So kommen die Programme zum Anwender, Teil 3 Das Applikationsportal als zentraler Zugangsknoten

Autor / Redakteur: Johann Baumeister / Florian Karlstetter

Neue Geräte und Betriebssysteme, das Internet und die Virtualisierung ermöglichen neue Anwendungstypen. Dies führt zu virtuellen Anwendungen, Apps und Desktops, die über HTML angebunden werden. Die gemeinsame Klammer bilden dabei so genannte Applikations-Portale.

Applikationsbereitstellung über Internetportale und HTML.
Applikationsbereitstellung über Internetportale und HTML.

Virtuelle Desktops verlagern den Desktop in das Rechenzentrum. RDP, ICA und PCoIP sorgen für eine schnelle Kommunikation dieser zentralen Desktops mit den Benutzergeräten. Das Modell der virtuellen Desktops mit optimierten Protokollen hat aber auch einen Nachteil: es handelt sich jeweils um spezielle Protokolle. Die Benutzerendgeräte und die zentralen Server müssen daher immer mit diesem Protokoll-Stack ausgerüstet sein. Anstelle des Rollouts der Anwendungen tritt nun das Rollout der Protokolle. Dennoch verringert sich damit die Verwaltung enorm, denn das Protokoll kann für alle Anwendungen verwendet werden.

Benutzerdesktops über HTML

Mit AppBlast will VMware auch diesen Nachteil reduzieren. Durch AppBlast erfolgt die Übertragung eines Benutzerarbeitsplatzes über das Standardprotokoll HTML 5. AppBlast vermeidet somit den Nachteil der individuellen Protokolle, da sich damit vollständige Benutzerdesktops oder einzelne Anwendungen via HTML 5 zum Anwender bringen lassen. HTML jedoch beherrschen die Browser ohne Softwareinstallation.

Bildergalerie

Wenngleich derzeit HTML 5 noch nicht in allen Browsern vollständig umgesetzt ist, so ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis die Browser HTML 5 in vollen Umfang beherrschen. Die Bereitstellung von Desktops via AppBlast verlangt dann keinerlei vorherige Softwareinstallation mehr. Mit AppBlast möchte VMware die Bereitstellung von User Desktops oder Applikationen weiter vereinfachen. AppBlast wird derzeit von VMware entwickelt und steht noch nicht als finale Version zur Verfügung.

Browser-Inkompatibilitäten erschweren Standards

Virtuelle Desktops verlagern den Benutzerdesktop ins Rechenzentrum. Die Architektur der Anwendungen mit dem Betriebssystem und den Anwendungen wird dabei nur wenig verändert. Gänzlich anders ist die Situation bei den Cloud- oder Webdiensten (SaaS) oder den derzeit aufkommenden Applikationshäppchen (Apps) für mobile Geräte. Diese Anwendungstypen haben mit den traditionellen Programmen und deren Struktur kaum eine Gemeinsamkeit.

Internetanwendungen müssen generell nicht installiert werden. Ihre Nutzung erfolgt durch Aufruf der jeweiligen Website. Die Dienste werden bei Bedarf aus dem Internet geladen. Die vorherige Installation der Anwendung entfällt dabei. Dies erlaubt eine dynamische Bereitstellung von Diensten ohne vorheriges Rollout. Dies ist einer der großen Vorteile der Browser-Nutzung und HTML-Anwendungen.

Diese Vereinfachung wird allerdings durch die Aufsplittung der Browser-Funktionalitäten wieder etwas eingetrübt. Um neueste Features zu unterstützen erneuern die Hersteller ihre Internetbrowser regelmäßig und reichern sie außerdem mit speziellen Erweiterungen an. Die heute gängigen Browser wie z.B. Mozilla Firefox, Microsoft Internet Explorer oder Google Chrome sind nur in den Basisfunktionen kompatibel.

Hinzu kommt: dass die Hersteller von Applikationsdiensten sich oftmals auf spezielle Browser-Features beziehen. Dies kann dazu führen, dass unterschiedliche Browser benötigt und verwaltet werden müssen. Ferner erneuen die Hersteller selbst regelmäßig ihre Browser um neue Funktionen. Die genutzten Browser unterscheiden sich daher in vielerlei Hinsicht.

weiter mit: Apps als Bereitstellungsmodell

Häppchenweise: die Apps

Webdienste, HTML und zentrale Applikationsservern sind allerdings nur die Vorboten der Entwicklung. Virtualisierung, die Cloud, die Vielfalt und Verbreitung der mobilen Geräte leiten gerade einen Paradigmenwechsel ein, dessen Ende nicht abzusehen ist. Die Speerspitze wird derzeit durch die Applikationshäppchen (die Apps) gebildet.

Der Begriff der Apps wird meist für kleine Anwendungen verwendet, die der Anwender auf sein mobiles Gerät lädt. Hier ist die Welt aber, wie im ersten Teil der Reihe vermerkt, vielschichtig.

Die wichtigsten Vertreter sind derzeit Apple mit dem iOS und sein iPad bzw. iPhone, RIM Blackberry und dessen OS (Operating System), Microsofts Windows Mobile und die relativ offene Welt von Googles Android, dass für Smartphones und Tablets gleichermaßen verwendet wird. Die Geräte sind weder in der Hardware, noch im Betriebssystemaufbau und folglich auch nicht hinsichtlich der Anwendungen kompatibel.

Das Zugangsportal des Horizon-Application Manager

Die Anbieter von Applikationsdiensten der Zukunft werden daher entweder mehrere Plattformen unterstützen müssen, oder aber sie entscheiden sich für eine dieser Plattformen. Für die Anwender der Dienste soll dies allerdings nicht sichtbar werden. Sie sollen traditionelle Windows-Anwendungen neben Apps oder HTML-Diensten gleichermaßen nutzen können.

Dies ist beispielweise auch das Ziel von VMware und dessen Applikationsmanager Horizon. Mit dem Horizon AppManager möchte VMware die Bereitstellung der Anwendungen für die Benutzer möglichst einheitlich gestalten. Der AppManager soll zum zentralen Knotenpunkt für die Anwendungen werden. VMware bezeichnet den AppManager infolgedessen auch als Hub für die Benutzeranwendungen.

Im AppManager werden die unterschiedlichsten Anwendungen unter einen Hut gepackt. Hierbei kann es sich um traditionelle Anwendungen, Web-basierte Applikationen, private und public Cloud–Dienste handeln. Zum Umfang des AppManager gehören unter anderem auch Self Service Portale für die Anwender und Single-Sign-On. Eingeschlossen sind auch Reporting-Funktionen für Compliance-Anforderungen und der Ermittlung der benötigten Lizenzen.

(ID:31283940)