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Vodafone und Telekom ziehen altem Funknetz den Stecker Aus für 3G

| Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Nach über 20 Jahren ist Schluss: Das Mobilfunknetz der dritten Generation, kurz 3G, wird abgeschaltet. Es ermöglichte erstmals mobiles Surfen mit annehmbarem Tempo. Für IoT-Anwendungen hat die Abschaltung keine Auswirkungen.

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Altes weicht Neuem: Die Deutsche Telekom wird bislang von 3G belegte Frequenzen für 4G- und 5G-Mobilfunk nutzen.
Altes weicht Neuem: Die Deutsche Telekom wird bislang von 3G belegte Frequenzen für 4G- und 5G-Mobilfunk nutzen.
(Bild: Deutsche Telekom AG)

Die Deutsche Telekom wird 2021 ihr 3G/UMTS-Mobilfunknetz in Deutschland abschalten. Konkret nennt der Konzern den 30. Juni nächsten Jahres. Auch Wettbewerber Vodafone hat für dieses Datum den Ausstieg aus der mittlerweile veralteten Technik angekündigt. Die Telekom verspricht, alle Altverträge ohne Zusatzkosten auf LTE aufzurüsten.

Fakt ist, dass der parallele Betrieb von drei oder vier Mobilfunknetzen weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Das 3G-Netz blockiert Frequenzen für die schnelleren 4G- und 5G-Netze. Außerdem hatte die Bundesnetzagentur den Providern während der Frequenzauktion 2015 zur Auflage gemacht, dass bereits Ende 2019 98% der deutschen Haushalte mit mindestens 50 MBit/s schnellem LTE versorgt werden müssen. Während die Deutsche Telekom diese Marke schaffte, konnte Anbieter Telefonica/O2 einer empfindlichen Strafzahlung nach einer verlängerten Frist Ende Juli nur knapp entgehen.

3G-Abschaltung trifft auch 4G- und 5G-Nutzer

Daher kommt die 3G-Abschaltung nicht überraschend. Doch wird dieser Schritt nicht nur die vielen Millionen Bundesbürger treffen, die noch mit alten, nicht LTE-fähigen Endgeräten und SIM-Karten unterwegs sind (gerade Prepaid-Tarife bieten oft kein LTE). Sondern möglicherweise auch solche Anwender, die bereits 4G- oder sogar 5G-Verträge und entsprechende Endgeräte nutzen.

Der Grund: 98% Abdeckung der Haushalte heißt nicht, dass LTE auf 98% der Fläche Deutschlands verfügbar ist. Gerade in ländlichen Gebieten und entlang vieler Bahnstrecken ist die LTE-Abdeckung nach wie vor unterirdisch schlecht. Wenn die Endgeräte kein 4G oder 5G-Netz finden, schalten sie einen Gang zurück – bislang war das 3G. Ist auch 3G nicht vorhanden, folgt die nächste Stufe darunter: 2G. Das ist gleichzusetzen mit „Surfen unmöglich“.

Hier ist aber anzunehmen, dass die Provider die bislang durch 3G belegten Ressourcen direkt für 4G oder 5G aufrüsten und Funklöcher möglichst rasch stopfen. Hoffnung besteht: „Durch die 3G-Abschaltung nächsten Sommer können wir unser Netz weiter verbessern“, sagt Dirk Wössner, Telekom Deutschland-Chef. „Das freiwerdende 3G-Frequenzspektrum nutzen wir für die neuen Techniken. Wir wollen LTE für alle und bauen jeden Tag an Deutschlands größtem 5G Netz.“

Gut für IoT: MQTT weiterhin nutzbar

Das GSM-Mobilfunknetz der zweiten Generation, kurz 2G/EDGE, bleibt übrigens weiter in Betrieb. Es stellt grundlegende Funktionen für SMS und Sprachanrufe bereit. Darunter ist auch das Signalisierungsprotokoll USSD (Unstructured Supplementary Service Data), das winzige Datenpakete mit maximal 160 Byte übertragen kann.

USSD wiederum ist die Basis für MQTT (Message Queuing Telemetry Transport), das wohl erste „echte“ für die Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) entworfene Netzwerkprotokoll. Auch NB-IoT und LTE Cat M1 bleiben vom 3G-Ableben unberührt. Beide mit 4G eingeführten Standards für M2M-Kommunikation werden auch in 5G übernommen.

Nach über 20 Jahren ist Schluss mit 3G

Vor rund 20 Jahren hatte die dritte Mobilfunk-Generation 3G/UMTS das mobile Internet-Zeitalter eingeläutet. Die Erweiterungen HSPA und HSPA+ sorgten für annehmbare Surfgeschwindigkeiten. Aus heutiger Sicht gehört die Technik aber längst zum alten Eisen. Seit etwa zehn Jahren gibt es die vierte Mobilfunk-Generation 4G/LTE. Sprachqualität und Datenübertragungstempo verbesserten sich damit deutlich – zumindest dort, wo die 4G-Endgeräte passende Gegenstellen finden.

Inzwischen läuft bei den großen Mobilfunkanbietern der 5G-Ausbau auf Hochtouren. Laut Telekom steht das eigene Netz bereits der Hälfte der deutschen Bevölkerung zur Verfügung. Diese konzentriert sich allerdings nach wie vor auf Ballungszentren. Wie bei 4G schaut die Landbevölkerung also zunächst einmal in die Röhre. Immerhin nutzen 4G und 5G die bislang von 3G belegten Frequenzressourcen erheblich besser aus, so dass sich die Netzqualität sukzessive verbessern dürfte.

LTE in allen Tarifen ohne Zusatzkosten

Damit Kunden die neuen Mobilfunkstandards nutzen können, müssen der Tarif und das verwendete Gerät die jeweilige Technik unterstützen. Die Telekom hat die Umstellung für ihre Kunden nach eigenen Angaben durch verschiedene Maßnahmen bereits gut vorbereitet, „damit sie früh von der Netzmodernisierung profitieren können“.

Egal welchen Tarif ein Telekom-Kunde nutzt – er soll ohne Zusatzkosten für die Nutzung von 4G/LTE erweitert werden. „Bereits heute sind nahezu alle Verträge für die Nutzung von 4G/LTE freigeschaltet. Und bis zur Abschaltung von 3G im Sommer 2021 werden auch die wenigen Restbestände den Zugang zum LTE-Netz bekommen“, verspricht Wössner. Beim Wechsel auf einen aktuellen Tarif soll zudem zusätzlich zu 4G/LTE in vielen Fällen sogar die 5G-Nutzung inklusive sein. Auch alle Drittanbieter sollen mittlerweile Zugriff auf LTE im Telekom-Netz haben und entsprechende Angebote für ihre Kunden schnüren können.

Telefonate auch mit alten Telefonen weiterhin möglich

Telefonate laufen nach der Abschaltung von 3G entweder über 2G oder im 4G-Netz per Voice-over-LTE (VoLTE, Sprache über LTE). Über das 2G-Netz können also auch Kunden ohne moderne Geräte weiterhin miteinander sprechen. Wer ausschließlich telefonieren will, braucht also kein neues Telefon. Das 2G-Netz hat eine Bevölkerungsabdeckung von über 99%.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Elektronikpraxis.

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