Kommentar: Networking im Griff der proprietären Giganten

Aus SDN und NFV muss „Open Networking“ werden

| Autor / Redakteur: Alexander Thiele / Andreas Donner

Alexander Thiele, Director Enterprise Solutions, Dell Networking Deutschland fordert wirklich quelloffenes SDN.
Alexander Thiele, Director Enterprise Solutions, Dell Networking Deutschland fordert wirklich quelloffenes SDN. (Bild: Dell)

Das Networking ist zum Dinosaurier des Rechenzentrums geworden. Während Leistungen, Bandbreiten und Services in den Netzwerken erheblich ausgebaut wurden, veränderten sich Konzeption und Funktionalitäten der Netze nur wenig. Es blieb starr und wenig anpassungs­fähig – nach wie vor dominieren die proprietären Technologien großer Anbieter.

Virtualisierungs-Technologien wie Software-Defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV) könnten das Netzwerk aus dem Griff der proprietären Giganten befreien. Allerdings hat nicht jeder Hersteller ein Interesse an der Ablösung der geschlossenen Systeme.

So bietet man zwar SDN- und NFV-Lösungen an, doch diese sind nicht weniger proprietär als ihre Vorgänger. Auf diese Weise wird nicht die Unabhängigkeit und Flexibilität einer tatsächlich offenen Vernetzung erreicht, sondern es werden die geschlossenen Systeme festgeschrieben.

Die betreffenden Anbieter profitieren natürlich davon, dass sie die Kunden von ihren Legacy-Systemen abhängig gemacht haben. Einigen potentiellen Anwendern erscheinen die offenen Netzwerke im Vergleich zu proprietären Lösungen der bekannten Anbieter als riskanter – bei einem großen Namen glaubt man sich oft gut aufgehoben. Fraglich bleibt, ob festgezurrt gleich gut ist.

Gerade deshalb müssen die Anbieter offener Vernetzung vor allem eine breite Unterstützung der Anwender sicherstellen. Damit lässt sich die Schwellenangst beim Einsatz der offenen Technologien überwinden. Dabei ist die Entwicklung eines offenen Eco-Systems vertrauenswürdiger Anbieter von Open-Networking-Lösungen besonders wichtig. Anwender benötigen unternehmensübergreifend gemeinsame Ansprechpartner und einheitliche Verantwortlichkeiten.

Hersteller offener Lösungen müssen dabei auch Partner vor Ort einbinden, um die eigenen Beratungs- und Supportleistungen zu ergänzen. Auf diese Weise können sie die Beratung, Unterstützung und Sicherheit, die die Unternehmen von den proprietären Lösungen her gewohnt sind, mit der Flexibilität von Open Networking verbinden.

SDN und NFV haben die technische Fähigkeit, traditionelles Networking umzukrempeln, aber für sich schaffen beide noch keine Offenheit. Sollte es traditionellen Anbietern gelingen, diese Entwicklung zu dominieren, so wird der proprietäre Status quo weiter erhalten bleiben. Insofern sind SDN und NFV nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Chance; das Ziel aber muss Open Networking sein.

Über den Autor

Alexander Thiele ist Director Enterprise Solutions bei Networking, Deutschland.

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