Markt für native Business-Apps im Mittelstand

Business-Apps: Trends im Herbst 2013

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Business-Apps nehmen an Bedeutung zu. Den Erfahrungen des Softwareherstellers Weptun zufolge haben sie jedoch noch nicht den Stellenwert der klassischen IT.
Business-Apps nehmen an Bedeutung zu. Den Erfahrungen des Softwareherstellers Weptun zufolge haben sie jedoch noch nicht den Stellenwert der klassischen IT. (Bild: Nmedia – Fotolia.com)

Der Softwarehersteller und IT-Dienstleister Weptun beobachtet den Markt für Apps im KMU-Umfeld, analysiert seine Kundenlandschaft und berichtet, welche Entscheider und Motive hinter App-Investitionen stehen.

Die Münchner Firma Weptun unterstützt ihre Kunden dabei, Business-Apps im mittelständischen Umfeld zu kreieren, zu entwickeln und umzusetzen und begleitet diese Projekte als Full-Service-Anbieter. Weptun entwickelt auf Basis seines Entwicklungstools Appconkit native Apps für iOS, Android und Blackberry. Das Unternehmen schließt nach eigenen Angaben pro Jahr rund 30 Projekte ab, im Herbst 2013 würden 15 Projekte laufen.

Sicht der Marktbeobachter und App-Klischees

Weptun konnte feststellen, dass manche Statements und Marktbeobachtungen im IT-Mobility-Umfeld richtig, andere aus der Sicht eines Anbieters eher falsch sind. Folgende Trends kann Weptun für den Herbst 2013 bestätigen:

  • Die Ausgaben von Firmen für Business-Apps steigen weiter an, immer mehr Unternehmen fragen mobile Anwendungen nach: 2012 geschätzt weltweit: 26 Mrd. US-Dollar, 2017: 53 Mrd. US-Dollar (Strategy Analytics, Januar 2013).
  • Hauptmotive für die Einführung mobiler, cloudgestützter IT in Unternehmen sind schnellere und flexiblere Geschäftsabläufe sowie die kurzfristige Implementierung von neuen Geschäftsprozessen (IDC, August 2013).
  • Der Einfluss der Fachabteilungen auf IT-Entscheidungen steigt beachtlich (IDC, August 2013).

Laut Weptun existieren folgende falsche Sichtweisen:

  • Kosten für eine Business-App: Viele Marktforscher behaupten, eine „mittelaufwendige“ App kostet ca. 50.000 Euro. Weptun zufolge liegt die Wirklichkeit bei rund 20.000 bis 30.000 Euro pro App.
  • Neue Wahrnehmung der IT-Investition App: Während Apps im Umfeld von KMU noch vor Kurzem als Luxusgut für Eigenmarketing und Reputationszwecke galten, werden die Anfragen der Kunden immer seriöser, zunehmend liegen ab Beginn der Verhandlungen bereits Konzepte, Pflichtenhefte und ROI-Bewertungen vor.
  • Plattformwahl: Viele Marktforscher geben an, iOS und Android teilten sich den Business-Markt, die restlichen Anbieter seien bislang irrelevant. Laut Weptun liegt iOS im Business-Umfeld klar vor Android, die Plattformen Microsoft und Blackberry liegen weit zurück.
  • BYOD wird immer wieder als Initiator für die Einführung von Apps in Firmen genannt: Im KMU-Umfeld ist das aus Sicht von Weptun bislang kein Thema. Unternehmen würden sich bei B2B-Projekten bewusst für eine Plattform entscheiden.

Interessant seien die Kundengespräche, bei denen deren Vorstellungen und Entscheidungsprozesse auf die Mobile-Industrie treffen. Nach den Erfahrungen von Weptun hätten App-Entwickler 2013 die Rolle eines Trusted Advisors inne, der Mehrheit der Firmen fehle das Bild von dem, was Apps kosten und wo Möglichkeiten und Grenzen liegen.

App-Kunden: Vorstellungen, Projekte und Branchen

Basierend auf der Gesamtzahl der konkreten Anfragen und der umgesetzten Projekte besteht die App-Kundenlandschaft von Weptun im Jahr 2013 zu 50 Prozent aus mittelständischen Unternehmen. 30 Prozent der Anfragen stammen aus Fachabteilungen von Großunternehmen, 20 Prozent aus Start-ups. Die Motive seien einheitlich klassifizierbar:

  • Start-ups wollen in der Regel ihre mobilen Geschäftsmodelle umsetzen.
  • Der Mittelstand zielt darauf ab, Geschäftsprozesse mobiler zu machen, meist wird eine Mitarbeiteranbindung an die Unternehmenssoftware (z.B. Vertrieb, ERP, CRM) anvisiert.
  • Fachabteilungen haben die „kreativsten“ Wünsche: Usecases reichen von B2C- und B2B2C-Modellen bis hin zu reinen internen Apps für Mitarbeiter, die neue Workflows erschaffen (vertikale Modelle).

