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Strategie, Vertriebswege, Marktsegmente D-Link wendet sich dem Smart Home zu

Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Der Netzwerkkomponenten-Hersteller D-Link geht neue Wege und will den margenstarken Smart-Home-Markt erobern. D-Link-Manager Thomas von Baross erläutert die Hintergründe.

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D-Link investiert massiv in den Smart-Home-Markt.
D-Link investiert massiv in den Smart-Home-Markt.
( © iconimage - Fotolia)

IP-Insider: D-Link will eigenen Angaben zufolge in den nächsten Jahren jeweils 40 Prozent des anstehenden Investitionsvolumens in das Segment „Smart Home“ stecken. Was lässt sich daraus auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens in Hinblick auf die Produktsegmente schließen? Will sich D-Link sukzessiv zu einem Smart-Home-Anbieter umbauen oder bleibt das Kerngeschäft bei Routern und Switches?

Thomas von Baross, Managing Director D-Link Deutschland, Vice President Central & Eastern Europe
Thomas von Baross, Managing Director D-Link Deutschland, Vice President Central & Eastern Europe
(Bild: D-Link)

von Baross: Das eine schließt das andere nicht aus – ganz im Gegenteil. Netzwerkkomponenten wie Router und Switches bilden ja die Grundlage für das Smart Home, und durch die steigende Anzahl IP-basierter Geräte werden immer größere Herausforderungen an das Netzwerk gestellt. Als langjähriger Netzwerkspezialist war für uns der Einstieg in den Smart-Home-Markt daher ein ganz logischer Schritt. Diesen Weg gehen wir konsequent weiter, indem wir unser Portfolio für das vernetzte Zuhause aktuell um neue WiFi- und Z-Wave-basierte Geräte ausgebaut haben und auch in Zukunft weiter ausbauen werden.

IP-Insider: D-Link startete in dem Zusammenhang 2011 mit der Mydlink-Plattform. Was ist das?

von Baross: Das Mydlink-Portal ermöglichte es zunächst, unterschiedliche D-Link-IP-Kameras nach dem Prinzip der Personal Cloud in das heimische Netzwerk einzubinden und sie per Fernzugriff zu steuern. Nutzer profitierten dabei von einer sicheren und unkomplizierten Echtzeit-Überwachung und Verwaltung – jederzeit und von fast überall aus. Weitere Geräte wie Router und Netzwerkspeicher wurden nach und nach in die Plattform integriert und lassen sich nun ebenfalls über mobile Geräte steuern. Mittlerweile hat die Mydlink-Plattform etwa drei Millionen Nutzer, die über die zugehörigen Mydlink-Apps mit ihren Smartphones und Tablets von unterwegs auf zu Hause gespeicherte Daten zugreifen, den Livestream ihrer IP-Kamera beobachten oder den Internetzugang für die Kinder freischalten können. Die Erfahrungen und Technologien aus der cloudbasierten Plattform sind schließlich in die Entwicklung unserer Smart-Home-Lösung Mydlink Home eingeflossen.

IP-Insider: Was umfasst das Smart Home aus dem Hause D-Link denn inzwischen?

von Baross: Unsere Produktfamilie besteht inzwischen aus einer Reihe von Geräten, die im intelligenten Zuhause miteinander kommunizieren und interagieren können – unter anderem aus einem smarten Bewegungsmelder, der den Nutzer über Push-Nachrichten auf dem Smartphone zuverlässig informiert, wenn bei ihm zu Hause eine Bewegung erfasst wurde. Gekoppelt werden kann beispielsweise der Bewegungsmelder mit den Mydlink-Home-Kameras, die es möglich machen, das eigene Zuhause jederzeit im Blick zu behalten. Zudem bieten wir eine intelligente Steckdose, die angeschlossene Geräte automatisch nach individuellen Regeln ein- und ausschaltet, den Stromverbrauch misst und die Temperatur überwacht. Für erhöhte Sicherheit in den eigenen vier Wänden sorgen ein Rauchmelder sowie ein Tür- und Fensteröffner, ein Wassermelder und eine Alarm-Sirene. Mit der dazugehörenden App können alle Geräte bequem vom Tablet oder Smartphone aus gemanagt werden.

