Schneller, schmaler, smarter Das iPhone 5 macht es den Wettbewerbern schwer

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Harry Jacob / Harry Jacob

Wie erwartet hat Apple am Mittwochabend das iPhone 5 vorgestellt. Augenfällig sind die schmale, langgezogene Form und die Oberfläche, die komplett aus Glas und Aluminium besteht. Wie erwartet ist auch LTE an Bord.

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Das iPhone 5 ist länger geworden, kann LTE und hat eine Oberfläche komplett aus Glas und Aluminium.
Das iPhone 5 ist länger geworden, kann LTE und hat eine Oberfläche komplett aus Glas und Aluminium.

Das Apple iPhone 5 ist größer als der Vorgänger – aber auch kleiner. Zumindest das Display ist länger geworden: Statt 3,5 Zoll beträgt die Diagonale des iPhone 5 nun 4,0 Zoll. Das Retina-Display hat weiterhin eine Pixeldichte von 326 dpi, allerdings beträgt die Auflösung nun 1.136 x 640 Pixel, das entspricht einem Bildschirmverhältnis von 16:9. Beim iPhone 4S waren es noch 960 x 640 Pixel, die Ratio lag also bei 13,5:9.

Die neue Generation des iPhone ist also nicht breiter geworden. Damit soll gewährleistet werden, dass das Gerät trotz des größeren Displays noch gut in der Hand gehalten und mit dem Daumen bedient werden kann. Auf der anderen Seite ist es auch kleiner geworden: Nur noch 7,6 mm dick, 18 Prozent weniger als der Vorgänger, und 112 Gramm leicht (iPhone 4S: 140 g).

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Dazu beigetragen hat unter anderem das Display: neue Touch-Sensoren ermöglichten hier eine schmälere Bauweise. Gleichzeitig hat das Display einen um 44 Prozent höheren Farbumfang, und dank neuer Filter soll es wesentlich weniger spiegeln sowie bessere Kontraste zeigen.

Mehr Power

Ebenfalls unter den Punkt „Gebrauchsfähigkeit“ dürfte das Thema Energieversorgung fallen – hier waren viele iPhone-4S-Nutzer enttäuscht, wie schnell der Akku geleert ist. Obwohl das iPhone 5 mit neuer CPU rund doppelt so schnell sein soll, ein größeres Display und 4G-Funktechnik mitbringt, sind die Akkulaufzeiten teilweise ein wenig verbessert worden.

So gibt Apple die Standby-Zeit mit 225 Stunden an (4S: 220 h), im Internet browsen geht mit 3G- und 4G-Verbindungen acht Stunden (4s: 6 h), mit WLAN zehn Stunden (4S: 9 h). Andere Werte haben sich dagegen nicht verändert: Musik läuft 40 Stunden, Videos zehn Stunden und Telefonieren (bei einer 3G-Verbindung) funktioniert acht Stunden ohne Unterbrechung.

LTE auch für Deutschland

Die Konnektivität des iPhone 5 ist deutlich besser als die der Vorgänger. Zum einen ist LTE mit an Bord, ebenso HSPA+. In einem Chart zeigte Technik-Chef Phil Schiller die möglichen Download-Werte der verschiedenen Verbindungsarten an: HSPA+ mit 21 Mbit/s, DC-HSDPA mit 42 Mbit/s und LTE mit 100 Mbit/s. Die tatsächlichen Werte sind abhängig vom Provider und der Qualität der Funkverbindung.

Nach der iPad-Pleite war natürlich die große Frage: Kann das iPhone 5 LTE auch in Europa nutzen? Ja, es kann. Denn es wird je nach Provider auf entsprechende Frequenzen eingestellt – Apple nennt das „Dynamic Antenna“.

So wird es also auch in Deutschland im 4G-Netz funken. Derzeit allerdings nur im Netz der Deutschen Telekom und nur auf dem 1.800-MHz-Band, das ausschließlich in Großstädten und Ballungsräumen zum Einsatz kommt. Doch auch Vodafone und O2 werden das iPhone hierzulande vertreiben. (Siehe dazu auch den Beitrag: iPhone 5: Nur ein bisschen LTE).

