Mobile-Menu

5G-Ausbau Deutschland prescht bei 5G-Campusnetzen vor

Von Marcus Giehrl [Red.: Sebastian Human]

Auch wenn Deutschland bei der digitalen Transformation allgemein nicht unbedingt eine Vorreiterrolle einnimmt, sind die Bemühungen rund um den Mobilfunkstandard 5G durchaus als Zeichen des Wandels zu sehen. Die Voraussetzungen jedenfalls sind gut.

Anbieter zum Thema

Mit privaten Campusnetzen können Unternehmen gefahrlos 5G-Anwendungsfälle erproben, da sie die vollständige Kontrolle über die Netzwerke haben.
Mit privaten Campusnetzen können Unternehmen gefahrlos 5G-Anwendungsfälle erproben, da sie die vollständige Kontrolle über die Netzwerke haben.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Kommt das Thema auf Digitalisierung, Breitbandausbau und schnellen, flächendeckenden Mobilfunk, galt Deutschland bislang im internationalen Vergleich nicht unbedingt als Taktgeber. Politik und Wirtschaft fehlen der Mut und das richtige Mindset für den Wandel, lautete ein gängiger Kritikpunkt.

Das mag in vielerlei Hinsicht stimmen, doch beim neuen 5G-Standard hat Deutschland aus seinen Versäumnissen der Vergangenheit gelernt. Die Netzbetreiber arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, ihren 5G-Ausbauverpflichtungen nachzukommen.

International hervorzuheben ist allerdings die Tatsache, dass die Bundesnetzagentur Firmen ein eigenes Spektrum an Frequenzen für lokale 5G-Netze reserviert hat und diese auch einfach und kostengünstig von Unternehmen zu lizensieren sind. Damit verfolgt Deutschland einen innovativen Ansatz, der inzwischen weltweit Beachtung findet.

Auf Campusnetzen ruhen hohe Erwartungen

Diese so genannten Campusnetze sind in der deutschen Industrie mit großen Hoffnungen verbunden: Dank der extrem niedrigen Latenzzeiten bei gleichzeitig hohen Kapazitäten für die Datenübermittlung können Maschinen miteinander vernetzt, Produktionsprozesse in Echtzeit getaktet, Lagerbestände exakt erfasst sowie Fahrzeuge autonom auf dem Gelände bewegt werden.

Denn im Gegensatz zum klassischen WLAN sind 5G-Campusnetze, genau wie die öffentlichen Mobilfunknetze, dafür entwickelt, den unterbrechungsfreien Handover zwischen Funkzellen sicherzustellen. Zudem lassen sich schon standardbedingt deutlich mehr Geräte pro Fläche ansteuern und verwalten. Gerade isolierte 5G-Campus-Netze, die vom übrigen Mobilfunknetz vollständig getrennt sind, bieten den Inhabern neben der Unterstützung von Echtzeitanwendungen einen entscheidenden Vorteil – sie sind weitgehend frei konfigurierbar, keine Daten verlassen das Unternehmen, jegliche Sicherheits- und QoS-Aspekte (Quality of Service) lassen sich vor Ort verwalten und dynamisch auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Firmen zeigen sich interessiert

Wurden die Campusnetze zunächst nur von wenigen Unternehmen beantragt, gewinnt die Nachfrage nach eigenen 5G-Mobilfunknetzen nun deutlich an Fahrt. Ende 2021 haben laut der Bundesnetzagentur inzwischen 179 Unternehmen und Organisationen ein lokales Spektrum zur Eigennutzung zugeteilt bekommen – und das sind nur die, die der Veröffentlichung dieser Informationen zugestimmt haben.

Die Beantragung für eine 10-Jahres-Lizenz mit Verlängerungsoption ist mehr oder weniger ein Kinderspiel, darüber hinaus sind die Kosten für ein Campusnetz überschaubar, sodass auch mittelständische Firmen ihr eigenes 5G-Netz realisieren können.

Maßgeblich dazu beigetragen haben die an der Entwicklung des 5G-Standards beteiligten Unternehmen. Sie haben nicht nur dafür gesorgt, dass die regulatorischen Eckdaten stimmen, sondern auch im Rahmen von 5G ACIA (5G Alliance for Connected Industries and Automation) und 5GAA (5G Automotive Association) vom Start weg an der technischen Spezifikation mitgearbeitet. Anstatt wie bei früheren Mobilfunkgenerationen auf die zwischen den Carriern festgelegte Standardisierung angewiesen zu sein, wurden dieses Mal industrielle Use Cases als Treiber für die 5G-Funktionalitäten eingebracht.

In den ersten Monaten nach Freigabe durch die Bundesnetzagentur haben vor allem große Unternehmen die Möglichkeit genutzt, mit einem eigenen Campusnetz ihre Arbeitsläufe zu optimieren. Da werden automatische Fahrzeuge über das Gelände gesteuert oder die klassische Wartung von Maschinen durch eine ferngesteuerte mit Hilfe von Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen ersetzt.

Die Möglichkeiten von 5G werden derzeit aber noch nicht richtig ausgereizt – was unter anderem daran liegt, dass je nach Release-Stand noch nicht alle Funktionalitäten implementiert sind und die dafür notwendigen Komponenten und Geräte entweder fehlen oder derzeit nur schlecht verfügbar sind. Der Schritt von der Labor- in die Produktionsumgebung benötigt eben immer auch ein stabiles Betriebsmodell.

Berührungsängste abbauen und Erfahrungen mit 5G sammeln

Trotzdem – niemand sollte glauben, 5G sei eine Technik für die ferne Zukunft. Die Industrie muss jetzt Erfahrungen mit der neuen Mobilfunkgeneration sammeln. Für die vernetzten Fabriken, aber auch für Flughäfen, Krankenhäuser und andere komplexe Standorte ist Private 5G ein höchst wirksamer Innovationstreiber. Mit der Möglichkeit, eigene Campusnetze zu installieren und zu betreiben, hat die Politik deutsche Unternehmen dabei in eine Vorreiterrolle gebracht.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Netzwerktechnik, IP-Kommunikation und UCC

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die IT-Industrie wiederum arbeitet mit Hochdruck daran, Unternehmen den Einstieg in das eigene Campusnetz so einfach wie möglich zu machen. Eine Network-as-a-Service-Plattform für Private 5G beispielsweise bietet Firmen quasi eine einzige Anlaufstelle für Bereitstellung, Anwendungsentwicklung und Management. Eine solche Plattform geht weit über die grundlegende Konnektivität hinaus und stellt ein umfassendes Paket an Dienstleistungen bereit, um Reibungspunkte zu beseitigen und die Zeit bis zum ROI zu verkürzen. Und dieses Argument zählt für jedes Unternehmen, wenn es um Investitionen in die Zukunft geht.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Industry of Things.

(ID:47941424)