Befragung: Unternehmen investieren stärker in digitale Infrastruktur

Digitale Infrastruktur: Jobmotor für Deutschland

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

A.T. Kearney zufolge werden Industrie 4.0 und das Internet of Things das in Rechenzentren zu bearbeitende Datenvolumen pro Jahr um über 30 Prozent wachsen lassen.
A.T. Kearney zufolge werden Industrie 4.0 und das Internet of Things das in Rechenzentren zu bearbeitende Datenvolumen pro Jahr um über 30 Prozent wachsen lassen. (Bild: fotohansel – Forolia.com)

Die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität in Europa steigt. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney sieht diese Entwicklung durch die Antworten der von ihr befragten europäischen IT-Leiter bestätigt und prognostiziert bis 2020 ein Plus von mehr als 340.000 Jobs in Europa, 30.000 davon in Deutschland.

Der europäische Rechenzentrumsmarkt wird bis 2020 um mehr als sechs Prozent jährlich wachsen und ein Volumen von 270,4 Mrd. Euro erreichen. Dies ist eine Prognose von A.T. Kearney, die von den aktuellen Entwicklungen bei Apple, welches kürzlich zwei neue Rechenzentren in Europa ankündigte, gestützt wird. Eine Befragung von mehr als 50 IT-Leitern in Europa durch A.T. Kearney habe ergeben, dass Unternehmen eine Erhöhung ihrer Budgets für diesen Bereich um 50 Prozent und mehr planen.

Vor diesem Hintergrund sehen die Experten von A.T. Kearney akuten Handlungsbedarf, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland im Zeitalter der Digitalisierung nicht zu gefährden: Durch die steigende Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität in den nächsten fünf Jahren entstehen laut A.T. Kearney europaweit netto mehr als 340.000 neue Arbeitsplätze und es würden weitere 172.000 Vakanzen durch Pensionierungen in diesem Zeitraum hinzukommen. Darin seien Rationalisierungs- und Globalisierungseffekte bereits eingerechnet. Nach dem heutigen Stand würde die Nachfrage nach entsprechendem Fachpersonal für den Aufbau und Betrieb digitaler Infrastrukturen allerdings bei Weitem das Angebot übertreffen und es könnten nur etwa 50 Prozent der Stellen in diesem Bereich mit verfügbaren Fachkräften besetzt werden.

Mehr Fachkräfte für neue Positionen in Deutschland

Allein in Deutschland würden bis 2020 insgesamt 27.600 neue Stellen entstehen. 42.000 Stellen würden neu geschaffen und 14.400 abgebaut. Außerdem müssten in diesem Zeitraum nach Pensionierungen 18.000 Positionen neu besetzt werden.

„Wir müssen diese Lücke schließen und naturwissenschaftliche sowie technische Fächer für zukünftige Studentinnen und Studenten interessanter machen. Dafür ist es erforderlich, das Image der Informationstechnologie zu verbessern, indem wir IT-Themen besser in sämtliche Stufen des Schulsystems integrieren“, rät Marcus Eul, Partner und Leiter der Strategic IT Practice EMEA bei A.T. Kearney.

Wirtschaftliche und politische Vorteile am Standort Europa

Bei der Befragung von A.T. Kearney gaben die Teilnehmer an, dass Big Data, Cloud Computing, die Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Services, das Internet der Dinge sowie die Anpassung älterer Systeme hinsichtlich Sicherheit, Skalierbarkeit und Effizienz weitere Investitionen in Rechenzentren zur Folge haben werden. 65 Prozent der IT-Entscheider würden als Standort Europa wählen.

„Als Industrieland sind wir von der Digitalisierung besonders betroffen“, sagt Holger Röder, Partner und globaler Leiter Digital Business bei A.T. Kearney. „Getrieben durch Industrie 4.0 und Internet of Things nimmt das in Rechenzentren zu bearbeitende Datenvolumen pro Jahr um über 30 Prozent zu. Als Betreiberland des größten Internetknotens der Welt, mit hoher politischer und wirtschaftlicher Stabilität und hohen Standards im Datenschutz haben wir einen erheblichen Standortvorteil als Anbieter digitaler Infrastrukturdienste.“

Diese Vorteile seien entscheidend, denn die Befragung zeige, dass die IT-Leiter bereit seien, einen Aufschlag von 20 Prozent auf das aktuelle Preisniveau zu zahlen, wenn sie dafür höhere Sicherheitsstandards und kürzere Antwortzeiten für Anwender und Kunden bekommen würden. Ein Fünftel würde dafür sogar einen Aufschlag von 50 Prozent akzeptieren.

Große Nachfrage in Europa

Der Bedarf an digitaler Infrastruktur scheint nahezu unbegrenzt: Aktuell hat Apple zwei neue Rechenzentren in Irland und Dänemark angekündigt und investiert 1,7 Mrd. Euro. T-Systems hat kürzlich den Bau des größten europäischen Rechenzentrums in Barcelona abgeschlossen und mit der Migration der vorhandenen Infrastruktur begonnen. ATM, Polens führendes Unternehmen für Planung, Bau und Betrieb von Rechenzentren, hatte erst im vergangenen Jahr seine Kapazität am Standort Warschau mit einem Neubau erweitert. Mittlerweile baut das Unternehmen bereits das nächste Rechenzentrum, weil auch der 2014 errichtete Neubau bald vollständig ausgelastet sein wird.

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