ITK-Umsätze steigen 2017 um 1,2 Prozent

Bitkom: Deutscher ITK-Markt über 160 Mrd. Euro schwer

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Die Informationstechnologie kann Bitkom zufolge 2016 um 3,6 Prozent auf 84 Mrd. Euro zulegen und ist derzeit Wachstumstreiber im ITK-Markt.
Die Informationstechnologie kann Bitkom zufolge 2016 um 3,6 Prozent auf 84 Mrd. Euro zulegen und ist derzeit Wachstumstreiber im ITK-Markt. (Bild: Bild: © - blobbotronic - Fotolia.com)

Der Umsatz mit Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik wird im laufenden Jahr auf 160,5 Mrd. Euro steigen. Dies teilt der Digitalverband Bitkom mit und bekräftigt damit seine Wachstumsprognose von 1,7 Prozent für den deutschen Markt.

„Angesichts wirtschaftlicher Turbulenzen wie der Entscheidung der Briten über den Austritt aus der EU sowie neuerlichen Sorgen um den Bankensektor ist es eine gute Nachricht, dass wir unsere Prognose aus dem Frühjahr bestätigen können“, sagt Bitkom-Präsident Thorsten Dirks. „Das Umsatzwachstum belebt auch den Arbeitsmarkt. Die Unternehmen der Bitkom-Branche werden im laufenden Jahr mindestens 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen.“ Damit werde die ITK-Branche in Deutschland zum Jahresende 1.030.000 Menschen beschäftigen und ihre Rolle als zweitgrößter industrieller Arbeitgeber knapp hinter dem Maschinenbau festigen. Zugleich mahnt Dirks, dass Deutschland gegenüber Ländern mit einer starken Digitalwirtschaft wie den USA aufholen müsse. „In den USA wächst der ITK-Markt doppelt so schnell wie bei uns“, so Dirks. „Die digitale Transformation gibt es nicht zum Nulltarif. Wir brauchen mehr Investitionen in digitale Technologien, wenn die digitale Transformation gelingen soll.“

Wachstumstreiber Informationstechnologie

Die Informationstechnologie kann nach Bitkom-Angaben 2016 um 3,6 Prozent auf 84 Mrd. Euro zulegen. Vor allem die Geschäfte der Softwareanbieter werden mit einem Plus von 6,2 Prozent auf 21,6 Mrd. Euro überdurchschnittlich wachsen. Die Umsätze mit IT-Services, in denen sich Aufträge aus der Digitalisierung der Unternehmen besonders stark widerspiegeln, verzeichnen einen Anstieg um 2,7 Prozent auf 38,2 Mrd. Euro. IT-Hardware legt um 2,8 Prozent auf 24,3 Mrd. Euro zu.

Telekommunikation rutscht ins Minus

Nach einem kurzen Zwischenhoch im Jahr 2015 werden die Umsätze der Telekommunikation der Prognose zufolge um 0,4 Prozent auf 66,9 Mrd. Euro zurückgehen. Deutlich schwächer läuft vor allem das Geschäft mit TK-Endgeräten, das um 2,1 Prozent auf 11,1 Mrd. Euro schrumpft. Hintergrund seien die erstmals sinkenden Umsätze mit Smartphones (minus 1,5 Prozent auf 10,4 Mrd. Euro). „Die Nachfrage nach Smartphones ist weiterhin ungebrochen, die Absatzzahlen erreichen neue Rekordmarken. Doch angesichts sinkender Durchschnittspreise für die Geräte gehen die Umsätze zurück“, sagt Dirks. Nach wie vor im Minus sind die Umsätze mit Festnetz- und Mobildiensten, die auch aufgrund von Regulierungseffekten um 0,3 Prozent auf 49,2 Mrd. Euro zurückgehen. Positiv entwickelt sich hingegen das Geschäft mit Infrastruktursystemen, das um 2,1 Prozent auf 6,6 Mrd. Euro zulegen kann. „Die gegenläufige Entwicklung bei den Umsätzen mit Diensten einerseits und Infrastruktursystemen andererseits macht ein Dilemma der Telekommunikationsbranche deutlich: Die Netzbetreiber müssen weiter stark in den Netzausbau investieren, während die Einnahmen aus ihrem Kerngeschäft mit Telekommunikationsdiensten rückläufig sind“, so Dirks.

