Nieder mit den IT-Silos

Datenbankadministrator und IT-Team wieder vereint

| Autor / Redakteur: Gerardo Dada / Andreas Donner

Über lange Jahre aufgebaute Silo-Strukturen in der IT müsen aufgelöst werden, um neuen Technologien den Weg zu bereiten.
Über lange Jahre aufgebaute Silo-Strukturen in der IT müsen aufgelöst werden, um neuen Technologien den Weg zu bereiten. ( © Kalle Kolodziej - Fotolia)

Mehr und mehr Unternehmen setzen verstärkt auf den Trend, ihre Arbeitsumgebungen sehr stark auf spezialisierte Anwendungen und Apps auszurichten. Dies erschwert im Fall des Falles jedoch die Fehlersuche und benötigt eine enge Verzahnung der einzelnen IT-Bereiche.

Mit der konkreten Fokussierung auf die Implementierung von Anwendungen sind immer auch einige Anlaufschwierigkeiten verbunden. Das zeigt sich besonders in den ersten Momenten nach dem Ausfall einer Anwendung, wenn der Helpdesk mit Tickets überflutet wird. Wenn eine Technologie Fehler zeigt, sind Schuldzuweisungen schnell zur Hand. Einer der am liebsten gewählten Sündenböcke ist dabei der Datenbankadministrator (DBA).

Die Datenbank ist der komplexeste Teil des Systems und in vielen Fällen die Ursache für Leistungsprobleme. Die eigentliche Schwierigkeit jedoch, die der schnellen Problemermittlung und -behebung im Wege steht, ist ein Mangel an Kommunikation und Transparenz zwischen den verschiedenen IT-Teams. Denn diese konzentrieren sich in der Regel auf ihre eigene Infrastruktur, anstatt sich einen Überblick über ein zunehmend verflochtenes und komplexes Anwendungssystem zu verschaffen.

IT-Teams können in derart abgeschotteten Silos nicht mehr erfolgreich agieren. Deshalb muss die Geschäftsführung handeln und den oftmals isoliert arbeitenden DBA in das allgemeine IT-Team einbeziehen.

Von der Anwendung bis zur Datenbank ist alles wichtig

Unternehmen arbeiten heute in einer anwendungszentrierten Umgebung. In dieser sind die Endbenutzer auf leistungsstarke, stets verfügbare Anwendungen angewiesen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können – von E-Mail und Tools für die Zusammenarbeit bis hin zu CRM- und Finanzsoftware. Dabei basieren die Erwartungen des durchschnittlichen Mitarbeiters größtenteils auf seinen Erfahrungen mit verbraucherorientierten Diensten wie Google und Facebook. Doch deren Websites fallen selten aus, haben kurze Ladezeiten, sind unglaublich reaktionsschnell und intuitiv in der Verwendung.

In einer kürzlich durchgeführten Umfrage von SolarWinds gaben 94 Prozent der geschäftlichen Endbenutzer an, dass sich Anwendungsleistung und Verfügbarkeit darauf auswirken, ob sie ihre Aufgaben erledigen können. 44 Prozent sind sogar der Ansicht, dass diese Faktoren absolut ausschlaggebend sind. Die Wahrnehmung der Anwendungsleistung durch die Endbenutzer hat sich sogar bereits so weit geändert, dass schon eine „langsame“ Anwendung möglicherweise als „nicht funktionierend“ angesehen wird. Dadurch erhöht sich der Druck auf die IT. Denn die ist dafür verantwortlich, dass alle Systeme rund um die Uhr optimal funktionieren. Insbesondere der DBA ist in der Pflicht, da Daten den Kern der meisten Anwendungen ausmachen.

Anwendungsleistung und DBA zusammenführen

DBAs verwenden häufig ihre eigenen Tools und Prozesse und arbeiten selten mit dem allgemeinen IT-Team zusammen, weshalb Einblicke auch selten geteilt werden. Oft haben DBAs keinen Zugriff auf Infrastrukturinformationen, mit deren Hilfe sie die Ursache einer verlangsamten Datenbank feststellen könnten. Es ist wichtig, dass der IT-Leiter die Bedeutung des DBA erkennt und seine Integration in die übergeordnete IT-Organisation veranlasst.

Unternehmen haben zahlreiche Möglichkeiten, Silos in ihrer IT-Abteilung zu verringern. Die beiden folgenden Beispiele haben sich dabei bewährt:

DevOps

Diese Philosophie der Softwareentwicklung unterstreicht die Kommunikation zwischen Entwicklung und Betrieb und findet zunehmend bei der Optimierung von IT- und Betriebsteams Anklang. Betriebsteams fehlt möglicherweise der Einblick in die Entwicklung, weshalb dann schnell dem Code die Schuld gegeben wird. Gleichzeitig haben die Entwickler keinen Einblick in die Produktion und bemängeln die Datenbank oder die Infrastruktur. DevOps fördert die Kommunikation zwischen Entwicklern und DBAs. Es kann mit folgenden Schritten eingeführt werden:

