19 Endgerätehersteller fordern Abschaffung des Routerzwangs

BITMi: „Routerzwang hemmt Innovationen“

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

BITMi-Präsident Dr. Oliver Grün: „Ein Routerzwang birgt schwerwiegende Gefahren sowohl für die Netzneutralität als auch für den Datenschutz“.
BITMi-Präsident Dr. Oliver Grün: „Ein Routerzwang birgt schwerwiegende Gefahren sowohl für die Netzneutralität als auch für den Datenschutz“. (Bild: BITMi)

Im Rahmen einer Anhörung zum Thema Routerzwang haben der Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi) und 19 Endgerätehersteller die Bundesnetzagentur aufgefordert, den Routerzwang bundesweit abzuschaffen und den freien Markt für Telekommunikationsendgeräte wiederherzustellen.

Die Bundesnetzagentur stellte in einem Fragenkatalog zum Netzabschlusspunkt neben der TAE-Dose drei bislang nicht gebräuchliche „Leitungsabschlussgeräte“ vor. Bislang gilt die TAE-Dose als Netzabschlusspunkt und erlaubt den DSL-Nutzern mit ihren Endgeräten den uneingeschränkten physischen Zugang zum Übertragungsmedium DSL und zu den darüber erbrachten Diensten.

Der Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi) hat sich klar gegen einen Routerzwang positioniert. In einer Stellungnahme an die Bundesnetzagentur fordert der BITMi, für DSL die „Dose an der Wand“ als Netzabschlusspunkt beizubehalten. „Wir müssen sicherstellen, dass jeder Nutzer sein Endgerät frei auswählen kann und dass Provider gesetzlich verpflichtet sind, ihren Kunden auf Anfrage die DSL-Zugangsdaten zu übermitteln“, sagte BITMi-Präsident Dr. Oliver Grün.

Weniger Wettbewerb führt zu schlechteren Produkten

Der BITMi sieht durch einen Routerzwang vor allem den Wettbewerb und die Innovation im deutschen Markt stark gefährdet. Seit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes habe sich ein innovativer und dynamischer Markt für Spitzenprodukte auch aus mittelständischen deutschen TK-Herstellern entwickelt. „Abgesehen von offensichtlichen Nachteilen für Nutzer führt weniger Wettbewerb zu schlechteren Produkten und höheren Sicherheitsgefahren“, warnt Grün und erklärt: „Bei den meisten vorgeschlagenen Modellen der Bundesnetzagentur ist eine Vermischung der Grenzen zwischen öffentlichem Netz und privatem Endgerät und damit eine Erweiterung der Kontrolle der Provider vorgesehen. Wir sehen hier schwerwiegende Gefahren sowohl für die Netzneutralität als auch für den Datenschutz“, erklärt Grün.

Potenzielle Sicherheitsprobleme durch „ Monokulturen“

19 TK-Endgerätehersteller* gaben in einer gemeinsamen Stellungnahme zu bedenken, dass eine stark eingeschränkte Auswahl an Endgeräten zu Geräte-„Monokulturen“ mit größeren potenziellen Sicherheitsproblemen führen kann. Auch würden sich mit den Geräten zusätzliche Fragen zur Netzneutralität stellen. Besonders schwer wiege die Aufgabe der Privatsphäre im Heim- oder Firmennetzwerk, falls Router als Leitungsabschlussgeräte unter die Hoheit der TK-Netze fallen sollten. Anstatt für alle Zugangstechnologien (DSL, Kabel, LTE, Glasfaser und andere) neu zu bestimmende nicht standardisierte Leitungsabschlussgeräte zu definieren, fordern die Hersteller die Bundesnetzagentur auf, zur Einstufung der TAE-Dose als einzigen DSL-Netzabschlusspunkt zurückzukehren. Die von einigen Netzbetreibern vorgesehenen Einschränkungen für die Einführung von „Managed Services“ könnten allesamt innerhalb der TK-Netze realisiert werden, sodass ein Leitungsabschlussgerät auch hierfür nicht erforderlich sei.

* Aastra, Agfeo, Auerswald, AVM, Buffalo Technologies, Devolo, D-Link, Draytek, Ikanos Communications, Lancom, Lantiq, Nextragen, Patton-Inalp Networks, Snom Technology, TAS, Technisat Digital, Teldat, Tiptel.Com, Viprinet.

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