Suchen

Blick in die Zukunft des Wireless WAN-Marktes Derzeit wachsen die Investitionen in WiMAX stärker als in UMTS und Co.

| Autor / Redakteur: Wolfram Funk / Ulrike Ostler

Die globalen Investitionen in „3,9G“-Technologien, das heißt in Vorläufersysteme von Funktechnologien der vierten Generation („4G“), werden sich bis 2012 auf insgesamt 13 Milliarden US-Dollar summieren, prognostiziert die Experton Group – vorausgesetzt, dass neue Funkspektren und erforderliche Techniken planmäßig bereitgestellt werden.

Firmen zum Thema

( Archiv: Vogel Business Media )

Im Fokus dieser „Capex“-Ausgaben stehen in erster Linie die WiMAX-Standards 802.16e und 802.16m sowie Long-Term Evolution (LTE) als Weiterentwicklung von 3G- und 3,5G-Technologien. LTE wird zwar nach 2010 starkes Wachstum erfahren, aber, mit Blick auf den kumulierten Investitionsaufwand, WiMAX nicht vor 2014 überholen.

Eine aktuelle weltweite Analyse von Experton Group und Rethink Research bei knapp 400 Netzwerkbetreibern und -dienstleistern zeigt, dass fast zwei Drittel der Anbieter bis spätestens 2012 ein 3,9G-Pilotprojekt geplant haben. Nur ein Drittel hat vor 2012 keine entsprechenden Planungen. Von den 386 Anbietern mit 3,9G-Planungen vor 2012 möchten 45 Prozent ihre Versuchsprojekte vor 2011 anstoßen oder haben dies gar schon getan.

In diesem Jahrzehnt wird WiMAX den Löwenanteil der Kapital-Investitionen einnehmen, einschließlich Ausgaben für Kern-Infrastrukturen bei den Funknetzen (RAN - Radio Access Networks), Software und Services.

Ab 2015 wendet sich das Blatt

Gegen Ende des Jahrzehnts aber wird die LTE-Community in großen Schritten aufholen, bedingt durch das Engagement der UMTS-Netz-Betreiber. In 2011 wird LTE mit Blick auf die Zuwächse endgültig den Standard 802.16e überholen.

Festnetz- und Mobilfunknetzbetreiber treiben dann die Investitionen voran. Gleichzeitig werden in einigen Bereichen nach wie vor Start-Ups, Wireless Internet Service Providers („WISP“) und Kabelnetzbetreiber mit WiMAX-Investitionen dominieren.

Regionale Unterschiede

Die Implementierung von WiMAX-Netzwerken verläuft regional mit sehr unterschiedlicher Intensität. In Deutschland hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) im Dezember 2006 an vier Anbieter Lizenzen für den kommerziellen Einsatz von WiMAX vergeben: Deutsche Breitbanddienste GmbH, Televersa Online GmbH, Clearwire Europe S.á.r.l. (Luxemburg) und MGM Productions Group S.R.L. (Italien).Keiner der etablierten deutschen Festnetz- und Mobilfunkanbieter hat sich um eine WiMAX-Lizenz bemüht.

WiMAX ist in Deutschland derzeit primär für Neueinsteiger interessant, die bislang über kein eigenes Breitbandnetz verfügten beziehungsweise keine Kannibalisierung milliardenschwerer Investitionen wie im Falle von UMTS zu befürchten haben. Wachstumspotenzial für WiMAX gibt es in Deutschland vor allem in Gebieten mit mangelhafter Abdeckung durch Breitbandtechnologien wie DSL oder UMTS/HSxPA.

Aber auch Großstädte bieten prinzipiell Potenzial für neue WiMAX-Anbieter. Der Breitbandmarkt ist noch nicht gesättigt, und in Ballungsräumen können mit einer überschaubaren Infrastruktur viele Kunden erreicht werden.

Konvergente Technik

Manche Netzausrüster sowie Anbieter von Systemkomponenten und Endgeräten arbeiten mittlerweile eindeutig darauf hin, WiMAX als eine von mehreren Netzzugangstechnologien in ihr Portfolio aufzunehmen. Die Integration von WiMAX mit anderen festen und drahtlosen Breitbandtechnologien wird ab 2010/11 stark zunehmen: Obgleich die deutschen Mobilfunknetzbetreiber heute gegenüber WiMAX noch sehr zurückhaltend sind, werden sie sich daher langfristig dieser Technik nicht verschließen können.

Mit Blick auf die internationale Perspektive agieren die Mobilfunker bereits alles andere als dogmatisch. So setzt etwa Vodafone im Zuge seiner Strategie für Fixed-Mobile-Konvergenz in Malta auf Fixed WiMAX. WiMAX füllt damit eine Lücke in der Festnetzinfrastruktur.

Erhebung der Zahlen

Die im Rahmen der Pressemitteilung genannten Zahlen stammen aus der Studie ‚The Road to 4G: operator deployment plans and vendor prospects 2007-2012‘ von Experton Group und Rethink Research. Die Analyse basiert auf einer Befragung von weltweit rund 400 Anbietern von drahtlosen Diensten, die vor 2013 Pilotprojekte oder komplette Realisierungen von 3,9G-Technologien geplant haben. Bei den Studienteilnehmern handelt es sich um große konvergierte Telcos, Festnetz- und Mobilfunkanbieter, regionale Carrier und internationale Internet Service Provider (ISPs), Sendeanstalten, Drahtlos-Breitband-Start-ups, Medienunternehmen und größere Wireless Internet Service Provider (WISPs).

Wolfram Funk ist Berater bei der Experton Group.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2006659)