Unterhaltungselektronik: Abwärtstrend schwächt sich ab

In der Unterhaltungselektronik sinken die Umsätze nur mehr geringfügig um 0,9 Prozent auf 9,5 Mrd. Euro. Positiv habe hier die steigende Nachfrage nach TV-Geräten dank der Sportgroßereignisse Fußball-Europameisterschaft und Olympische Spiele gewirkt.

Prognose 2017: plus 1,2 Prozent

2017 erwartet Bitkom für den ITK-Gesamtmarkt ein Plus von 1,2 Prozent auf 162,4 Mrd. Euro. Ursache für die etwas niedrigere Wachstumsrate seien neben dem leicht abgeschwächten Wachstum der Gesamtwirtschaft vor allem ein erwartet schwächeres Geschäft mit IT-Hardware wie Desktop-PCs und Notebooks sowie ein stärkerer Rückgang bei den Umsätzen mit Festnetz- und Mobildiensten aufgrund von Preiswettbewerb und Regulierungseffekten.

Bitkom-Präsident Dirks appelliert an die Politik, den Rest der Legislaturperiode für weitere entschiedene Maßnahmen zur Digitalisierung zu nutzen. Ganz oben auf der Agenda müsse der Breitbandausbau, vor allem aber auch die Unterstützung besonders des Mittelstands bei der digitalen Transformation stehen. „Auch Bitkom leistet dazu seinen Beitrag. Wir werden am 31. Oktober in Saarbrücken unsere Mittelstandstour starten und Digital-Know-how in zehn Städten direkt zu den Geschäftsführern und Entscheidern in mittelständischen Unternehmen bringen“, kündigt Dirks an. Zugleich fordert er gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern, um Digitalkompetenz bereits in der Schule zu vermitteln. Unter anderem sei dazu ein Pflichtfach Informatik ab der 5. Klasse und Englisch ab Klasse 1 notwendig. Außerdem müsse die Weiterbildung im Beruf gefördert werden. Um die Digitale Transformation erfolgreich zu gestalten, müsse darüber hinaus die Digitalisierung der Verwaltung zügiger vorangetrieben werden. Dirks: „In unserer Behörden ist der Alltag in viel zu vielen Fällen noch analog, unvernetzt, ineffizient – eher 1996 als 2016.“

Auf gutem Weg sei das auf dem IT-Gipfel 2015 angekündigte Konzept der digitalen Hubs. „In ziemlich genau einem Monat, beim nächsten IT-Gipfel in Saarbrücken, werden wir bereits konkrete Ergebnisse sehen“, sagt Dirks. Die digitalen Hubs sind Orte, an denen rund um die deutschen Leitbranchen wie Automobil, Logistik, Banken, Versicherungen oder Gesundheitswesen große und mittlere Unternehmen mit Start-ups zusammenkommen. „Kombiniert mit wissenschaftlicher Expertise und Forschung werden sie dort digitale Ökosysteme bilden. Solche Orte der digitalen Transformation werden für Unternehmen aus der ganzen Welt attraktiv sein“, sagt Dirks.

Hinweis zur Methodik

Den Marktprognosen liegen neueste Untersuchungen des European Information Technology Observatory (EITO) zugrunde. EITO liefert aktuelle Daten zu den weltweiten Märkten der Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. EITO ist ein Projekt der Bitkom Research GmbH in Zusammenarbeit mit den Marktforschungsinstituten IDC und GfK.

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