Unternehmen brauchen eine CMDB – wenn das so einfach wäre

Configuration-Management wird zum Katalysator effizienter IT-Services

26.07.2007 | Redakteur: Ulrike Ostler

Bildquelle: Pixelio
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Firmen, die ihre IT-Prozesse im Griff haben, stehen besser da als solche, die schludern. Change- und Configuration-Management bietet einen Weg dahin. Doch eine dynamische IT braucht keine händischen Kontrollen und Tool-Geklecker, sondern Konzentration von System- und Netzbetriebsdaten, Geschäftsprozess-Infos und Vertragsbedingungen. Eine Konfigurations-Datenbank (CMDB) bietet genau das.

Ein typisches Unternehmen der Top-2000 ändert pro Monat rund 500 bis 600 Konfigurationen seiner IT-Infrastruktur, schätzt das Marktforschungsunternehmen IDC. 40 Prozent der Änderungen finden im Server-Umfeld statt, 35 Prozent tauchen in der Applikationsinfrastruktur auf und 25 Prozent sind dem Netzwerkbereich zuzuordnen.

Damit ist auch klar, warum die IT Infrastructure Library (ITIL) eine Konfigurations-Datenbank als vorbildhaft führt. Die Best-Practice-Sammlung beschreibt zudem, welche Informationen diese Datenbank enthalten sollte, jedoch nicht, wie sie implementiert wird. So fehlt auch ein CMDB-Standard.

Erst im vergangenen Jahr haben sich BMC Software, Computer Assoiciates (CA), Fujitsu, Hewlett-Packard, IBM und Microsoft daran begeben, einen Standard zu entwickeln. Ein erstes standardisiertes Application Programming Interface (API) kommt vermutlich in diesem Jahr. Im MOment ist allerdings noch jedes Anwenderunternehmen gezwungen, selbst auszutüfteln, wie die Datenbank befüllt wird und welche Leistungsmerkmale sie erfüllen muss.

Eine neue IT-Disziplin

Jedenfalls ist Change und Configuration Management laut Evely Hubbert und Natalie Lambert vom Marktforschungsunternehmen Forrester Research heute nicht nur eine andere Technik, sondern auch eine Software-Disziplin und ein Prozess für das IT-Management. Die vier großen Anbieter, IBM, Computer Associates (CA), BMC Software und Hewlett-Packard führen ihre bisher getrennten Tools unter dem Ziel zusammen, mehr Transparenz in die IT-Landschaft zu bringen und diese in Übereinklang mit Geschäftsprozessen und vertraglichen Bedingungen.

Kern ist jeweils eine Konfigurations-Datenbank. Sie enthält die wesentlichen Kennzahlen aus dem IT-Betrieb, inklusive Networking, Storage und Middleware. Letztendlich soll die Datenbank Sichten auf komplette IT-Services bieten, sowohl was das Zusammenspiel einzelner Komponenten angeht, als auch den Zusammenhang zischen Dienst, Prozess und Infrastruktur.

Nach IDC-Berechnungen haben heute gerade einmal 8 Prozent der 2000 führenden Unternehmen eine CMDB implementiert. Allerdings denken bereits 70 Prozent über eine Einführung in den kommenden drei Jahren nach. Die Gartner-Analystin Ronni Colville geht sogar davon aus, dass lediglich 1 bis 3 Prozent der Großunternehmen begonnen haben, eine Service-Sicht auf die IT mittels CMDB einzurichten.

Die Crux

Dennoch hat sich nach Forrester-Analysen aus einem zuvor fragmentierten Markt bereits ein ganz veritables Geschäft entwickelt. Es soll in diesem Jahr um rund 28 Prozent wachsen, von 2,099 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2006 auf 2,687 Milliarden Dollar. Bis CMDB zur Mainstream-Technik reift, also bis alle es haben wollen und das Gros der Großunternehmen eine solchen Datenbasis tatsächlich implementiert, vergehen aber noch mindestens fünf bis zehn Jahre, prognostiziert Gartner.

