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Laut Bundesverband sind Vectoring-Konfliktfälle wettbewerblich lösbar Buglas: Telekom zielt auf Remonopolisierung des Netzausbaus

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Aus Sicht des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas) hat sich die Zugangsverpflichtung zur letzten Meile für den wettbewerblichen Infrastrukturausbau bewährt. Eine Änderung der zugrundeliegenden Regulierungsverfügung lehnt der Verband daher ab.

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Buglas-Präsident Dr. Hans Konle: „Wettbewerbliche Einigungen dürften allemal effizienter sein als die aufwendige Änderung der bisherigen Regulierungsverfügung.“
Buglas-Präsident Dr. Hans Konle: „Wettbewerbliche Einigungen dürften allemal effizienter sein als die aufwendige Änderung der bisherigen Regulierungsverfügung.“
(Bild: Buglas)

Der Ende 2012 von der Telekom im Zusammenhang mit dem Einsatz von Vectoring bei der Bundesnetzagentur vorgelegte Antrag bestätigt nach Ansicht des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas) den bei Wettbewerbern, Kommunen und Investoren herrschenden Verdacht, dass der weitere Netzausbau nach dem Willen des ehemaligen Staatsunternehmens remonopolisiert werden soll.

Die Telekom hatte im Oktober angekündigt, die Vectoring-Technologie exklusiv einsetzen und die entbündelte Teilnehmeranschlussleitung (TAL) am Kabelverzweiger (KVZ) nicht mehr anbieten zu wollen. Nach massiven Protesten der Branche sei die Telekom jetzt zwar von einem Vectoring-Monopol abgerückt, Einschränkungen bei der KVZ-TAL-Bereitstellung solle es aber trotzdem geben.

„Telekom wie Wettbewerber könnten Vectoring grundsätzlich bereits heute überall dort einsetzen, wo die Technologie Bandbreitengewinne erwarten lässt“, erklärt Buglas-Präsident Dr. Hans Konle. „Einer Änderung der Regulierungsverfügung bedarf es dafür nicht. Einzig dann, wenn ein Kabelverzweiger von mehr als einem Carrier mit Glasfaser erschlossen wird und Vectoring möglich ist, bedarf es einer Lösung.“

Die Anzahl dieser Fälle sei aber verschwindend gering, so Konle: „Diese Situation ist bislang bei weniger als 600 der insgesamt über 300.000 Kabelverzweiger in Deutschland eingetreten. Da dürften wettbewerbliche Einigungen allemal effizienter sein als die aufwendige Änderung der bisherigen Regulierungsverfügung.“

Regulierung sei schließlich nicht dafür da, günstige Investitionsbedingungen für die Telekom zu schaffen, sondern chancengleichen Wettbewerb und die Förderung nachhaltig wettbewerbsorientierter Märkte zu schaffen sowie Infrastrukturinvestitionen zu fördern.

All dies könne der Buglas-Präsident hier jedoch nicht erkennen. Im Gegenteil: Die von der Telekom gewünschten Änderungen hätten das Potenzial, den Ausbau komplett zum Erliegen zu bringen.

Pferdefuß inklusive

„Im Telekom-Antrag sind zudem nach einer ersten Prüfung zwei Pferdefüße enthalten“, führt Konle aus. „Zum einen bleibt völlig unklar, ob und wenn ja unter welchen konkreten Bedingungen Carrier bei künftigen KVZ-Ausbauprojekten noch Zugang zu entbündelten TAL erhalten. Unter dieser Voraussetzung wird der KVZ-Ausbau in ländlichen Gebieten, der bisher fast ausschließlich durch die Wettbewerber erfolgt ist, aufgrund völliger Planungsunsicherheit zum Erliegen kommen.“

Zum anderen, so der Buglas-Präsident, halte der Antrag der Telekom die Hintertür offen, künftig auch die entbündelte Teilnehmeranschlussleitung am Hauptverteiler (HVT-TAL) nicht mehr bereitzustellen, wenn dies den Einsatz von Vectoring störe. Wann dies der Fall sei, wisse die Telekom, so Konle, offensichtlich selber nicht.

„Die besten „Spielregeln“ beim Einsatz von Vectoring durch alle Marktteilnehmer sind vor dem Hintergrund all dessen die bisherigen Spielregeln aus der bestehenden Regulierungsverfügung“, fasst Konle die Verbandsposition zusammen. „Das bewährte Regulierungsregime erhält die Planungssicherheit für Breitbandausbauprojekte, alle können die neue Technologie dort einsetzen, wo sie zur Verbesserung der Breitbandversorgung beitragen kann. Und für die äußerst geringe Anzahl an möglichen Konfliktfällen werden sich schnell und effizient Verhandlungslösungen finden.“

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