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Citrix-Umfrage zum digitalen Lernen Deutsche Schulen am Scheideweg

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Einer von Citrix beauftragten Umfrage zufolge verlief nur bei einem Zehntel der deutschen Schüler der Übergang zum Lernen aus der Ferne reibungslos, 50 Prozent der Schulen seien überhaupt nicht vorbereitet gewesen. Nötig sei eine ganzheitliche Remote-Learning-Strategie.

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Während der Coronakrise wurde der Fernunterricht oft nur provisorisch durchgeführt.
Während der Coronakrise wurde der Fernunterricht oft nur provisorisch durchgeführt.
(Bild: Citrix)

Die Sommerferien sind vorbei und die Schulen wieder geöffnet, doch angesichts der steigenden Infektionszahlen scheinen erneute Schulschließungen nicht ausgeschlossen. Beim Ausbruch der Coronakrise mussten Schulen schnell auf Fernunterricht umschalten, und das war nicht immer von Erfolg gekrönt. Nur bei jedem zehnten Schüler in Deutschland lief dieser Wechsel zum Online-Unterricht reibungslos, das berichten Eltern in einer aktuellen Citrix-Umfrage. Bei 50 Prozent der befragten Eltern waren die Schulen gar nicht vorbereitet und der Fernunterricht wurde während der Krise provisorisch durchgeführt. 38 Prozent der Eltern gaben an, dass die Schulen ihrer Kinder hinreichend vorbereitet und einige Tools und Systeme für den Fernunterricht bereits im Einsatz waren. An anderen Stellen musste aber ebenso improvisiert werden.

Am Anfang war die Improvisation

Diese Improvisation führte vielerorts zu Herausforderungen. So berichten 17 Prozent der befragten Eltern, dass ihre Kinder mit andauernden technischen Problemen beim Fernunterricht zu kämpfen hatten. Knapp die Hälfte (49 %) der Eltern gab an, dass der Zugang zu den E-Learning-Angeboten zunächst eine Herausforderung darstellte, sich aber über die Zeit einspielte. 20 Prozent der Eltern mussten zudem ad hoc zusätzliche Geräte für ihre Kinder kaufen, weil sonst etwa der Familien-PC durchgehend für den Schulunterricht blockiert gewesen wäre.

Im internationalen Vergleich gestaltete sich der Übergang zum Online-Unterricht in Deutschland deutlich schwieriger als in anderen Ländern. Am besten vorbereitet war Singapur, wo 30 Prozent der Eltern von einem problemlosen Übergang zum Online-Unterricht berichteten, gefolgt von Australien (25 %) und Mexiko (19 %). Die insgesamt beste technische Ausstattung und Anwendungen scheint es ebenfalls in Singapur zu geben. Hier berichteten nur sechs Prozent der Eltern von fortlaufenden technischen Problemen ihres Kindes beim Fernunterricht.

„Eines ist klar: Die Coronakrise hat den Bildungssektor einem unfreiwilligen Stresstest unterzogen. Und es ist bedenklich, dass in einer Industrienation wie Deutschland nur jedes zehnte Kind in der Coronapandemie problemlos von zu Hause lernen konnte, weil es mit der technischen Ausstattung und dem Know-how an Schulen hapert. Angesichts einer drohenden zweiten Welle können und dürfen wir uns das nicht noch einmal leisten“, sagt Oliver Ebel, Area Vice President Central Europe bei Citrix.

Technologie ist für das Gelingen von Online-Unterricht in den Augen der Eltern ein entscheidender Faktor, denn sie trägt nach Ansicht von 76 Prozent der Befragten zu einer guten Lernerfahrung bei. 38 Prozent sind überzeugt, dass der Fernunterricht ausschließlich mit den richtigen Tools und guter Anleitung gelingen kann. Die ständige Auseinandersetzung mit Technologie im Unterricht hat konkrete Auswirkungen: So sagt mehr als die Hälfte der befragten Eltern (55 %), dass die Computer-Skills ihrer Kinder sich durch den Online-Unterricht verbessert hätten.

Der plötzliche Wechsel zu Online-Unterricht hat aber auch über technologische Aspekte hinaus ganz klare Verbesserungspotenziale aufgezeigt. Ganz oben auf der Wunschliste der Eltern von Schulkindern: Lehrerfortbildung für Fernunterricht (53 %), eine bessere Organisation des Fernunterrichts (48 %) und mehr direkte Interaktion mit Lehrkräften über Video (45 %). Bei allen Problemen gibt es aber auch Positives zu berichten: Lediglich 20 Prozent der Eltern denken, dass Online-Unterricht generell schlecht für ihre Kinder ist.

Universitäten: Ein Mix aus Präsenz- und Online-Unterricht wird bevorzugt

Unter den Studierenden ist die Stimmung gegenüber Onlinelernen im Vergleich zu den befragten Eltern positiver. So spricht sich der größte Teil (49 %) der Befragten in Zukunft für ein hybrides Modell aus Präsenz- und Onlineveranstaltungen aus. Zwölf Prozent würden sogar gern ihr gesamtes Studium nach der Coronakrise online fortsetzen. Unter Studierenden war die Umstellung auf den Onlinebetrieb allerdings auch weniger einschneidend: Nur 33 Prozent der Studierenden hatten vor der Krise gar keinen Zugang zu Onlinekursen. Die Universitäten waren anscheinend wenigstens teilweise besser als Schulen auf den Fernunterricht vorbereitet: 69 Prozent der Studierenden stimmen dem zu.

Angesichts dieser insgesamt positiven Einstellung zum Onlinelernen brauchen Bildungsinstitutionen eine klare, ganzheitliche Strategie: „Online- und Remote-Angebote werden die schulische und akademische Ausbildung noch eine ganze Zeit lang begleiten. Nicht nur, um die aktuelle Krise zu überstehen, sondern auch, um zukünftig besser gewappnet zu sein, müssen wir einheitliche Online-Umgebungen für den Bildungssektor aufbauen, die sich bei Bedarf schnell aktivieren lassen, sicher sind und einfach zu bedienen sind – für Schüler/Studenten, Lehrer und Eltern“, so Oliver Ebel abschließend.

Über die Befragung

Im Auftrag von Citrix habe One Poll im Juli und August 2020 jeweils 3.500 Eltern mit Kindern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren und 3.500 Universitätsstudenten befragt. Die Umfrage sei zeitgleich in Australien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Kanada, Mexiko und Singapur erfolgt. Aus jedem Land hätten 500 Studenten und 500 Eltern teilgenommen.

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