiten digitaler Transformation“, sagt Herwarth Brune. „Die entscheidenden Einstellungskriterien für Arbeitgeber sollten heute nicht das bereits vorhandene Wissen und Können eines Bewerbers sein, sondern seine Fähigkeit, sich auf andere einzulassen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

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