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Intel gibt SoCs für Smartphones und Tablets auf Atomausstieg nun auch bei Intel

| Autor / Redakteur: Klaus Länger / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Seit Jahren müht sich Intel ohne Erfolg um mehr Marktanteile bei CPUs für Smartphones und Tablets. Nun zieht die Firma den Stecker und stellt die Atom-Prozessoren für diese Geräte ein.

Exit für einige Atom-Prozessoren: Intel steigt aus dem SoC-Geschäft für Smartphones und Android-Tablets aus.
Exit für einige Atom-Prozessoren: Intel steigt aus dem SoC-Geschäft für Smartphones und Android-Tablets aus.
(Bild: Intel)

Die Restrukturierung bei Intel mit der Entlassung von etwa 12.000 Mitarbeitern trifft nicht nur den schwächelnden Bereich der PC-Prozessoren. Bei den SoCs für Android-Tablets und Smartphones ist der Einschnitt noch härter: Der Chip-Hersteller stellt die System-on-a-Chip-Modelle Sofia und Broxton ein.

Allerdings führt Intel nur einen Teilausstieg aus der eigenen Atom-Technologie durch. Denn bei den für Windows-10-Geräte bestimmten Atom-Prozessoren der Cherry-Trail-Familie und den kommenden Apollo-Lake-Prozessoren geht es wohl weiter.

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Das waren Sofia und Broxton

Sofia war der Codename für die auf dem Mobile World Congress 2015 vorgestellten Atom-Modelle der x3-Serie. Die 64-Bit-Prozessoren mit zwei oder vier Kernen waren für preisgünstige Android-Smartphones, Phablet oder Tablets bestimmt. Bei der Entwicklung des Modells x3-C3230RK kooperierte Intel mit dem chinesischen Prozessorhersteller Rockchip. Die Mali-Grafikeinheit der drei Prozessoren hatte Intel pikanterweise bei ARM lizenziert, wohl um hier Treiberproblemen aus dem Weg zu gehen. Die Herstellung der Prozessoren erfolgte nicht bei Intel selbst, sondern in einem günstigen 28-nm-Prozess bei TSMC. Einige Geräte mit x3-SoCs des chinesischen Herstellers wurden in Barcelona gezeigt. Sie waren primär für den asiatischen Markt gedacht und auch dort wohl nicht sehr erfolgreich.

Broxton sollte leistungsfähigere Smartphones und Tablets antreiben und eher mit den ARM-Prozessoren von Qualcomm konkurrieren. Die eigentlich schon für 2015 geplante Broxton-Serie basierte auf der 14-nm-Goldmont-Architektur und sollte mit einer sehr schnellen GPU aufwarten. Doch schon vor dem Start der Vorserienproduktion hat Intel die Notbremse gezogen.

Von ARM zu Atom

Mit diesen Einschnitten beendet Intel ein Projekt, das mit der Vorstellung von Android für x86-Prozessoren auf dem Intel Developer Forum 2011 begonnen hatte. Ursprünglich eingeführt wurde die Atom-Baureihe bereits 2008 für die damals neue Gattung der Netbooks. Auch die MIDs (Mobile Internet Device) arbeiteten mit Atom-Prozessoren. Mit dem Erfolg des iPhones verschwanden die kleinen Tablets mit Slider-Tastatur und Linux oder Maemo als Betriebssystem schnell in der Versenkung.

Mit Xscale gab es eine Zeit lang sogar ARM-Prozessoren von Intel. Sie wurden beispielsweise für PDAs und einige Smartphones der ersten Generation von Palm oder Blackberry sowie für einige Windows-Mobile-Geräte verwendet. 2006 verkaufte Intel die komplette Sparte an Marvell, um sich auf x86-Prozessoren zu konzentrieren.

Kostspieliges Verlustgeschäft

Android auf Atom war allerdings alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Denn der Siegeszug des Google-Betriebssystems fand auf Smartphones und Tablets mit ARM-Prozessoren statt. Und selbst hier waren Hersteller wie Texas Instruments oder Nvidia dem harten Konkurrenzkampf nicht gewachsen. Da Intel seine ARM-Konkurrenten erst ab Mitte 2012 liefern konnte, war der Chip-Gigant gezwungen, die Tablet- und Smartphone-Hersteller sogar dafür zu bezahlen, dass sie Atom-SoCs einsetzten.

Auf 4,5 Milliarden US-Dollar summierte sich daher der Verlust der Mobile and Communications Group im Geschäftsjahr 2014. Deren Chef, der mit Infineon übernommene Professor Hermann Eul, musste seinen Hut nehmen. Die Mobile-Sparte wurde bei den PC-Prozessoren angegliedert.

Weiter mit 5G

Das Ende von Sofia und Broxton bedeutet aber nicht den Schlussstrich unter Intels Mobile-Engagement. Ein Teil der Entwickler wird wohl bei Intel bleiben können und in die Funkmodul-Sparte wechseln. Denn bei der Entwicklung der 5G-Technologie ist Intel vorn mit dabei. Laut Branchengerüchten soll Intel mit Apple über die Lieferung von 5G-Funkchips für kommende iPhones verhandeln und würde Qualcomm aus dem Feld schlagen.

Intel auf dem Prüfstand

Ein wesentlicher Faktor für die Reorganisation von Intel und die Entlassungen dürfte Dr. Venkata „Murthy“ Renduchintala sein. Intel-CEO Brian Krzanich hat den Manager aus der Führungsriege bei Qualcomm abgeworben und zum President für das Client- und Internet-of-Things-Geschäft sowie die Systems Architecture Group gemacht. Diese Funktion wurde extra für Renduchintala eingerichtet, der damit zum Chef von Kirk Skaugen und Doug Davis wurde, die daraufhin beide das Unternehmen verließen. Die beiden Intel-Führungskräfte hatten als Chef der PC-Chips-Sparte und Leiter der IoT-Abteilung direkt an Krzanich berichtet. Renduchintala soll von Krzanich damit beauftragt worden sein, alle Bereiche von Intel auf den Prüfstand zu stellen. Das Ergebnis der Untersuchung hat sicher entscheidend zu der neuen Intel-Strategie beigetragen. Sie setzt auf Wachstum in den Bereichen Cloud-Computing, IoT, spezialisierte Prozessoren mit FPGAs und dann erst das traditionelle Geschäft mit PC-Prozessoren.

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