SDN & OpenFlow World Congress in Darmstadt

Die Revolution der Netzwerkbastler

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Mitunter war die Aufbruchstimmung in Darmstadt auch den wild verkabelten SDN-Prototypen anzusehen.
Mitunter war die Aufbruchstimmung in Darmstadt auch den wild verkabelten SDN-Prototypen anzusehen. (Bild: Srocke)

Die Worte Paradigmenwechsel und Revolution machten auf dem SDN & OpenFlow World Congress in Darmstadt immer wieder die Runde. Dahinter stand oft der Carrier-seitige Wunsch, CAPEX und OPEX zu reduzieren.

Vom 22. bis 24. Oktober konnte man in Darmstadt tatsächlich glauben, einer Revolution beizuwohnen. Während Bautrupps unter dem bahnhofsnah gelegenen „Maritim Konferenzhotel“ das Parkhaus umkrempelten, diskutierten im Hause weit mehr als 300 Teilnehmer beim SDN & OpenFlow World Congress über die Zukunft von Netzwerkarchitekturen und präsentierten erste Lösungen.

Axel Clauberg, bei der Deutschen Telekom verantwortlich für IP, Architektur und Design, bemühte in seiner Keynote den Vergleich zu aktuellen IT-Trends: Nach den Entwicklungen bei Open Source und Consumerization müssten nun auch Netzwerke an die Erfordernisse der Zeit angepasst werden.

Die Überwindung eines über 40 Jahre alten Paradigmas ist dabei weniger eine Frage des Prestiges als Ergebnis knallharter, wirtschaftlicher Erwägungen: Carrier erwarten in den kommenden Jahren exponentiell steigende Datenströme bei bestenfalls stagnierenden Einnahmen. Software-Defined Networking (SDN) könne helfen, Investitionen (CAPEX) und Betriebskosten (OPEX) zu senken sowie zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

Virtuelle Systeme aus dem Netzwerk

Per SDN könnten solche zusätzlichen Dienste direkt im Netzwerk implementiert werden. Ein konkretes Anwendungsbeispiel hierfür zeigte Vincent Catros, Access Network & System Architect beim Telekommunikationsdienstleister Orange: Ein CloudBox genanntes Virtual Home Gateway auf OpenFlow-Basis.

Statt Heimanwender mit einer standardisierten und vergleichsweise teuren Hardware für den Internetzugang auszustatten, verlagere man mit dem virtuellen System die meiste Intelligenz ins Netzwerk. Das verlängere nicht nur die Lebensdauer von Hardware und senke deren Bereitstellungskosten. Zudem könnten verschiedene Funktionen der Heimrouter auch individuell für einzelne Anwender (kostenpflichtig) freigeschaltet werden.

Außerdem könnte man B2B2C-Geschäfte umsetzen und OTT-Dienstleistern – wie Skype oder Youtube – Zugriff auf die CloudBox gewähren. Im Feld getestet werden soll die Lösung voraussichtlich Ende 2013.

Bereits seit Anfang 2011 nutzt Google SDN und OpenFlow für globale WAN-Verbindungen zwischen den eigenen Rechenzentren. Jim Wanderer, Director of Engineering Platforms Networking, beschrieb, wie man mit OpenFlow eine preisgünstige, flexible und hochskalierbare Infrastruktur aufgebaut hat.

Frühe Vorläufer

Michael Enrico, CTO des Non-Profit-Unternehmens DANTE (Delivery of Advanced Network Technology to Europe), wagte schließlich einen Rückblick auf die Wurzeln software-definierter Netze.

Auch wenn SDN derzeit offenbar vor seinem Durchbruch steht, gab es vor einiger Zeit schon sehr ähnliche Ansätze. Exemplarisch nannte Enrico die bereits in den 1990er Jahren von J.E. van der Merwe und I.M. Leslie an der University of Cambridge verfasste Arbeit zu "Switchlets and Dynamic Virtual ATM Networks" sowie das bereits um 2002 geschriebene Paper User Controlled LightPaths (UCLP) des Canadian R&E Network (CANARIE).

In die Gegenwart ging es dann wieder mit Enricos Mitstreiterin Afrodite Sevasti. In ihrer Rolle als Chief Business Development Officer, GRNET beschrieb diese die Möglichkeiten von SDN. Im Forschungsnetzwerk GÉANT könne man mit der Technik beispielsweise "Testbeds as a Service" anbieten, also flexibel konfigurierbare Testumgebungen, die das produktive Netz in seiner Funktion nicht beeinträchtigen.

Demonstrationen und Prototypen

Einen Eindruck von ähnlich flexible Netzinfrastrukturen präsentierte Ericsson mit einer aufgeräumten Testinstallation außerhalb des Vortragsraumes. In der Demo wurden Netzstrukturen mehr oder weniger beliebig zusammengestellt und sodann graphisch dargestellt.

Bei anderen Anbietern ging es nicht immer ganz so ordentlich zu. Mitunter wirkten die Prototypen und Testsysteme unter den Standtischen, als kämen sie direkt aus dem Bastelkeller. Die innovationsfreudige Aufbruchstimmung der SDN-Community illustrierten derlei Installation aber recht treffend.

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