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Schnelle Verbindungen in die Cloud Diese Kriterien müssen Rechenzentren für Netzwerkanbieter erfüllen

Autor / Redakteur: Christian Müller [Red.: Ulrike Ostler] / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Von Points of Presence (PoPs) bis in die Cloud – für Netzwerkanbieter sind Rechenzentren wichtige Partner zur Umsetzung ihres Geschäftsmodells: Bei der Auswahl geeigneter Rechenzentren waren bislang neben den Kosten vor allem Carrier-Neutralität und Sicherheit entscheidend. Aufgrund des Vormarschs der Cloud, die On-Premises-Strukturen nach und nach ablöst, werden leistungsfähige Anbindungskonzepte an die Cloud immer wichtiger.

Was heute zählt, ist Interconnection, die schnelle, möglichst direkte und sichere Verbindung in die Cloud, von einer Cloud zur nächsten und vom Anwender in eine oder mehrere Clouds ermöglicht.
Was heute zählt, ist Interconnection, die schnelle, möglichst direkte und sichere Verbindung in die Cloud, von einer Cloud zur nächsten und vom Anwender in eine oder mehrere Clouds ermöglicht.
(Bild: Myriams-Fotos auf Pixabay)

Da Rechenzentren von Telekommunikationsanbietern vor allem als PoPs genutzt werden, hat das Thema Anbindung schon immer besonderen Stellenwert. Eine gute Anbindung ermöglicht Interoperabilität und weitgehend automatisierte Abläufe im Handling der benötigten Bandbreiten für den internationalen Backbone.

Die Zahl der Carrier, die das Rechenzentrum mit Glasfaserstrecken redundant erschlossen haben, sind hierbei ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl. Das zentrale Stichwort ist hierbei die Carrier-Neutralität. Eine breite Auswahl verschiedener Anbindungsvarianten durch eine möglichst große Zahl an Carriern ermöglicht Netzwerkanbietern und anderen Kunden eine kosteneffiziente Anbindung des Rechenzentrums sowie die Interkonnektivität mit einer Vielzahl anderer Telekommunikationsunternehmen.

Anschlüsse auf verschiedenen Wegen in das Datacenter sind auch die Grundlage für eine hohe Verfügbarkeit und damit ein Indikator für Ausfallsicherheit. Insbesondere die Corona-Pandemie hat einmal mehr verdeutlicht, dass Rechenzentren zur kritischen Infrastruktur gehören. Unternehmenskunden verlassen sich bei Ihren Carriern darauf, dass sie die Sicherheit und Stabilität ihrer digitalen Betriebsprozesse jederzeit sicherstellen. Denn gerade in der aktuellen Situation, in der die Unternehmen mehr denn ja auf zuverlässige Verbindungen angewiesen sind, würde ein Ausfall einen enormen Geschäftsverlust bedeuten.

Die Cloud-Verbundenheit

Mit der steigenden Zahl an Unternehmen, die ihre Anwendung in die Cloud migrieren, verschieben sich die entscheidenden Leistungsparameter für die Auswahl von Rechenzentrumspartnern zunehmend von klassischer Anbindungsleistung zu Konnektivität in die Cloud. Laut einer IDC-Befragung unter 200 deutschen IT-Entscheidern befanden sich 2020 schon knapp der Hälfte der Unternehmen in fortgeschrittenen Migrationsprozessen. Folgt man zudem den Experten von Forrester Research, wächst der globale Public-Cloud-Infrastrukturmarkt im Jahr 2021 um 35 Prozent auf rund 100 Milliarden Euro.

Aufgrund der damit eingehenden schrumpfenden Umsätze im traditionellen Bandbreiten-Geschäft gehören große Unternehmenskunden für Telekommunikationsunternehmen mittlerweile zum am härtesten umkämpften Marktsegment, das nur mit einem überzeugenden Cloud-Verbindungsangebot zu erreichen ist. Das Thema Cloud wird dabei allerdings nicht nur zunehmend geschäftsentscheidend, sondern auch komplexer. Wo bisher eine einfache Anbindung an die verschiedenen Cloud-Anbieter ausreichend war, gehören heute die Hybrid-Cloud und die Multicloud zu verbreiteten Architekturen.