Wettbewerber auf den Barrikaden

Und wie angekündigt dürften gleich morgen Früh die ersten Klagen der Wettbewerber Samsung und HTC bei diversen Gerichten eingehen. Sie sind sich sicher, dass eine LTE-Implementierung nicht möglich ist, ohne ihre Patente zu nutzen – beziehungsweise zu verletzen, wenn nicht entsprechende Lizenzierungen vereinbart sind. Das hat Apple anscheinend bislang nicht getan, deshalb wollen die beiden Verkaufsverbote in Europa und in den USA beantragen.

Lesen Sie auf der folgenden Seite mehr zu den „inneren Werten“ des iPhone 5.

Schnelles WLAN und Nano-SIM ja, NFC nein

Verbessert hat Apple auch die WLAN-Unterstützung. Neben dem 2,4-GHz-Band beherrscht das iPhone 5 auch den Frequenzbereich bei 5 GHz. Zudem werden Dank Dual-Band-Technik Übertragungen mit einer Geschwindigkeit von 150 Mbit/s möglich.

Übrigens: Gerüchte über die Unterstützung von Near Field Communication bewahrheiteten sich nicht. Dafür wurde die SIM-Karte wie erwartet auf das Nano-Format reduziert. Die Nano-SIM hat nicht nur eine weiter reduzierte Fläche, so dass ein eigenhändiges Beschneiden nicht mehr möglich ist. Sie ist auch dünner als bislang eingesetzte SIM-Karten.

ASIC und Kamera

Der Rechenkern des iPhone ist eine neue Generation der ARM-basierten Eigenentwicklung, nun als Version A6. Sie nimmt 22 Prozent weniger Chipfläche ein, ist aber sowohl im CPU- wie im GPU-Teil doppel so schnell wie der Vorgänger, versichert Apple. Bei ausgewählten Aufgaben, beispielsweise dem Start der Pages-App oder dem Öffnen eines Keynote-Attachments liegen die Geschwindigkeiten bei Faktoren von 1,7 bis 2,1 im Vergleich zum iPhone 4S.

Die iSight-Kamera auf der Rückseite schießt Bilder mit acht Megapixeln (3.264 x 2.448), hat eine Optik mit fünf Linsen, einem hypriden Infrarotfilter, verbesserter Bildstabilisierung, Rauschunterdrückung, einen Nachtlicht-Modus, Gesichtserkennung, einen „Smart Filter“, der im Prinzip eine integrierte automatische Bild-Nachbearbeitung darstellt, und eine Lichtstärke von f/2,4. Damit kommt Apple zwar nicht ganz an das Lumia 920 heran (f/2,0), kann aber ebenfalls eine beeindruckende Fotoqualität realisieren.

Für Foto- und Videofreunde

Des weiteren hat Apple die Zeit verkürzt, die zum Speichern eines Bildes nötig ist, so dass die Kamera wieder schneller einsatzbereit ist. Mit dem Panorama-Mode lässt sich ein Panorama-Bild mit bis zu 28 Megapixel durch einen Schwenk des Smartphones aufnehmen – früher brauchte es dazu mehrere Aufnahmen und ein Stitcher-Programm, das die Bilder dann möglichst nahtlos zusammensetzte. Und es ist möglich, während einer laufenden Video-Aufnahme zu fotografieren. Videos werden mit bis zu 1080p aufgezeichnet.

Auf der Vorderseite sitzt die Facetime-Kamera, die für Video-Chats genutzt werden kann. Sie liefert Videobilder bis 720p, hat ebenfalls eine Gesichtserkennung und eine verbesserte Bildstabilisierung. Die Abdeckung der Kameras ist mit einem Saphir-Kristall-Glas realisiert, das besonders widerstandsfähig und gleichzeitig extrem klar ist. Videokonferenzen können nun auch via Mobilfunk-Datenverbindung geführt werden. Das ging bislang ausschließlich über WLAN-Anbindung. Apple weist allerdings darauf hin, dass diese Funktion vom Mobilfunkbetreiber gesperrt werden kann.

