Kooperierende Carrier, hohe Kosten und geringer Bedarf

Deutsches FTTH-Glasfasernetz lückenhaft

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Andreas Lischka von der Deutschen Telekom zog auf der FTTH Conference 2012 Parallelen zwischen Fußballstadien und Glasfaserinfrastrukturen.
Andreas Lischka von der Deutschen Telekom zog auf der FTTH Conference 2012 Parallelen zwischen Fußballstadien und Glasfaserinfrastrukturen.

Über Gegenwart und Zukunft des deutschen Glasfasernetzes diskutierten Vertreter verschiedener Telekommunikationsanbieter vergangene Woche auf der FTTH Conference 2012 in München.

Das glasfaserbasierte Zugangsnetz (FTTH) in Deutschland ähnelt derzeit einem Flickenteppich, so die Einschätzung von Wolfgang Heer, CEO des Bundesverbands Glasfaseranschluss (BUGLAS) bei seinem Vortrag auf der FTTH Conference 2012. Bei den Gründen hierfür waren sich die vergangene Woche in München anwesenden Branchenvertreter weitgehend einig: Geringe Nachfrage und hohe Ausbaukosten.

Immer wieder fielen die Ende vergangenes Jahr vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) publizierten Zahlen zum Glasfaserausbau (PDF). Demnach sei für Deutschland ein Investitionsbedarf zwischen 70 und 80 Milliarden Euro zu veranschlagen – das entspräche je nach Gegend bis zu 4.000 Euro pro Anschluss.

Kein Wunder also, dass sich Anbieter beim FTTH-Ausbau zunächst auf profitable Regionen konzentrieren. Was eine solche ausmacht, deutete Jens Prautzsch, CEO von M-net Telekommunkation (M-net) am Beispiel Münchens an: Viele Haushalte pro Gebäude und eine geringe Arbeitslosigkeit.

Andreas Lischka, Head of Program Management Broadband Connection FTTH bei der Deutschen Telekom (DTAG), wurde noch konkreter. So installiere man ausschließlich in solchen Gebieten neue Glasfasernetze, in denen kein VDSL verfügbar ist und mindestens 80 Prozent der Hauseigentümer einem Anschluss zustimmen. Zudem müsse mindestens jeder zehnte Anwohner einen FTTH-Anschluss vorbestellen.

Einen echten Bedarf für die Technik sehen die Telekommunikationsanbieter derzeit noch nicht. Absehbar sei freilich, dass das Internet of Things und Video on Demand den Bandbreitenhunger mittelfristig ankurbeln. Wie auch bei der DSL-Einführung Anfang des Jahrhunderts, werden sich Anwendungen mit verfügbaren Hochgeschwindigkeitsnetzen entwickeln – glauben Experten.

Nichtsdestotrotz wollen Anwender kaum höhere Kosten für Breitbandzugänge zahlen. Einen Ausweg hieraus könnten aufsetzende Dienste aufzeigen. Bei M-net verkaufe man so etwa nicht die Technik eines Glasfaseranschlusses, sondern einen schnellen Internetzugang mit aufsetzenden Services.

Um die dafür nötige Infrastruktur zu schaffen, können sich die Telekommunikationsanbieter durchaus engere Kooperationen vorstellen. DTAG-Mann Andreas Lischka bemühte hierfür eine Münchener Parabel: Auch beim Bau der Allianz-Arena hätten die zwei großen Fußballclubs der Stadt erfolgreich zusammengearbeitet und ihre jeweiligen Investitionsausgaben minimiert.

Konkret übertragen auf den Glasfaserausbau bedeutet das für die DTAG verschiedene Alternativen. Neben eigener klassischen Expansion aus eigener Kraft gehören hierzu auch Wiederverkaufsmodelle/Bitstream Access, wie bereits mit Partner NetCologne realisiert. Ebenfalls denkbar sind Mietmodelle (Fiber Rental Models), "Turn-Key Expansion" oder regionale Joint Ventures.

Eine Spitze gab es schließlich in Richtung staatlicher Regulierungsbehörden. Lischka forderte einen modernen Rahmen. Statt ständig sinkender Terminierungsentgelte sollte dieser Telekommunikationsdienstleistern langfristige Planungssicherheit bieten.

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