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Die SDN-Pläne von Dell im Fokus Dell öffnet sich für Software

| Redakteur: Wilfried Platten

Dell stellt sich zukünftig breiter auf, und hat daher heimlich, still und leise eine eigene Software Group gegründet. Ein Wandel, der auch den Netzwerk-Sektor erfasst. Andreas Falkner, Sales Engineering Director, erläutert die Hintergründe.

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Dell bekennt sich zu Software-Defined Networking (SDN)
Dell bekennt sich zu Software-Defined Networking (SDN)
(Bild: Dell )

Auch Dell kommt an dem Thema SDN nicht vorbei. Für das Unternehmen ist es Teil einer, ja man kann schon sagen grundsätzlichen strategischen Neuausrichtung, nicht nur im Netzwerk-Segment. Dell will verstärkt als „End-to-End“-Lösungsanbieter auftreten, sich also von dem Image als reiner Hardware-Hersteller lösen.

„Wir haben uns im Netzwerk-Bereich immer über die Hardware, das Metall definiert. Dementsprechend waren bislang auch das Switching und Routing vornehmlich hardware-basierend. Die Differenzierungsmöglichkeiten liefen also vor allem über noch bessere, noch schnellere Asics“, erklärt Andreas Falkner die Ausgangsposition. Doch dies gilt nicht länger. Denn Dell will weg vom Status der reinen Hardware-Company.

Geheimbund

Da ist die Gründung einer eigenen Software Group nur folgerichtig. Dafür wurde mit John Swainson ein eigener Vice President (VP) installiert, der die diversen Akquisitionen von KACE bis Quest unter einen Hut bekommen, und eine gemeinsame Strategie für alle formen soll.

Zusätzlich wurde mit Tom Burns ein weiterer VP inthronisiert, der sich um die Schnittstelle zwischen der etablierten Hardware Group und der neu entstehenden Software Group kümmern soll. Ziel ist nicht die Verschmelzung, aber die enge Zusammenarbeit beider Bereiche. Verwunderlich ist allerdings, dass Dell dies bislang eher im Verborgenen getan hat, und nähere Informationen zu Gründungsdatum oder Mannstärke aktuell entweder gar nicht, oder mit widersprüchlichen Angaben zu erhalten sind.

Achtung, Spekulation: Es verdichtet sich der Eindruck, dass die Welt in den nächsten vier Wochen mehr dazu erfahren wird.

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Dell will also mit dieser Neuausrichtung Soft- und Hardware samt Services aus einer Hand anbieten können. Aber die mittel- und langfristige Stoßrichtung der Software Group geht noch einen Schritt weiter. Sie läuft darauf hinaus, als eigenständige Business Unit und Profit Center à la longue Applikationen und Infrastruktur-Software selbstständig und unabhängig von der Dell-Hardware zu vermarkten. Dazu Falkner: „Michael Dell sagt: Wir wollen als einer der Hauptträger des Cloud Computings und der Cloud-Lösungen dastehen. Und die Software Group soll das mit der Entwicklung entsprechender Applikationen mit vorantreiben.“

Andreas Falkner, Sales Engineering Director bei Dell, über SDN und die neue Software Group.
Andreas Falkner, Sales Engineering Director bei Dell, über SDN und die neue Software Group.
(Bild: Dell )

Aktuell steht die Software Group von Dell allerdings noch ganz am Anfang – und das Thema SDN ist daher bislang noch auf der Networking-, und damit der Hardware-Seite untergebracht. „Bei SDN ist es wichtig zu sehen, dass es für uns ein ganz klares Netzwerk-Thema ist, das organisatorisch und von der Verantwortung beim Network Engineering aufgehoben ist. Aber wir verzahnen uns immer enger mit unseren Software-Entwicklern“, so Falkner.

In den Kinderschuhen

Bei der Aufmerksamkeit zum Thema SDN ist das Kundenklientel zweigeteilt. Große Hoster, Service Provider und technikaffine Kunden, die häufig auch in der ONF (Open Network Foundation) vertreten sind, fragen SDN aktiv nach. „Sie wollen genau wissen, wo ist bei euch der Stand der Technik heute, was entwickelt ihr in den nächsten drei bis neun Monaten und wie sieht eure Strategie aus“, erklärt Falkner.

Im klassischen Enterprise Datacenter sieht das anders aus. Dort, so Falkner, wird es „vorsichtig positioniert“. Wobei die Argumentation leicht fällt: „In der Theorie klingt das, was SDN bietet toll. Es löst all die Probleme, die wir heute im Netzwerkumfeld haben. Es führt weg von proprietären Ansätzen, der Netzwerk-Administrator muss sich nur noch um ein zentrales Gerät kümmern, Skalierung und Zugriffsmöglichkeiten werden vereinfacht. Damit rennen wir bei den Kunden offene Türen ein. Dabei darf man aber eines nicht vergessen: Die Technologie SDN steckt für eine verbreitete Praxisanwendung nach wie vor in den Kinderschuhen.“

Hybrides Modell

Konkret heißt das, dass die entsprechenden sich abzeichnenden Standards wie das OpenFlow-Protokoll der Open Network Foundation (ONF) noch im „Einser-Stadium“ sind. Dazu Andreas Falkner: „Fragt man, ob SDN heute in der Praxis Realität ist, dann muss man ganz klar sagen: ja! Fragt man, ob es schon für den Massenmarkt verfügbar ist, dann bin ich eher skeptisch.“

Dell hat seit Anfang des Jahres seine erste eigene OpenFlow-basierende Software, die die Kommunikation eines Controllers mit den Switches ermöglicht. Man setzt dabei aber auf einen Hybrid-Mode. Das heißt, die Software des SDN-Controllers kann die OpenFlow-kompatiblen Router aktivieren, es kann aber auch das traditionelle Networking gefahren werden, bei dem die Router und Switches die Entscheidungen treffen.

Allerdings fußt die aktuelle SDN-Software noch auf OpenFlow 1.0. „In der IT wissen wir ja alle, dass eine so frühe Version nicht unbedingt marktreif ist“, schmunzelt Falkner. Ein Beispiel: Die SDN-Software von Dell ist zwar schon mandantenfähig, das heißt die Trennung der abzuschottenden Flow-Instanzen funktioniert bereits, aber die Anzahl der Flows ist noch sehr begrenzt. Um in der Praxis wirklich Sinn zu machen, sind weitaus höhere Skalierungsstufen notwendig.

1.3 = 1 plus

Abhilfe soll OpenFlow 1.3 schaffen. Falkner blättert die Roadmap auf: „Wir wird im Spätsommer oder Frühherbst eine neue SDN-Software auf Basis von OpenFlow 1.3 – oder OpenFlow 1 plus – kommen. Und dann haben wir eine wirklich marktreife, praxisgerechte SDN-Lösung.“

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