  • 1. Ermöglichen Sie den Entwicklern, Test-, Staging- und Produktionsserver direkt zu überwachen, sodass sie sehen, welche Auswirkung der von ihnen erstellte Code hat.
  • 2. Beziehen Sie die Leistung als funktionale Anforderung, die sich in der Antwortzeit für den Endbenutzer widerspiegelt, in den Entwicklungsprozess ein.
  • 3. Legen Sie gemeinsame Messdaten und eine Basis fest, nach der alle Teams gleichermaßen auf Messdatenberichte zugreifen können.
  • 4. Ermitteln Sie die Auswirkung der Leistung auf jedes Element im Anwendungsstapel, um Engpässe und Ausfälle zu identifizieren und festzustellen, welche Elemente die Leistung besonders beeinflussen.
  • 5. Priorisieren Sie durch agiles Denken eine anpassungsfähige Planung, evolutionäre Entwicklung, frühe Bereitstellung, laufende Verbesserung und eine schnelle/flexible Reaktion auf Veränderungen.

Leistungsmanagement

Statt einfach nur sicherzustellen, dass Systeme und Netzwerke betriebsbereit sind und funktionieren, streben einige Unternehmen danach, das Leistungsmanagement als Kernkompetenz zu etablieren.

Die Anforderungen wurden erhöht. Es reicht nicht mehr, dass die Technologieinfrastruktur einfach nur irgendwie funktioniert, sie muss optimal funktionieren. Immer ausgefeiltere und erschwingliche Überwachungs- und Verwaltungstools ermöglichen der IT jetzt den Zugriff, die Analyse und die gemeinsame Nutzung von leistungsstarken und anschaulichen IT-Messdaten im gesamten Unternehmen, sodass die Leistung auch weiterhin an Bedeutung gewinnen kann. Bei der Umsetzung eines effektiven Leistungsmanagements sollten folgende Schritte beachtet werden.

  • 1. Machen Sie sich klar, dass Leistung eine wichtige IT-Metrik ist, nicht nur die reine Betriebsbereitschaft.
  • 2. Legen Sie die Antwortzeit für Endbenutzer als gemeinsames Ziel für das gesamte Unternehmen fest.
  • 3. Schaffen Sie Transparenz für das gesamte Team und beziehen Sie den DBA ein, um die Leistung effektiv zu priorisieren.
  • 4. Sorgen Sie laufend für die Erweiterung des Wissens und des Toolsets des Unternehmens für ein effektives Leistungsmanagement, sodass sich das Geschäft so schnell wie die IT entwickelt.

So kann der DBA Silos zerschlagen

Auch der DBA selbst kann mit den folgenden Schritten eine aktive Rolle bei der Zerschlagung von IT-Silos übernehmen:

  • 1. Teilen Sie Daten und Informationen freiwillig, sodass andere Abteilungen wissen, wie die Datenbank funktioniert. Messdaten und Analysen vermitteln Trends und Probleme auf neutrale und nachhaltige Weise, sodass ein effektiver Dialog möglich ist und Lösungen gefunden werden können.
  • 2. Vermeiden Sie möglichst Schuldzuweisungen. Der DBA kann ein Beispiel setzen und proaktiv dem Problem auf den Grund gehen. Unterstützt wird er dabei von Daten, die mit Überwachungs- und Verwaltungstools gesammelt wurden. So kann er eine angespannte Situation entschärfen und gleichzeitig den Teamgeist fördern.
  • 3. Bringen Sie das Problem noch einmal zur Sprache, nachdem die Ursache ermittelt und es behoben wurde. Besprechen Sie, wie die IT als Gruppe das Problem künftig vermeiden kann.
  • 4. Stehen Sie dazu, wenn das Problem durch die Datenbank verursacht wurde – das kann passieren. Wird kein Geheimnis daraus gemacht, entsteht Vertrauen unter den Kollegen für die Fälle, bei denen es dann eben nicht an der Datenbank liegt.
  • 5. Erwägen Sie teamübergreifende Treffen – gemeinsam oder getrennt – von den System-, Netzwerk-, Sicherheits-, Entwicklungs-, Virtualisierungs- und anderen Teams. Besprechen Sie neue Projekte, oder stehen Sie einfach nur für mögliche Fragen zur Datenbank zur Verfügung.

Mit diesem neuen Erwartungshorizont und mit den richtigen Tools, die den gesamten Anwendungsstapel transparent gestalten, werden DBAs sicher bald als „Leistungsgurus“ der IT-Abteilung angesehen. Angesichts der fundierten Einblicke, die der DBA gewinnen kann, hat er vermutlich die besten Informationen zur Leistung der Systeme zur Hand.

Gerardo Dada
Gerardo Dada (Bild: SolarWinds)

Zwar trägt der DBA vielleicht eine gewisse Schuld bei Problemen, doch funktionieren IT-Systeme nicht isoliert. Die meisten Probleme entstehen in der Regel bei einer Interaktion zwischen den Elementen. Wenn die IT danach strebt, die DBA-Silos in der Organisation aufzulösen, kann sie sich von Schuldzuweisungen lösen und sich darauf konzentrieren, ihre Leistung zu verbessern – und die Anforderungen des Unternehmens zu erfüllen.

Über den Autor

Gerardo Dada ist Vice President of Product Marketing and Strategy bei SolarWinds.

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