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Virtuelle Clients: Jederzeit, von überall und mit jedem Gerät zu erreichen Desktopvirtualisierung schrittweise einführen

Autor / Redakteur: Jörg Tewes* / Ulrich Roderer

Nach Server und Storage schwappt die Virtualisierungswelle nun auch auf die Desktops über. Welche Möglichkeiten der Clientvirtualisierung stehen zur Verfügung und was ist bei der Implementierung zu berücksichtigen?

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Desktopvirtualisierung richtig einführen.
Desktopvirtualisierung richtig einführen.

Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Vanson Bourne hat ermittelt, dass fast 90 Prozent der IT-Manager weltweit über eine Clientvirtualisierung nachdenken. Hierzulande nutzt schon knapp ein Viertel der mittelständischen Unternehmen virtualisierte Desktopumgebungen und ebenso viele planen die Einführung dieser Technologie – so Pierre Audoin Consultants (PAC).

Grundproblem gelöst

Warum ist der virtuelle Arbeitsplatz derart populär? Die Technologie löst ein aktuelles Grundproblem von IT-Abteilungen: Sie müssen die steigende Komplexität ihrer optimierten IT-Umgebungen verwalten und gleichzeitig Lösungen bereitstellen, die Mitarbeitern eine freie Auswahl an Endgeräten und die berufliche Verwendung privater Geräte ermöglichen. Die virtualisierte Bereitstellung von Clients zentralisiert die Administration aufgrund des zeitunabhängigen Zugangs zu den Desktops und erleichtert dadurch das Management.

Der Administrator kann sich aus der Ferne auf jeden Rechner aufschalten, Konfigurationen und Einstellungen ändern sowie ihn hoch- und wieder herunterfahren. Auch Patches, Aktualisierungen und neue Softwareversionen müssen nicht mehr einzeln an die Desktop-PCs verteilt werden. Dies erledigt eine entsprechend geänderte Masterdisk zentral und in einem Schritt für alle Computer im Unternehmen. So kann der Administrator auch gewährleisten, dass die Updates bei jedem Client tatsächlich umgesetzt werden und nicht unbemerkt Abbrüche oder Fehlermeldungen entstehen.

Vorteile für Mitarbeiter

Mitarbeitern bietet der virtuelle Client eine höhere Flexibilität bei der täglichen Arbeit sowie der Gerätenutzung: Denn er ist jederzeit und mit jedem beliebigen Gerät – ob Notebook, Tablet, Desktop-PC oder Smartphone – von überall zu erreichen. Eine Online-Verbindung in das Firmennetzwerk sowie die Eingabe von Einwahl- und Zugangsdaten genügen, um die individuelle Arbeitsumgebung mit sämtlichen persönlichen Einstellungen zu nutzen. Einige Lösungen besitzen sogar eine Offline-Funktion.

Damit die Anwender mit ihrer persönlichen Arbeitsoberfläche vollauf zufrieden sind, lassen sich auch die individuellen Nutzerprofile virtualisieren. In Kombination mit Applikations- und Clientvirtualisierung werden Änderungen im Profil wie beispielsweise manuelle Softwareeinstellungen bei jeder Sitzung gespeichert und dem Anwender durchgängig zur Verfügung gestellt. Die Einstellungen lassen sich vom Betriebssystem trennen sowie eigenständig verwalten. Dies beschleunigt die Benutzerkonfiguration etwa bei Neuinstallationen deutlich.

Die Varianten kennen: Client-basiert, Server-basiert oder Terminal Services

Um die optimale Lösung für die Desktopvirtualisierung zu ermitteln, sollten Unternehmen die drei grundsätzlichen Varianten kennen. Die Client-gehostete virtuelle Maschine nutzt den Prozessor und Arbeitsspeicher des Endgeräts. Dabei werden virtuelle Rechenkapazitäten und Anwendungen lokal auf dem Gerät bereitgestellt und lassen sich auch offline nutzen. Daher eignet sich diese Variante für mobile Anwender ohne konstante Netzwerkverbindung. Ist das Gerät wieder online, werden die Daten mit der zentral gespeicherten Kopie im Rechenzentrum synchronisiert.

