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Dispatch bringt Load Balancing und Failover auf den Desktop Connectifys Netzwerkdrehscheibe im Test

Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Software Connectify Dispatch verbindet einen PC gleichzeitig mit mehreren Internetzugängen. IP-Insider hat getestet, ob das tatsächlich Datentransfers und Ausfallsicherheit verbessert.

Connectify bietet Dispatch gemeinsam mit der Software Hotspot an – und macht PCs damit auf einen Schlag auch noch zu Access Point und Repeater.
Connectify bietet Dispatch gemeinsam mit der Software Hotspot an – und macht PCs damit auf einen Schlag auch noch zu Access Point und Repeater.
(Bild: Connectify/Eigener Screenshot)

Connectify Dispatch lässt sich als Load Balancer für verschiedene, an einem Rechner verfügbare Netzwerkzugänge beschreiben. Das Werkzeug läuft auf dem jeweiligen Client und verwaltet dabei einzelne Netzwerksockets.

In der jetzigen Form kann die Lösung zwar keine Transfers beschleunigen, die auf einem einzelnen Socket basieren – hierzu zählen klassische FTP- oder HTTP-Downloads, die ohne Multi-Stream-Download-Manager ablaufen. Seine Stärken spielt das Werkzeug laut Anbieter aber dann aus, wenn mehrere Anwendungen parallel laufen, Bittorrent-Clients mehrere Sockets nutzen oder ausgefallene Netzwerkzugänge überbrückt werden sollen.

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Bedienung per Webinterface

Connectify Dispatch heftet sich als Benachrichtigungssymbol an die Windows-Taskleiste an; dort kann der Dienst gestartet und beendet werden. Zudem können Anwender hier das Webinterface aufrufen, über das die per CookComputing.XmlRpcServer angebundene Lösung gesteuert wird.

Im Browserfenster gibt sich Dispatch übersichtlich aber recht platzhungrig; das vom Programm selbst gestartete (kaum als Browser erkennbare) Programmfenster mit eigenem Symbol in der Taskleiste ist 800 Pixel breit. Horizontal lassen sich Informationen zu genutzten Bandbreiten und Netzwerkadaptern allerdings bei Bedarf einklappen.

Erste Einstellungen im Dashboard

Das Dashboard präsentiert die aktuell zur Verfügung stehende sowie die tatsächlich genutzte Bandbreite – grafisch und für jede Verbindung separat aufbereitet. Zudem lassen sich die vorhandenen Netzwerkanschlüsse bereits grob konfigurieren. "Primary" steht für bevorzugt genutzte Adapter und "Backup" für im Notfall anspringende Netzschnittstellen. Mit "Never" markierte Verbindungen werden gar nicht genutzt.

Um die Netzwerklast primärer Netzwerkanschlüsse zu verteilen bietet Dispatch drei Verfahren an. Das trivialste davon heißt "Round Robin" und weist Verbindungen reihum zu. Bei möglichen Ausfällen ist hierbei allerdings kein Fallback vorgesehen. Bei den Verfahren "Dominate" beziehungsweise "Gen2" bewertet Dispatch Bandbreite sowie Latenz und trifft eine entsprechende Auswahl.

Unter der Registerkarte "Metering" können Anwender einstellen, wieviel Datenvolumen insgesamt über die jeweiligen Datenverbindungen gehen darf. Das ist besonders bei volumenbeschränkten Datentarifen sinnvoll. Zudem können Anwender wahlweise einen alternativen DNS-Server eintragen oder Anwendungen fest mit einzelnen Verbindungen verknüpfen. Und genau das haben wir auch in unserem Testszenario gemacht.

Testszenario mit UMTS und Satellitenanbindung

Für unseren Probelauf nutzten wir zwei verschiedene Internetzugänge: Eine per Ethernet angebundene, unbeschränkte Satellitenverbindung mit hohem Durchsatz aber auch hoher Latenz. Des Weiteren haben wir per WLAN den UMTS-Datenzugang eines Smartphones angezapft – mit begrenztem Datenkontingent aber vergleichsweise geringer Latenz.

In unserem Beispiel sollten alle Verbindungen weiter über den Satelliten laufen. Einzig auf einen Remote-Rechner wollten wir per UMTS zugreifen, um von den niedrigen Paketlaufzeiten zu profitieren. Dem entsprechend konfigurierten wir die "Applications" in der gleichnamigen Karteikarte von Dispatch. Standardmäßig verwendet Dispatch hier den Eintrag "All Adapters". Da wir per Internet Explorer und LogMeIn auf entfernte Rechner zugreifen, wiesen wir dem Explorer also die (global nur als Backup definierte) drahtlose Verbindung zu. Der zum eigentlichen Surfen benutzte Chrome-Browser erhielt dagegen Zugriff über LAN-Schnittstelle.

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Beide Verbindungen gleichzeitig aktiv

Ergebnis: Es funktioniert – jedenfalls solange beide Adapter aktiv sind: Während wir per Satellit Musik streamten, Updates luden und im Web surften konnten wir gleichzeitig, am selben Rechner auch per Mobilfunk auf unser Remote-System zugreifen.

