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Interview mit Cisco-Deutschland-Chef Oliver Tuszik „Das Internet der Dinge eröffnet uns fundamental neue Möglichkeiten“

| Redakteur: Michael Hase

Oliver Tuszik führt seit Juli die Geschäfte von Cisco in Deutschland. Mit IP-Insider sprach der Manager darüber, warum ihn das Internet der Dinge besonders antreibt. Gerade im Industrieland Deutschland hält Tuszik das Potenzial, das sich der IT-Branche durch die allumfassende Vernetzung bietet, für außerordentlich groß.

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Oliver Tuszik, Geschäftsführer von Cisco Deutschland, sieht im Internet der Dinge großes Potenzial auch für den Channel.
Oliver Tuszik, Geschäftsführer von Cisco Deutschland, sieht im Internet der Dinge großes Potenzial auch für den Channel.
(Bild: VBM-Archiv )

IP-Insider: Herr Tuszik, nach 18 Jahren bei Computacenter sind Sie im Sommer zu Cisco gewechselt. Was hat Sie an der neuen Aufgabe gereizt?

Tuszik: Ich bin zu Cisco gegangen, weil ich klar sehe, dass Cisco wieder in einer sehr guten Position ist. Das Unternehmen hat erkannt, dass es das Portfolio bereinigen musste, und hat das getan. Außerdem hat Cisco erkannt, dass in gewissen Segmenten mehr Service-Aktivität notwendig ist, um Kundenanforderungen besser zu erfüllen.

Und nicht zuletzt hat Cisco erkannt, dass der Business-Mehrwert der Lösungen erhöht werden muss. In der Welt der neuen IT können wir uns nicht mehr allein auf die Infrastruktur konzentrieren. Das Mission Statement von Cisco lautet: Wir helfen unseren Kunden dabei, ihre wichtigsten Ziele zu erreichen. An der Umsetzung dieser Strategie im deutschen Markt mitzuarbeiten, halte ich für eine überaus spannende Aufgabe.

IP-Insider: Cisco arbeitet eng mit Partnern zusammen. Welche Rolle hat diese Ausrichtung bei Ihrer Entscheidung gespielt?

Tuszik: Eine große. Cisco ist zu 100 Prozent partnerfokussiert. Ohne Partner geht nichts voran. Die Programme, die in den vergangenen ein, zwei Jahren neu aufgelegt wurden, sind ein Zeichen dafür, dass Cisco noch mehr in die Partnerlandschaft investieren wird. Das gilt insbesondere für den Mittelstand. Dort sehen wir zwar gesundes Wachstum. Wir sind aber noch nicht da, wo wir sein könnten. Cisco hat im Mittelstand längst noch nicht die Marktposition erreicht wie im Enterprise, und das werden wir ändern.

IP-Insider: Cisco bietet Technologien für die Bereiche Networking, Collaboration und Datacenter an. Wo sehen Sie besondere Wachstumsfelder?

Tuszik: In allen drei Bereichen. Was sich traumhaft entwickelt, ist das Datacenter-Geschäft. Mit unserem Unified Computing System (UCS) erreichen wir im Blade-Server-Markt laut IDC bereits einen weltweiten Marktanteil von fast 20 Prozent. Damit haben wir IBM überholt und sind zum Beispiel in Deutschland die Nummer zwei hinter HP. Auch klassische HP- und IBM-Partner kommen inzwischen auf uns zu, weil sie erkennen, dass wir mit UCS ein hochwertiges, leistungsfähiges Server-System anbieten, das die veränderten Anforderungen der Kunden erfüllt.

Ebenso ist Collaboration nach wie vor ein großes Wachstumsthema, das man nicht unterschätzen darf. Und nicht zuletzt gibt es im klassischen Routing und Switching eine Reihe von Themen, die sehr viel Potenzial für uns bergen.

IP-Insider: An welche Themen denken Sie dabei konkret?

Tuszik: Unser WLAN-Geschäft wächst überdurchschnittlich stark. Der ungebrochene Trend zu mehr mobilen Endgeräten und ihr Einsatz im Business-Bereich erfordern nachhaltige Investitionen der Unternehmen in ihre WLAN-Infrastruktur.

Mehr und mehr Unternehmen erkennen auch den Wert einer Mobility-Infrastruktur für ihr Kerngeschäft, wenn es um die Interaktion mit ihren Kunden geht oder um das Internet of Things – die Vernetzung der intelligenten Endgeräte und Sensoren im produzierenden Gewerbe.

