Zugangseinschränkung zur letzten Meile gefährdet den Breitbandausbau

Buglas lehnt Vectoring-Antrag der Telekom weiterhin ab

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer: „Es kann nicht sein, dass die von den Wettbewerbern bereits getätigten Investitionen in den Ausbau von KVZ von jetzt auf gleich entwertet werden sollen.“
Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer: „Es kann nicht sein, dass die von den Wettbewerbern bereits getätigten Investitionen in den Ausbau von KVZ von jetzt auf gleich entwertet werden sollen.“ (Bild: Buglas)

Nach Meinung des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas) möchte die Telekom mit Vectoring nicht die Breitbandversorgung verbessern, sondern Infrastrukturunternehmen ausbremsen und mit einem leistungsschwachen virtuellen Vorleistungsprodukt abspeisen.

Der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) hat bei der mündlichen Verhandlung der Bundesnetzagentur am 24. Januar 2013 seine ablehnende Haltung gegenüber dem von der Telekom eingereichten Vectoring-Antrag bekräftigt. Dem Incumbent gehe es nach einhelliger Meinung aller bei der Anhörung vertretenen Verbände und anderer Beteiligter nicht darum, durch den Einsatz von Vectoring die Breitbandversorgung in Deutschland zu verbessern. Vielmehr sollten alternative Infrastrukturunternehmen nach Belieben ausgebremst und mit einem leistungsschwachen virtuellen Vorleistungsprodukt abgespeist werden.

Damit käme nach Auffassung des Buglas und der anderen Marktteilnehmer der Breitbandausbau im ländlichen Raum fast vollständig zum Erliegen. Die Telekom hatte kurz vor Weihnachten einen Antrag zur Änderung der Regulierungsverfügung bei der Bundesnetzagentur eingereicht, um künftig Wettbewerbern den Zugang zur entbündelten letzten Meile abkündigen zu können.

„Die von der Telekom zur Begründung ihres Antrags vorgebrachten Behauptungen gehen allesamt an der Realität vorbei“, wertete Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer in seinem Statement. „Die Telekom gibt vor, die Breitbandziele der Bundesregierung seien nur dann erreichbar, wenn ihrem Vorhaben zugestimmt werde.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Rein rechnerisch lassen sich die politischen Bandbreitenziele überhaupt nur dann erreichen, wenn die Versorgung im ländlichen Raum verbessert wird“, führte Heer aus. „Gerade hier haben die Wettbewerber bis heute mehr als vier Mal so viele Kabelverzweiger (KVZ) ans schnelle Internet angebunden wie die Telekom.“ Angesichts weiterer bereits projektierter Ausbauprojekte wird sich die Anzahl der von den Wettbewerbern mit Glasfaser angeschlossenen KVZ nach Auffassung des Buglas-Geschäftsführers in den kommenden fünf Jahren auf dann mehr als 15.000 verdoppeln.

Fragwürdiges Argument

Auch das von der Telekom vorgebrachte Argument des Investitionsschutzes lässt der Buglas nicht gelten. „Seit Jahren werden die Investitionen im Telekommunikationsmarkt von Wettbewerbern und Telekom jeweils zur Hälfte gestemmt“, führte Heer aus. „Warum sollte der KVZ-Ausbau der Telekom unter Investitionsschutz stehen, der der Wettbewerber aber nicht?“

Zudem sei der Infrastrukturwettbewerb im neuen Telekommunikationsgesetz festgeschrieben. „Dann kann es nicht sein, dass die von den Wettbewerbern bereits getätigten Investitionen in den Ausbau von KVZ von jetzt auf gleich entwertet werden sollen“, so der Buglas-Geschäftsführer weiter. Zumal das Wohl und Wehe des weiteren KVZ-Ausbaus dann allein in den Händen der Telekom liege. Diese habe sich in den vergangenen Jahren jedoch bei der Umsetzung angekündigter Ausbauvorhaben außerhalb der großen Städte nicht sonderlich hervorgetan.

„Und schließlich ist auch die von der Telekom als Bestandskundenschutz verbrämte Möglichkeit zur Abwehr einer Kündigung zur entbündelten Teilnehmeranschlussleitung eine Farce“, sagte Heer. „Gemäß Telekom-Antrag müssten Wettbewerber dann innerhalb kürzester Zeit in ihren Ausbaugebieten in Vectoring investieren, unabhängig von technischen Einsatzmöglichkeiten und tatsächlicher Nachfrage.“ Die Potenziale von Vectoring lassen sich nach Auffassung des Buglas am besten im Wettbewerb heben. Damit brauche auch das bewährte Regulierungsregime zur Entbündelung der Teilnehmeranschlussleitung nicht geändert zu werden, wodurch von den Wettbewerbern getätigte Investitionen entwertet, geplante Investitionen verhindert und Investoren verunsichert würden. Für die im Promillebereich liegenden Fälle, dass zwei Marktteilnehmer Vectoring und VDSL an einem KVZ einsetzen wollten, könnten wettbewerbliche Vereinbarungen oder Einzelfallentscheidungen des Regulierers minimalintensiv weiterhelfen.

Der Buglas hat bei der Bundesnetzagentur eine umfangreiche Stellungnahme zum Telekom-Antrag eingereicht, die in Kürze auf der Internetseite des Verbands eingestellt werden soll. Der Buglas vertritt die Interessen der Carrier, die in Deutschland hochleistungsfähige Glasfasernetze errichten und betreiben.

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