Versprechungen, Hoffnungen, Erwartungen, Einschränkungen

Die Ergebnisse der WiMAX-Versteigerung

10.01.2007 | Autor / Redakteur: Andreas Beuthner / Ulrike Ostler

Beispiel eines WiMAX-Modems
Beispiel eines WiMAX-Modems

Wann mobile WiMAX-Netze abheben, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Bundesnetzagentur hat den flächendeckenden Ausbau in Deutschland bis spätestens im Jahr 2020 vorgesehen. Lizenznehmer stellen aber bereits für das laufende Jahr funkbasierte und wettbewerbsfähige WiMAX-Zugänge in Aussicht.

Deutsche Breitband Dienste (DBD) will nach Angaben von CEO Fabio Zoffi eine Milliarde Euro in den Aufbau der bundesweiten WiMAX-Infrastruktur stecken. Televersa setzt mit der WiMAX-Technik vor allem auf größere Reichweiten ihrer Funkmasten und skalierbare Datendurchsätze für die drahtlosen Anschlüsse. Zahlreiche große Carrier haben sich indes von WiMAX-Aktivitäten zurückgezogen.

Die Breitbandsparte der T-Com beispielsweise lehnte von Anfang an eine Beteiligung an der Lizenzversteigerung ab. Ursprünglich wollte die Telekom-Tochter durch so genannte WiMAX-basierte Hot Zones einen drahtlosen Breitband-Internetanschluss anbieten. Die Pläne wurden inzwischen aufgegeben. Stattdessen forciert die Deutsche Telekom den Ausbau von DSL-Netzen und die Einführung schnellerer xDSL-Verbindungen.

Auf Mobilfunkkongressen werden der WiMAX-Technik aufgrund guter Reichweiten und hoher Übertragungsraten immer wieder gute Noten erteilt. Allerdings herrscht auch bei den Protagonisten in puncto Geschäftsmodellen und Wirtschaftlichkeit Unsicherheit.

Beispielsweise gibt es keine Roaming-Abkommen zwischen den Anbietern regionaler Funknetze. Auch bietet die drahtlose Überwindung der letzten Meile zwischen Basisstationen und Teilnehmern nur ein sehr eingeschränktes Geschäftsfeld. Der weitere Ausbau von UMTS-Netzen könnte zudem den Träumen mobiler WiMAX-Anhängern ein jähes Ende bereiten.

Die Versteigerung

Nach der Versteigerung der Frequenzen für den Breitband-Funkstandard WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access) durch die Bundesnetzagentur im Dezember letzten Jahres stehen fünf neue Lizenznehmer im Bereich drahtloser Kommunikationsnetze in den Startlöchern. Bis 2012 soll bundesweit die Netzinfrastruktur im 3,5 Gigahertz-Bereich zur Verfügung stehen.

Neben der Clearwire Europe aus Luxemburg gehören die Deutsche Breitband Dienste GmbH und die Inquam Broadband GmbH zu den WiMAX-Betreibern, die bundesweite Lizenzen erstanden haben. Die lukrative Region Oberbayern mit der Landeshauptstadt München gehört zum Versorgungsbereich der italienischen MGM Productions Group. Für weitere Regionen wie Niederbayern und die Oberpfalz sicherte sich die Televersa Online GmbH die Betreiberrechte.

Während im Jahr 2000 die Lizenzvergabe für das Universal Mobile Telecommunication System (UMTS) den Haushalt der Bundesregierung mit fast 51 Milliarden Euro aufbesserte, verbuchte die Bundesnetzagentur nach der Versteigerung der WiMAX-Lizenzen lediglich 56 Millionen Euro. Nach Einschätzung von Jürgen Pfitzner, Geschäftsführer der Televersa Online, handelt es sich allerdings um einen Preis, der „realistisch ist und die Risiken für die Investoren niedrig hält“.