IP-Insider: D-Link bietet Starter-Kits für Smart-Home-Szenarien an. Wie werden diese vertrieben und was umfassen die Einstiegspakete?

von Baross: Unser Starter-Kit enthält eine intelligente Steckdose (Smart Plug), einen WiFi-Bewegungsmelder sowie eine HD-Kamera zur Überwachung und Steuerung der eigenen vier Wände. Zur IFA haben wir ein weiteres Starter-Paket gelauncht, das Smart Home Security Kit, das mit einem Tür-/Fenster-Sensor, einer Alarmsirene und einer Kamera ausgestattet ist. Außerdem liegt dem Paket ein Connected Home Hub bei, der WiFi- und Z-Wave-basierte Geräte miteinander verbindet. Vertrieben werden die Einstiegspakete über die E- und Retailer, den IT- und Elektrofachhandel, aber auch über alternative Kanäle wie beispielsweise Baumärkte.

IP-Insider: Auf welche Smart-Home-Standards setzt D-Link?

von Baross: Dort, wo es geht, setzen wir auf Standards wie IP, Ethernet oder WiFi, die sich bisher am stärksten durchgesetzt haben. Für besondere Anwendungsfälle, beispielsweise für Geräte mit Batteriebetrieb, setzen wir auf Z-Wave Plus. Im Projektgeschäft, insbesondere im Umfeld der Energieversorger, findet auch Zigbee Verwendung.

IP-Insider: Wie wird sich der Smart-Home-Markt in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

von Baross: Der Bitkom prognostiziert, dass es bis zum Jahr 2020 insgesamt 50 Milliarden vernetzte Geräte weltweit geben wird. Das sind fast sieben Geräte pro Person. Damit dieser Siegeszug des Smart Homes angetreten werden kann, müssen die Lösungen zur Überwachung und Steuerung des vernetzten Zuhauses einfach zu installieren und simpel zu bedienen sein. Unser Anspruch ist es, Nutzern mit unseren Produkten einen echten Mehrwert zu bieten, indem sie ihren Alltag komfortabler und sicherer machen und ihnen das gute Gefühl geben, dass in den eigenen vier Wänden alles in Ordnung ist.

IP-Insider: D-Link Deutschland feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Was bedeutet das für Sie persönlich?

von Baross: D-Link ist seit 25 Jahren in Deutschland aktiv. In dieser Zeit haben wir uns stets weiterentwickelt und Strömungen des Marktes aufgegriffen und in unser Portfolio beziehungsweise in unsere Organisation integriert. Persönlich sehe ich es als eine unserer wesentlichen Stärken an, dass wir die nötigen Kapazitäten und erforderliche Flexibilität besitzen, um uns an Veränderungen anzupassen. Zu diesen Veränderungen zählen unter anderem ein geändertes Nutzer– und Kaufverhalten, neu definierte Service-Ansprüche oder Anforderungen im Hinblick auf die Weiterentwicklung unserer Produkte.

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HAL 9000 aus dem Science-Fiction-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“
HAL 9000 aus dem Science-Fiction-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“
( © tiero - Fotolia)

Vom Smart Home zu HAL 9000

Fans des Science-Fiction-Klassikers „2001: Odyssee im Weltraum“ kennen das Gefühl sich aufstellender Nackenhaare, wenn die emotionslose Stimme von HAL 9000 sagt „I‘m sorry Dave, I‘m afraid I can‘t do that“ – und die Türe zur Raumstation nicht aufmachen will.

Vor dem Hintergrund dieser Szene bin ich Smart-Home-Skeptiker. Spätestens wenn von einem „Smart Home mit künstlicher Intelligenz“ die Rede ist, hört der Spaß an der Technik auf.

Denn dann ist der Weg vom Smart Home zu HAL 9000 einfach nur konsequent. Dann wird mir das Smart Home aufgrund eigener Analysen irgendwann den Zugriff zum Kühlschrank verweigern, wenn noch mehr Bier gesundheitsschädlich wäre – im Grunde eine Situation von exakt derselben Tragik, wie eingangs beschrieben.

Vermutlich wird es IBM sein, die diesen gefährlichen Weg einschlagen. Weil dort die ganze Zeit von „Smarter Planet“ die Rede ist und weil H, A, L – jeweils ein Buchstabe weitergerückt – zu „IBM“ wird. Seid gewarnt, Smart-Home-Fans!

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