Besserer Ton

Auffällig ist: Kaum ein Smartphone-Hersteller macht das Telefonieren zum Thema. Als Grundfunktion wird es vorausgesetzt – doch das heißt nicht, dass die Kunden damit auch zufrieden sind. Apple tanzt hier mal wieder aus der Reihe.

Drei Mikrophone sind im iPhone 5 verbaut, die für guten „Empfang“ sorgen: Oben, unten und hinten. Ein Geräuschfilter soll sowohl die Aufnahme verbessern, bessere Lautsprecher die Wiedergabe verbessern und die Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen zudem das Zuhören beim Telefonieren erleichtern.

Aber auch bei der Übertragung der Sprache setzt Apple Maßstäbe. Cellular Wideband Audio nennt sich der neue Übertragungsstandard, der mehr Frequenzen überträgt und dadurch das Gesprochene verständlicher macht. Die Technik muss allerdings vom Provider unterstützt werden – die Deutsche Telekom hat dies bereits angekündigt. Zum Marktstart sollen 20 Mobilfunknetze weltweit mit Cellular Wideband Audio kompatibel sein.

Unter der Bezeichnung „Earpod“ stellt Apple zudem neu designte Kopfhörer vor, die einen natürlicheren Tragekomfort, gesteigerte Strapazierfähigkeit und „eine unglaubliche Akustikqualität“ verbinden sollen.

Auf der folgenden Seite finden Sie Details zum Konnektor, iOS6 sowie den Modellen und Preisen

Mal wieder: Neuer Konnektor

Der Anschluss des dünneren iPhones ist mit dem der Vorgänger nicht kompatibel. Apple setzt hier auf eine neue Technik namens Lightning. Die Verbindung zum Rechner soll damit um 80 Prozent schneller werden.

Außerdem sind die Lightning-Kabel „reversibel“, soll heißen: Damit lässt sich nicht nur das iPhone 5 am Rechner andocken, sondern umgekehrt auch entsprechendes Zubehör am iPhone anschließen. Apple bietet aber auch einen Adapter an, mit dem 30-Pin-Zubehör weiterhin genutzt werden kann.

Betriebssystem aktualisiert

Das iPhone 5 kommt bereits mit dem Betriebssystem iOS 6, das bereits im Juni angekündigt wurde. Verbesserungen bei der Sprach-Assistentin Siri, eigene Maps mit weltweit über 100 Millionen Points of Interests, 3D- und Satelliten-Bilder in der Navigation gehören mit zu den Verbesserungen. Dazu eine umfangreiche Integration von iCloud, beispielsweise für Fotostreams, sowie eine nahtlose Unterstützung für Twitter und Facebook in zahlreichen Anwendungen.

Versionen und Verfügbarkeit

Das iPhone 5 gibt es in den Farbkombinationen Weiß/Metall und Schwarz/Graphit. Vorbestellungen können bereits ab 14. September aufgegeben werden, am 21. September werden die ersten Geräte hierzulande und in weiteren zentralen Märkten in den Läden sein Bereits eine Woche später ist das iPhone 5 praktisch in allen europäischen Ländern im Angebot, und bis Weihnachten soll der Rollout 100 Länder und 240 Provider umfassen.

Das Modell 3GS wird mit Erscheinen des iPhone 5 eingestellt, aber die Modelle 4 und 4S bleiben weiterhin im Programm. Sie werden nun natürlich billiger. Die Preise für den deutschen Markt liegen für das neue Spitzenmodell (ohne Mobilfunkvertrag) bei 629 Euro für das 16-Gigabyte-Modell, 739 Euro bei 32 GB und 849 Euro für 64 GB. Das entspricht der bisherigen Preisgestaltung.

Die Mobilfunkbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und O2 werden am Freitag sicherlich mit neuen Vertragsangeboten an den Start gehen, in denen dann auch LTE eine Rolle spielen wird. Auch zum Start des iPhone 4S hatten die Provider komplett neue Tarifmodelle aufgesetzt.

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