Lokales Funknetz mit neuer Technik erweitern

Televersa will bis Ende diesen Jahres sein bestehendes Richtfunknetz auf Basis von Wireless Local Loop (WLL) mit WiMAX-Technik aufrüsten. Derzeit betreibt der Carrier für die funkvermittelte letzte Meile 65 WLL-Stationen. Ende des Jahres sollen es 160 Stationen sein. Das Access-Modem will der Anbieter kostenlos zur Verfügung stellen. Allerdings benötigen die Teilnehmer einen Router, der das Telefonieren via Voice over IP ermöglicht.

Während im WLL-Netz die Antenne in Sichtweite einer Basistation stehen muss, überbrückt die WiMAX-Technik größere Distanzen: „Je nach Gegebenheiten kann das bis zu 50 Kilometer sein“, unterstreicht Pfitzner. Die größere Reichweite geht auf Kosten der Transferrate. Wer einen hohen Datendurchsatz benötigt, sollte auf eine Sichtverbindung, die so genannte Line of Sight (LoS), zwischen Basisstation und Access-Modem des Teilnehmers achten.

Im Fokus des Regionalanbieters stehen ländliche Gegenden, die auf absehbare Zeit keinen DSL-Festnetzanschluss erhalten. Im Business-Bereich verspricht sich Pfitzner Zulauf durch preiswertes Voice-over-IP. Durch Bündelung von Daten- und Sprachtransfer über einen Anschluss ergeben sich weitere Preisvorteile. Mehr Bandbreite durch skalierbare WiMAX-Verbindungen macht das regionale Funknetz laut Pfitzner attraktiv. Die Preise für reine Bitstrom-Zugänge mit Voice over IP liegen nach Angaben von Televersa um 20 Prozent niedriger als die heutigen DSL-Tarife.

Harte Konkurrenz trübt Erfolgsaussichten

Uneinig sind sich Kommunikationsexperten und Analysten über die Erfolgsaussichten der WiMAX-Technik angesichts der konkurrierenden Netztechniken wie UMTS, Wireless LAN, Satellitenfunk sowie leitungsgebundener Kabel-, Ethernet- oder DSL-Anschlüsse. Mobile Funknetze der dritten Generation (3G) – dazu gehört UMTS – sind für die Datenübertragung optimiert. Der noch nicht endgültig spezifizierte neue Standard für Wireless LAN, 802.11n, bringt dem drahtlosen lokalen Netz einen Performance-Schub mit Transferraten von (theoretischen) 500 Megabit pro Sekunde.

Auch das kabelgebundene DSL (Digital Subscriber Line) erhält durch VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) noch mehr Übertragungsleistung. Die schnelle DSL-Technologie bringt im Idealfall bis zu 52 Megabit pro Sekunde über die herkömmliche Telefonleitung zum Teilnehmer.

Optimismus ist angesagt

Bei Televersa sieht man dennoch optimistisch in die Zukunft. „In ländlichen Gegenden gibt es eine steigende Nachfrage nach Breitbandanschlüssen, die von keinem DSL-Anbieter bedient wird“, sagt Pfitzner. Die zu hohen Vorleistungen bei UMTS blockiere einen preisgünstigen drahtlosen Netzbetrieb mit UMTS-Technik. In diese Bresche will Televersa nach eigenem Bekunden mit der WiMAX-Technik springen und neue Dienstleistungspakete sowie die benötigte Infrastruktur für die umstrittene letzte Meile zwischen Hochgeschwindigkeits-Backbone und Teilnehmer anbieten.

Die DBD Deutsche Breitband Dienste betreibt bereits 30 Highspeed-Internet-Funknetze und strebt mit den WiMAX-Lizenzen ein bundesweites Angebot für Breitband-Internetanschlüsse an. Über eine strategische Partnerschaft mit Intel soll der flächendeckende Roll-out beschleunigt werden und nicht nur ländliche Gegenden sondern auch Ballungsräume und Metropolen wie München, Frankfurt, Hamburg und das Rhein-Main-Gebiet umfassen.

Nach Ansicht von Fabio Zoffi, CEO der DBD Deutsche Breitband Dienste in Heidelberg, geht der Trend im Telekommunikationsmarkt weg von Einzel- hin zu Kombiangeboten der Anbieter. Zwar fallen die Preise bei den Verbindungskosten, aber nach wie vor unterhalten die meisten Unternehmen zwei Anschlüsse für die Datenübertragung und das Telefon.