Die Server-gehostete Virtual DesktopInfrastructure (VDI) ermöglicht die Bereitstellung virtueller Clients im Rechenzentrum und bietet damit höchste Flexibilität für die Nutzer. Da der Zugriff auf die Clients über das Netzwerk erfolgt, erfordert dies eine permanente Online-Verbindung. Mit einer Offline-Option für Notebooks kann der Anwender aber auch auf dem virtuellen Client weiterarbeiten, wenn er nicht mehr mit dem Firmennetz verbunden ist. Zudem lässt sich die Arbeitsoberfläche persönlichen Wünschen anpassen und so auch mit anderen Geräten nutzen.

Terminal Services bieten die wenigsten Möglichkeiten zur Individualisierung. Hier dient der Client ausschließlich als Anzeigegerät in einer gemeinsam genutzten Cloudumgebung. Diese Variante wird vorwiegend bei hochstandardisierten Arbeitsplätzen eingesetzt, zum Beispiel bei Beratungsterminals in Möbelhäusern. Die Mitarbeiter geben hier hauptsächlich Bestellungen ein oder fragen den Lagerbestand ab.

Einsatzmöglichkeiten

In der Regel wird die VDI zur Clientvirtualisierung eingesetzt, doch diese eignet sich nicht für alle Fälle. Unternehmen mit zentralen Standorten und wenigen Niederlassungen genügt häufig die herkömmliche Virtualisierung von Benutzerprofilen oder Anwendungen im verteilten Clientumfeld. Die zentrale Bereitstellung virtueller Desktops unterstützt vor allem die Nutzung einer individuellen Arbeitsoberfläche durch verschiedene Mitarbeitergruppen an diversen Standorten mit unterschiedlichen Geräten.

Die VDI wird auch oft für die gesicherte Nutzung sensibler Daten eingesetzt. So müssen externe Entwickler häufig mit ihrem eigenen Gerät und den darauf gespeicherten Spezialanwendungen in den Infrastrukturen des Kunden arbeiten. Über virtuelle Clients können sie dann auf alle Informationen zugreifen, ohne deren Sicherheit zu gefährden. Auch Controller, die in verschiedenen Abteilungen Daten einsehen und Analysen durchführen, können ihren persönlichen virtuellen Client nutzen und abgesichert auf die hochsensitiven Angaben zugreifen.

Es sind aber nicht alle Optionen in sämtlichen Kombinationen von Endgeräten und Backend verfügbar. So ist etwa das Weiterleiten von USB-Geräten auf virtuelle Clients nicht immer einfach, da Hersteller unterschiedliche Receiver-Software verwenden. iPads hatten in der Vergangenheit bei manchen virtuellen Clients Probleme mit dem Cachen von Grafikdaten. Doch Updates haben zumindest einen Teil der Schwierigkeiten gelöst.

Kosten berechnen

Vor Einführung einer Desktopvirtualisierung sollte eine ROI-Betrachtung prüfen, welche Einsparungen sich durch die einfachere Administration und den geringeren Aufwand ergeben. Doch die zu erwartenden Investitionen lassen sich nicht pauschal in absoluten Zahlen angeben, da sie sehr stark von der Ausgangssituation abhängen. Eine heterogene Infrastruktur, die lange Zeit kaum oder gar nicht aktualisiert wurde, führt zu höheren Kosten als eine homogene, standardisierte und ständig gepflegte Umgebung. Zudem ist der Bedarf der Mitarbeiter genau festzulegen. Hier gehen die meisten Verantwortlichen sicherheitshalber von zu hohen Kapazitäten und Bandbreiten aus, auch wenn dies nicht erforderlich ist.

Um die Investitionskosten gering zu halten, hat sich in der Praxis die schrittweise Einführung der Clientvirtualisierung bewährt. Sie erfolgt zum Beispiel zuerst für die Arbeitsplätze, bei denen der Nutzen am größten ist, etwa Außendienstmitarbeiter, Controller oder externe Entwickler. Zudem werden anfangs oft diejenigen Anwendungen virtualisiert, die von wenigen Mitarbeitern verwendet werden, um Konflikte mit anderen Applikationen zu vermeiden. Erst wenn damit ausreichend Erfahrung gesammelt wurde, erweitern Unternehmen die Desktopvirtualisierung sukzessive und passen sie auch neuen Herausforderungen an.

* Jörg Tewes ist Solution Manager Flexible Workplace, Computacenter AG & Co. oHG

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