Und wir haben erst kürzlich den größten Catalyst-Launch unserer Geschichte erlebt. Cisco hat das Campus-Switching-Portfolio nahezu komplett überarbeitet, um die Port-zu-Performance-Preise bei gleichzeitig günstigerem Betrieb zu optimieren.

IP-Insider: Sie erwähnen das Internet der Dinge. Warum ist das Konzept für Cisco so wichtig?

Tuszik: Cisco richtet seine Strategie seit einiger Zeit auf das Internet der Dinge aus. Damit eröffnen sich uns fundamental neue Möglichkeiten. Die Relevanz der IT für die Wirtschaft wird deutlich gesteigert. Alle großen Unternehmen denken momentan darüber nach, wie sie durch die Vernetzung aller Komponenten leistungsfähiger und effizienter werden können. Maschinen, Fahrzeuge, Gebäudetechnik – buchstäblich alles bekommt eine IP-Adresse.

Wenn alles mit allem verbunden ist, brauchen Sie aber deutlich leistungsstärkere und schnellere Netze, als wir sie heute haben. Zugleich müssen wir flexiblere Strukturen schaffen und mehr Intelligenz ins Netzwerk bringen. Cisco hat die Absicht, die Plattform für die Zukunft aufzubauen.

IP-Insider: Das Thema scheint Ihnen auch persönlich am Herzen zu liegen?

Tuszik: Ja, der Themenkomplex Internet of Everything, Industrie 4.0, Connect the Unconnected – Sie finden leicht noch 20 andere Begriffe dafür – treibt mich tatsächlich ganz besonders an.

Gerade für uns in Deutschland sehe ich darin eine Riesenchance, weil wir das Kernland der Industrie sind. Mit Industrie 4.0 dringt die IT tief in die Prozesse von Schlüsselbranchen wie Elektrotechnik und Maschinenbau ein. Dort können Sie heute fast nichts mehr machen, ohne dass es über ein IP-Protokoll läuft. Durch die allumfassende Vernetzung können wir aber nicht nur unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Auch für gesellschaftliche Herausforderungen wie den steigenden Altersdurchschnitt der Bevölkerung, die fortschreitende Urbanisierung oder die Energiewende lassen sich Lösungsansätze mithilfe von IT finden.

IP-Insider: Welche Rolle spielt ein Konzept wie Software Defined Networking (SDN) für das Internet der Dinge?

Tuszik: Mit SDN bringen wir die notwendige Flexibilität und Intelligenz in die Netze. Die Idee dahinter ist, dass Unternehmen ihre Netzwerk-Konfiguration on the fly an neue oder sich verändernde Lasten anpassen können. Dafür trennen wir logisch die Steuerungsebene der Netze von der Hardware.

Im Grunde handelt es sich um eine Form der Netzwerk-Virtualisierung. Mit dem Open Network Environment (ONE) schafft Cisco zunehmend offene Schnittstellen, über die Entwickler direkt auf Steuerungskomponenten zugreifen können. Auf diese Weise geben wir Unternehmen die Möglichkeit zur vertikalen Individualisierung ihrer Netze. Denn bestimmte Branchen sind darauf angewiesen, dass sich Netze bei spezifischen Anwendungen auf besondere Weise verhalten.

IP-Insider: SDN wird häufig gegen hochpreisige Switches von Cisco ins Feld geführt. Weil die Intelligenz auf der Steuerungsebene liegt, könne man genausogut Netzwerk-Komponenten von beliebigen B-Brands einsetzen, sofern sie die entsprechenden Standards unterstützen, lautet das Argument.

Tuszik: Gelegentlich wird SDN als Schlagwort benutzt. Hinter dem Konzept steht aber nicht das Ziel, beliebige Komponenten miteinander zu verbinden. Irgendetwas mit irgendetwas wird nicht funktionieren. Anwender sind im Netz auf Stabilität und Verfügbarkeit angewiesen. Die stelle ich nur mit zuverlässigen Produkten und einem integrierten Ansatz sicher. Dafür steht Cisco.

Wir tragen natürlich dazu bei, dass es Standards und offene Schnittstellen gibt. Gleichzeitig werden wir unseren ganzheitlichen Lösungsansatz konsequent weiterverfolgen. Cisco bietet über das gesamte Netz vom Rechenzentrum bis zum Endgerät eine durchgängige Plattform. Und darin liegt die Stärke.

Lesen sie weiter, warum auch Big Data zu den Kernthemen von Cisco gehört.

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