Im Fehlerfall folgt Dispatch allerdings einer eigenen Logik: Versagt beispielsweise der primäre Netzzugang, übernimmt die Backup-Verbindung (hier also Mobilfunk) und bedient andere Anwendungen. Von diesem umgehenden, wenngleich nicht komplett nahtlosen, Schaltvorgang konnten wir uns selbst überzeugen als wir zur Probe das Netzwerkkabel aus der RJ45-Buchse zogen: Ein via Spotify übertragener Musikstream setzte dabei nur kurzzeitig aus.

Negativ aufgefallen sind uns die vergleichsweise hohen Ansprüche der Software an unseren – zugegebenermaßen schon etwas betagteren – Rechner mit Intel Core 2 Duo CPU (T8100). Sobald wir Connectify aktivierten, schoss die Auslastung des Systems nach oben (siehe Galerie, Abb. 6).

Kleinere Ungereimtheiten und Volumenbegrenzung

Dispatchs eigener Darstellung im Dashboard zufolge, liefen im Einzelfall zudem beide Verbindungen parallel. Ein Grund hierfür könnten zwar im Hintergrund laufende Update-Prozesse sein; die nahezu identischen Kurvenverläufe (siehe Galerie, Abb. 1) sprechen allerdings gegen diese Deutung. Endgültig ließ sich die nicht reproduzierbare Anomalie auch auf Nachfrage beim Hersteller nicht klären.

Gut gefallen hat uns die Möglichkeit, das genutzte Datenvolumen einzuschränken. Mit Dispatch können Anwender für jeden Zugang einzeln maximale Kapazitäten festlegen. Wird das Volumen innerhalb eines bestimmten Zeitraums erreicht, sperrt Dispatch den jeweiligen Adapter. Danach sollten nicht nur die Messwerte zurückgesetzt werden; Anwender müssen auch den Adapter händisch reaktivieren.

Steuerung ausschließlich auf Anwendungsebene

Die Verbindungskonfiguration von Dispatch beschränkt sich aktuell auf Anwendungen. Es ist also nicht möglich, Daten aufgrund verwendeter Ports oder Protokolle an bestimmte Netzwerkanbindungen zu verweisen. Auch eine Deep Packet Inspection ist nicht implementiert.

Laut Hersteller habe man die zusätzlichen Optionen zwar in Betracht gezogen, für das aktuelle Release aber darauf verzichtet. Port- oder Protokoll-basierte Algorithmen könnten allerdings in späteren Versionen der Software implementiert werden, wenn man hierfür auf das nötige Interesse der Anwender stoße.

Doppel mit Hotspot und wenig Kontrolle

Connectify bietet Dispatch als Bundle mit Hotspot an, einer Software die Windows-Rechner für Anwender sehr komfortabel zum WLAN-Access-Point (AP) macht. Hierbei ist eine Doppelbelegung des WLAN-Adapters möglich: Eine Schnittstelle kann gleichzeitig selbst als AP agieren und die Verbindung zu einem anderen AP mit Internetzugang halten. Damit taugt die Lösung beispielsweise auch als Repeater.

Im Hotspot-Betrieb kann Dispatch die zuvor gemachten Anwendungseinstellungen aber leider nicht an Gast-Rechner weitergeben. Grund hierfür sind laut Hersteller Beschränkungen bei Windows APIs.

Postives Fazit

Schon in der ersten Version konnte uns Connectify Dispatch überzeugen. Die Kernfunktionen der Lösung laufen zuverlässig. Damit bietet sich das Produkt besonders dazu an, die Vorteile verschiedener Zugangslösungen zu kombinieren. Das betrifft insbesondere Failover-Konfigurationen oder breitbandhungrige Nutzer in mit DSL und Glasfaser unterversorgten, ländlichen Regionen. Gefallen haben uns die eingebauten Funktionen zur aktiven Kontrolle bereits verbrauchter Datenvolumen.

Durch eine fehlende Port- oder Protokoll-basierte Weitergabe von Traffic an bestimmte Internetverbindungen, taugt die Lösung eher für einzelne Anwender. Sollen kurzfristig größere Nutzergruppen zufriedenstellend mit einem Internetzugang bedient werden könnte das Produkt per Hotspot dennoch punkten.

Inwieweit es allerdings für Powersauger sinnvoll ist, mehrere Breitbandleitungen per Dispatch zu koppeln darf hinterfragt werden – für dauerhafte Bandbreite dürften TK-Dienstleister passende Angebote im Portfolio haben.

Preise und Verfügbarkeit

Connectify Dispatch ist derzeit für Windows verfügbar, läuft laut Anbieter aber auch in virtuellen Maschinen unter Mac OS X. Eine native Version für Apple-Rechner ist angekündigt.

Dispatch und Hotspot sind im Bundle erhältlich, für eine Jahreslizenz veranschlagt der Hersteller derzeit knapp 40 Euro. Für knapp 50 Euro gibt es eine unbeschränkt gültige Lizenz. Der Hersteller bietet zudem ein 30-tägiges Rückgaberecht für die Tools an.

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