Das liegt unter anderem daran, dass in den meisten Unternehmen, die organisatorischen und technischen Voraussetzungen fehlen. Denn wie bei jeder Datenbank ist der Knackpunkt für den erfolgreichen Einsatz die Datenqualität. Fehlen zuverlässige Change- und Konfigurationsprozesse, Strategien und Datenquellen oder hapert es an deren Automation, kann eine CMDB nur zur Fehlinvestition werden.

So könne laut Gartner-Expertin Colville die Planung einer CMDB drei oder zwölf Monate in Anspruch nehmen, je nachdem wie weit diese Prozesse schon implementiert beziehungsweise wie zuverlässig die angelieferten Daten sind. Die Vielfalt der Tools, die dazu herangezogen werden müssen, erschwert die Sache noch. Schließlich haben die meisten Unternehmen bereits Werkzeuge für das Provisioning, Patching, die Softwareverteilung, das Client-, Server- Netzwerk-, Datenbank-Monitoring, -Tuning und -Verwalten im Einsatz.

Die Werkzeug-Basis

Letztlich soll das Konfigurations-Management automatisiert IT-Komponenten und Assets identifizieren, dokumentieren, tracken und kontrollieren. Die Assets oder auch „Configuration Items“ (CIs) werden etwa mit Hilfe von Versionen, Bestandteilen, Beziehungen zu anderen CIs, Lokationen und aktuellen Stati beschrieben.

Anhand dieser Informationen sollten die Verantwortlichen wissen, wie die IT-Umgebung aussieht und wie die Bestandteile konfiguriert sind. Um die Change-Vorgänge handhabbar zu machen müssen standardisierte, also wiederholbare Vorgänge existieren. Außerdem müssen sich Änderungen automatisiert vollziehen können. Nach diesen Vorgaben unterscheiden die Forrester-Analysten drei verschiedene Werkzeugkategorien.

Auto-Discovery

Die erste Anforderung erfüllen so genannte „Auto-Discovery“-Tools. Die „Big four“ wie IBM, BMC, CA und HP bei den Forrester-Analystinnen heißen, haben entsprechende Software im Markt, allerdings zum Teil durch Partnerschaften mit Drittanbietern.

BMC nutzt ein agentenbasiertes Discovery, das durch die Akquisition von Marimba ins Haus kam. Auch CA ging shoppen und erstand das agentenbasierte System von Cendura. Das Discovery-Tool von HP ist agentenlos und kam durch Mercury Interactive zum Konzern. Das Unternehmen hatte zuvor Appilog geschluckt. IBM schließlich verleibte sich 2005 Collation ein.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Software- und Hardware-Anbietern, die sich auf das Discovery spezialisiert haben. Von Tideway und N-Layers, die nun zu ECM gehören, kommen etwa Appliances.

Standardisierung des Change-Managements

Workflow und die Automatisierung von Änderungsvorhaben (Change Requests) erleichtern die Bewilligung und Freigabe. Denn Unternehmensregeln (Policies) und Standardeinstellungen können direkt Berücksichtigung finden. Nach Einschätzung der Forrester-Analysten sind die Marktführer in diesem Bereich diejenigen, die Service-Desk-Lösungen anbieten: BMC mit „Remedy Service Management“, CA mit „Unicenter Service Desk“ und HP mit „Service Center“.

Diese Lösungen verfügen über eine enge Verzahnung mit anderen Lösungskomponenten wie das Incident- und Problem-Management, Asset- und Discovery-Management, Service-Impact- und Event-Management. Sie setzen auf der eigenen CMDB auf oder auf denen der Mitbewerber.