Anbindung an führende Cloud-Plattformen

Ein zentrales Kriterium bei der Auswahl eines Rechenzentrumspartners ist daher die Anbindung an alle gängigen Cloud-Plattformen. Hierbei sind zudem internationale Anbindungsmöglichkeiten ausschlaggebend. Das Portfolio sollte deshalb auch die verschiedenen Märkte der jeweiligen Cloud Provider umfassen. Dadurch können internationale Unternehmen über die Regionen hinweg ihre Aktivitäten auf nur wenige Cloud-Anbieter konzentrieren und sind nicht gezwungen, für jedes Land separate Verträge abzuschließen.

Mit den verzweigten Strukturen nimmt ferner die Bedeutung redundanter Anbindungsmöglichkeiten zu. Diese garantieren eine sehr hohe Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit für die Endkunden. In Kombination mit internationalen Anbindungsmöglichkeiten können die Redundanzkonzepte auch standortübergreifend umgesetzt werden.

Ein deutsches Unternehmen mit Niederlassungen in Frankfurt am Main sowie in oder in der Nähe von europäischen Wirtschaftszentren könnte so beispielsweise eine Erstanbindung in Frankfurt und eine Zweitanbindung in Amsterdam, London oder Paris realisieren – je nach nächstgelegenem PoP zum Firmensitz. Je mehr PoPs der großen Public-Cloud-Anbieter abgedeckt sind und je näher sich der Zugang am PoP befindet, desto besser können die Latenzanforderungen der Kunden erfüllt werden.

Skalierbarkeit

Neben der Schnelligkeit und Sicherheit der Verbindung ist die Skalierbarkeit ein wichtiger Faktor. Es muss möglich sein, die Bandbreiten je nach Kapazitätsbedarf in Echtzeit flexibel zu reduzieren oder zu erhöhen.

Die so genannte On-Demand-Steuerung gehört zum „must have“ des Verbindungsmanagements und hat sich nicht zuletzt durch die Verbreitung von Homeoffice in Provider-Strategien von Unternehmen fest etabliert, da sie eine kosteneffiziente und bedarfsgerechte Abrechnung ermöglicht.

Automatisierung

Ein flexibles Management setzt einen hohen Automatisierungsgrad voraus. Je besser ein Rechenzentrum seine Prozesse automatisiert, desto effizienter können die Ansprüche einer reibungslosen Customer Experience erfüllt werden. Die Automatisierung entlastet nicht nur von der fehleranfälligen manuellen Funktionskontrolle, sondern ermöglicht auch die schnelle Bereitstellung von bereichsübergreifenden Systemen und Cloud-Diensten.

Voraussetzung dafür ist eine vollständig virtualisierte Infrastruktur, die eine softwaregestützte Steuerung ermöglicht und damit die schnelle Einbindung von neuen Services und Applikationen. Auf diese Weise lassen sich auch Multicloud-Strukturen sicher verwalten indem beispielsweise Back-Up- und Recovery-Lösungen zentral und plattformübergreifend angelegt werden und so die Verfügbarkeit von Daten und Anwendungen gewährleisten.

Schnittstellen zu Systemen der Telekommunikationsfirmen

Damit eine Automatisierung systemübergreifend gelingen kann, muss das Verbindungs-Ökosystem besser vernetzt werden. Das machen standardisierte Schnittstellen (API) möglich, die die jeweiligen Systeme der Rechenzentren mit den Systemen der Telekommunikationsanbieter koppeln.

Ziel ist, nahezu „Zero Touch Provisioning“ zu erreichen. Auf diese Weise können Carrier die Dienste selbstständig orchestrieren und aus der Ferne überwachen und konfigurieren. Das entlastet Rechenzentrumsbetreiber gleichzeitig von der Konfiguration und Programmierung einzelner Geräte.

Christian Müller.
Christian Müller.
(Bild: www.Nicole-Effinger-Fotografie.de)

Immer mehr Unternehmen setzen auf komplexe Cloud-Lösungen, um ihr Geschäftsmodell zu realisieren. Telekommunikationsanbieter werden verstärkt daran gemessen, wie zuverlässig sie schnelle und sichere Cloud-Anbindungen bereitstellen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen sie verlässliche Rechenzentrumspartner, die nicht nur alle führenden Cloud-Provider im Portfolio haben und Konnektivität über Ländergrenzen hinaus ermöglichen, sondern ihre Services skalierbar und automatisiert zur Verfügung stellen.

Über den Autor

Christian Müller ist Director Carrier Relations bei Riedel Networks.

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