Die Wartung und Pflege von getrenntem Telefon- und Datennetz schlagen auch bei kleineren Unternehmen kräftig zu Buche. Ein von Telefonie entbündelter Datenzugang erleichtert nicht nur das Netzwerkmanagement, sondern senkt auch mit Voice-over-IP die Anschlusskosten. „Aktuell bieten wir zwei Megabit pro Sekunde Downstream für 19,98 Euro mit Flatrate. Da kann UMTS und DSL-Festnetz preislich nicht mithalten“, unterstreicht Zoffi.“ Aus diesem Grund setzen Netzadministratoren immer häufiger auf einen breitbandigen Einzelanschluss.

Ergänzung oder Alternative

WiMAX-Connectivity mit Transferraten von 100 Megabit pro Sekunde ist keine Zukunftsmusik. Im Testversuch wurden Übertragungsgeschwindigkeiten von 109 Megabit pro Sekunde gemessen.

Analysten von Steria Mummert Consulting rechnen damit, dass bereits im Jahr 2008 die drahtlose Internet-Anbindung via WiMAX in einigen Marktsegmenten mit dem DSL-Anschluss der Festnetzbetreiber gleichzieht. „Mit maximalen Übertragungsraten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde und einer Reichweite von bis zu 50 Kilometern wird WiMAX in etwa die gleiche Marktbedeutung wie DSL heute einnehmen“, sagt Volker Stingl, Consultant bei Steria Mummert Consulting.

Aus technischer Sicht kann WiMAX laut Stingl wegen der hohen Bandbreiten und der Reichweite die DSL-Übertragung ergänzen und in einigen Regionen ersetzen. Voraussetzung sei allerdings, dass die Netzbetreiber attraktive Preismodelle anbieten und in Sachen Sicherheit über Verschlüsselungsverfahren ausreichend Schutz bieten.

Bessere Verteilung der Ressourcen

Im 3G-Netzbereich können Funknetze auf Basis des WiMAX-Standards IEEE 802.16e-2005 bei Kapazitätsengpässen für mehr Übertragungsqualität sorgen. Beispielsweise steigen bei dem UMTS- Übertragungsverfahren High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) die Downlink-Datenraten auf maximal 14,4 Megabit pro Sekunde.

Greifen mehrere Teilnehmer auf die UMTS- Basisstation zu, schmälert das die nutzbare Bandbreite je Funkzelle. In diesem Fall könnte ein zusätzlicher WiMAX-Connect die Datenlast in den UMTS-Kanälen reduzieren und so für sichere Downloads oder Upstreams sorgen.

Ein Engpass herrscht allerdings noch bei den WiMAX-Endgeräten und den Sende- und Empfangseinheiten. Endteilnehmer sind noch auf die Installation von Hausantennen angewiesen. Zwar kündigte Chiplieferant Intel den ersten WiMAX-Chipset für Laptops und andere mobile Geräte an, aber die Serienfertigung ist noch nicht angelaufen. Der Netzwerkspezialist Huawei präsentierte inzwischen zusammen mit dem Handy-Hersteller E28 ein Dual Mode Smartphone, das sowohl in WLAN-Hotspots als auch in WiMAX-Netzen oder UMTS-Zellen Verbindungen aufbaut.

Die Finanzsparte Intel Capital fördert weltweit mit großzügigen Investitionen Netzbetreiber, die auf die mobile Wimax-Technik setzen. In diesem Jahr will der Chipgigant Wimax-kompatible Netzwerkkarten für PCs und weitere Chipsets für Mobiltelefone auf den Markt bringen. Komponentenhersteller wie Fujitsu oder Samsung investieren nach eigenen Angaben dreistellige Millionenbeträge in die Entwicklung von Geräten, Funkmodems und Anwendungen. So will Samsung nach eigenen Angaben in diesem Jahr 350 Millionen Dollar in WiMAX-kompatible Handys und Notebooks stecken. Alcatel oder Siemens unterhalten zwar auch WiMAX-Aktivitäten, stufen deren Bedeutung aber mehr als Nischenangebote ein.

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