Carrier Ethernet & OpenFlow machen Carrier-Netze fit für die Zukunft

CE 2.0 und SDN: Basis für Cloud Computing und mobile Networking

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Andreas Donner

Carrier Ethernet 2.0 bietet drei neue Features: mehr Leistungklassen, neue Managementmöglichkeiten und verstärkte Interkonnektivität.
Carrier Ethernet 2.0 bietet drei neue Features: mehr Leistungklassen, neue Managementmöglichkeiten und verstärkte Interkonnektivität. (Bild: MEF)

Cloud-Szenarien und die explosive Vermehrung mobiler Anwendungen fordern den Providernetzen mehr Leistung und Flexibilität ab. Sie zu erbringen, erfordert neue Technologien wie das so genannte Carrier Ethernet 2.0 und das Software Defined Networking (SDN).

Cloud-Computing entwickelt sich zum wesentlichen Motor neuer Carrier-Technologien. Denn die Verlagerung von immer mehr IT-Aufgaben in die „Wolke“ erfordert, dass auch größere Datenmengen schnell und flexibel von einem Cloud-Rechenzentrum zum anderen oder aber zwischen Endanwender und Cloud-RZ transportiert werden.

Ethernet-Verbindungen werden dabei immer mehr zur technologischen Basis auch der Carrier-Netze. So erzielten bei einer Umfrage unter Providern, die das Marktforschungsinstitut Heavy Reading Ende 2011 durchführte, 90 Prozent der Befragten steigende Umsätze mit dem Vertrieb von Ethernet-Verbindungen unterschiedlicher Art.

Eine große Rolle wird bei der Implementierung von Ethernet-basierenden Netzen und Services wohl Carrier Ethernet 2.0 spielen. Das ist ein vom Metro Ethernet Forum (MEF), einer weltweiten Vereinigung von mittlerweile 165 Ethernet-Carriern, definiertes Technologiebündel.

CE-2.0-Zertifizierungen

Gleichzeitig bietet MEF ab Mai Zertifizierungstests für CE 2.0 an, die dem neuen de-facto-Standard schnelle Verbreitung sichern sollen. Schon das Zertifizierungsprogramm für den Vorläufer, CE 1.0, war recht erfolgreich – mehr als 90 Carrier ließen sich zertifizieren.

Die Zertifizierung für CE 2.0 bezieht sich nicht auf Geräte, sondern auf komplette Services. „Damit sich Anwender und kooperierende Provider darauf verlassen können, dass ein angebotener und zertifizierter Ethernet-Dienst sich auf allen Ebenen entsprechend den Vorgaben verhält“, sagt Nan Chen, Präsident und Vorstandsvorsitzender des MEF.

Ziel der Initiative sind vor allem besseres Management aller Dienste und Verbindungen sowie ein breiteres, Angebot schnell implementierbarer Services zuverlässiger Qualität für die Endkunden. Das alles soll dafür sorgen, dass der Carrier-Ethernet-Markt weiter in Fahrt kommt.

Mehr Leistungsklassen, mehr Management und Interkonnektivität

Im Einzelnen gehören zu Carrier Ethernet 2.0 drei neue Features: mehr Leistungklassen, neue Managementmöglichkeiten und verstärkte Interkonnektivität. Diese Features werden auf insgesamt acht unterschiedliche Dienste bezogen, von denen vier Port-basierend sind und vier auf VLAN-Basis arbeiten.

Die acht Dienste auf dem Ethernet-Level der Provider-Infrastruktur bilden die Basis der Services auf höheren Netzwerkebenen, beispielsweise einem Großhandelsangebot von Ethernet-Verbindungen bestimmter Merkmale etc. Unterhalb liegt nur noch der eigentliche Transport, etwa über DWDM oder andere Technologien.

Die Neuerungen im Detail

Im Detail sehen die Neuerungen so aus: Zusätzlich zu standardisierten Leistungsklassen, die es auch schon in CE 1.0 gab und deren Parameter das MEF festgelegt hat, erlaubt CE 2.0 den Providern nun, ihre eigenen Leistungsklassen zu definieren. Das bedeutet für deren Kunden größere Angebotsvielfalt.

Mit den neuen Management-Features können Provider beispielsweise die Funktion und Leistung von Ethernet Virtual Connections (EVCs) nun auch dann von Ende zu Ende prüfen, wenn sie mehrere Netze durchqueren, also Schnittstellen zwischen einzelnen Providernetzen (Ethernet Network-Network-Interfaces, ENNI) zwischen Anfang und Ende der Verbindung liegen.

EVCs umfassen definitionsgemäß ein oder mehrere Verbindungen zwischen Endanwender-Schnittstellen (UNIs, User Network Interfaces) und dem Provider-Netzwerk. Für die Bandbreitenprofile von UNIs, EVCs und Serviceklassen gibt CE 2.0 eine relativ feine Granularität vor, sodass Anwender davon ausgehen können, möglichst genau so viel Bandbreite zu bekommen, wie sie tatsächlich brauchen.

E-Line, E-LAN, E-Tree und E-Access

Das Serviceangebot umfasst E-Line, E-LAN, E-Tree und E-Access, jeweils mit und ohne VPN-Funktion. Definiert sind die ersten drei Dienste in MEF 6.1, der letzte in MEF 33, beides Dokumente der Providervereinigung.

Für jeden Dienst hat das Forum umfassende spezifische Eigenschaften definiert, die einzeln abgeprüft werden. Auf der Website des Forums findet sich eine Präsentation, die diese tabellarisch auflistet. Nur, wenn alle Merkmale erfüllt sind, bekommt der Service die Zertifizierung. Dabei gab es eine Reihe von Attributen auch schon in Carrier Ethernet 1.0, viele sind jedoch neu hinzugekommen oder wurden modifiziert.

Unter E-Line versteht CE 2.0 private Ethernet-Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen einzelnen UNIs. E-LAN definiert Multipunkt-zu-Multipunkt-Verbindungen. E-Tree-Dienste können zum Aufbau beliebiger Baumstrukturen benutzt werden. Schließlich gibt es noch E-Access-Services, gemeint sind damit Dienste, die über ein fremdes Zugangsnetzwerk die Endkunden eines Carrier-Ethernet-Providers erreichen.

weiter mit: Andere Netzwerktechnik ist gefragt – die Tür zu SDN ist aufgestoßen

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