Wer entscheidet oder gibt den ausschlaggebenden Impuls für die App-Investition? Basierend auf der Gesamtzahl der konkreten Anfragen und der umgesetzten Projekte im laufenden Jahr zeigt sich laut Weptun folgende App-Entscheiderlandschaft in deutschen Firmen: Fachabteilungen (60 Prozent), CTOs (25 Prozent), Vorstände von Start-ups und KMU (15 Prozent). Weptun zufolge haben Fachabteilungen zunehmend Einfluss auf die IT-Investitionsprozesse von Unternehmen. Diesen Trend hätten bereits Marktforscher wie IDC in aktuellen Studien belegt. Für den Bereich Mobile scheint das nach Wahrnehmung von Weptun besonders stark zu gelten.

Als Motive für die Einführung von Apps – basierend auf den umgesetzten Projekten von Weptun aus dem Jahr 2013 – nennt Weptun neue Geschäftsfelder (45 Prozent), gefühlter ROI (25 Prozent), Anreize/Prozesse für Mitarbeiter (20 Prozent) und positive Auswirkungen auf die Marke (10 Prozent). 2013 gaben folgende Branchen Apps in Auftrag:

  • Nach Wahrnehmung von Weptun sind marktweit Automotive, Versicherungen und IT-Konzerne die First Mover.
  • Die Kunden von Weptun sind Softwarehersteller, Start-ups aus allen Bereichen und Firmen, die Mobile als neues Geschäftsfeld sehen oder Mitarbeiter unterstützen wollen.
  • Noch kaum in Erscheinung treten Industrie (bis auf Automotive), Zulieferer und große Bereiche des Handels (z.B. Autoteile).

Erfahrungen aus dem laufenden Geschäft

„Die Mehrheit der Kunden hat noch nicht erkannt, dass Apps den Stellenwert unternehmenskritischer Anwendungen haben können und sollten“, sagt Dr. Wolfgang Maison, Geschäftsführer von Weptun. Im Gegenteil: Apps würden oft unterschätzt, sowohl was den technischen Aufwand als auch den messbaren Nutzwert einer solchen Investition betrifft. Im Alltag ergibt sich:

  • App-Projekte sind aufwendiger als die Firmen denken und bereit sind zu zahlen: Sowohl die Kosten, die der Kunde veranschlagt als auch nötige Umfang der Investition werden oft nicht anerkannt. Vergleichbar aufwendige IT-Projekte haben häufig ein deutlich höheres Volumen.
  • Multiplattform-Apps sind für viele Firmen interessant, aber die Entscheidung dafür wird oft zu selten getroffen.
  • Apps als Unternehmens-IT: Es gibt nur sehr wenige Standards im Markt, es wird immer wieder von vorne entwickelt (Entwicklungsplattformen, Backend-Integration etc.)

An Unternehmen richtet Weptun folgende Empfehlungen:

  • Falls eine eigene IT-Abteilung vorhanden ist, kann es sinnvoll sein, selbst zu entwickeln – allerdings sollte man keine native SDK-Entwicklung wählen, sondern Plattformen wie Appcelerator, Phonegap und Appconkit nutzen.
  • Mobile ungleich Desktop: Viele Firmen übertragen Konzept und Layout ihrer Desktop-Anwendungen auf Apps. Das ist nicht sinnvoll, da die Projekte (vor allem die Benutzerführung) interpretiert und auf Mobile angepasst werden müssen. Nicht jeder Usecase ist sinnvoll. Beispiele für nicht sinnvolle Mobility-Konzepte sind Buchungs-Apps für Produkte, die Kunden in der Regel nicht mobil erwerben, Apps für Facility-Management ohne Offlinefähigkeit (Keller, Fabrikhallen), CRM-Apps für den Vertrieb ohne Anbindung an das Bestellsystem oder B2C-Apps ohne Analytics-Elemente.
  • Passgenaue Auswahl des Anbieters: Ein CRM-Dienstleister beispielsweise ist nicht unbedingt ein Mobility-Spezialist, auch wenn die Selbstbezeichnung des Unternehmens so lautet.

Fazit

Weptun zieht aus seinen Marktbeobachtungen und Analysen vier zentrale Schlüsse:

  • Die App-Branche wird seriöser: Immer mehr Kunden fragen Anwendungsentwicklungen für Apps auch im B2B-Umfeld nach. Kunden wissen immer besser, was sie wollen, auch Fachabteilungen haben zunehmend Einfluss. Inhouse-Apps nehmen ebenfalls zu.
  • Microsoft und Blackberry spielen aktuell keine große Rolle: iOS führt klar vor Android.
  • Es gibt zahlreiche Standards für die Entwicklung unterschiedlicher App-Typen. Viele nutzen beispielsweise noch immer keine standardisierte Anbindung von Backend-Systemen an Apps.
  • Kosten und Aufwand werden in der Regel unterschätzt. Apps erhalten bei Investitionsentscheidungen noch nicht den Stellenwert unternehmenskritischer IT.

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