Automation des Change-Managements

Tools dieser Kategorie waren bisher punktuelle Lösungen im Client-, Server- und/oder Netzwerk-Bereich. Auch hier haben die Big Four bereits einiges im Portfolio. Opsware, gerade von HP eingesackt, und Blade Logic haben ihr Konfigurations-Management durch so genannte Run-Book-Funktionen erweitert. Run-Book Steht für „Prozessautomation“ und ist ein von den Gartner-Analysten geprägter Begriff. Opsware hat I-Conclude gekauft, Blade Logic ist eine Partnerschaft mit Real-Ops eingegangen und Opalis kooperiert mit diversen Konfigurations-management-Anbietern.

Diese Lieferanten sollte jeder kennen

Drüber hinaus lässt sich der Markt nach drei weiteren Kriterien segmentieren: Client-Server und Netzwerk-Management.

Beim Client-Management geht es um Desktops, Laptops und mobile Devices, um Asset-Tracking, -Monitoring und die Lebenszyklen der Geräte. Dazu kommen Funktionen wie Betriebssystem-Wartung und –Updates, Softwareverteilung, Lizenz-, Patch- und Inventar-Management. Zu den wichtigen Lösungslieferanten in diesem Segment zählen Altiris (Symantec), BMC, HP, IBM und Microsoft.

Im Server-Management spielen vornehmlich Opsware (HP), Blade Logic und Tripwire eine Rolle. Die ersten beiden legen das Gewicht auf Server-Provisioning. Tripwire kommt aus der Netzwerkkonfiguration, kann aber mittlerweile auch Server-Konfigurationen in Echtzeit beobachten und managen.

Der Netzwerk-Management-Markt gilt bei den Forrester-Fachfrauen Hubbert und Lambert als Insel, in der Hand von Spezialisten, wenngleich Opsware nun ins HP-Universum eingemeindet wurde. Sie zählen Alterpoint, Emprisa Networks, Intellidon, Opnet Technologies und Voyence zu diesen. Die größeren Management-Anbieter wie HP; BMC, IBM und CA sind Partnerschaften mit diesen eingegangen oder verkaufen deren Produkte in Lizenz. So ist HP OEM-Partner von Voyence und BMC mit Tripwire im Bunde.

Herantasten – nicht übers Knie brechen

In einem sind sich alle Analysten einig: Eine Konfigurationsdatenbank ist nahezu ein Muss für alle Unternehmen, die ihre IT-Prozesse besser kontrollieren wollen. Das Hantieren mit Excel-Sheets hat ausgedient. So zieht der Verkauf von CMDB-Tools in den kommenden drei Jahren kräftig an.

Da es sich jedoch um eine junge IT-Disziplin handelt, werden viele Projekte schief gehen. Zum Beispiel sind in den Unternehmen zahlreiche kulturelle und menschliche Barrieren zu überwinden, da Zentralisierung und Transparenz Einzug halten. Zudem gibt es zwar zahlreiche Werkzeuge, doch sind sie auf eine zentrale Auswertung nicht geeicht.

Hilfreiche Tipps:

An diesem Punkt setzen die Empfehlungen der Analysten an:

Die Anwender müssen realisieren, dass es keine ausgereiften Produkte gibt. Sie sollten sich daher darauf konzentrieren, Konfigurations- und Change-Prozesse, Automatisierungs-Bestrebungen und organisatorische Voraussetzungen in Einklang zu bringen. Gegebenenfalls müssen Schwächen in den Werkzeugen durch den Einsatz von Mitarbeitern ausgeglichen werden.

Wenn die Wahl eines CMDB-Produkts ansteht, sollten die Unternehmen zu dem greifen, das zu ihren existenten Konfigurations- und Discovery-Tools passt, oder zumindest Druck auf die Lieferanten ausüben, so dass es bald passt.

Ein Konfigurationsprozess greift immer über alle IT-Domains hinweg. Das erfordert die Zusammenarbeit der verschiedenen Verantwortlichen. Diese Tatsache ist kaum zu unterschätzen.

Sinn macht ein CMDB-Projekt vor allem bei den Services, die sich gravierend im Unternehmen auswirken. Darauf sollten sich die Beteiligten konzentrieren und nicht etwa viel Baustellen eröffnen.

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