Lotus Notes User Group 2007 – IBM forciert UCC

Anwender sehen Unified Collaboration Communications aus einer Hand mit Skepsis

20.06.2007 | Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Andreas Donner

Allzu verführerisch ist die Vielfalt an Web 2.0-Technologien, um die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation bis hin zur multimedialen Echtzeitkollaboration zu verschmelzen. Auch IBM setzt ganz auf das Mitmach-Web und integriert zahlreiche neue Funktionalitäten in sein Application Framework.

In der Praxis wirft das Projektmanagement bei der Integration unterschiedlicher Medien in ein übergreifendes Lösungskonzept mit Hilfe von Unified Communications einige komplexe Fragestellungen auf – dies wurde auf der Frühjahrskonferenz der Deutschen Lotus Notes User Group (DNUG) deutlich. Als der Treiber im Mitmach-Web fungiert nach Auffassung von Peter Schütt, Leiter Knowledge Management bei IBM Deutschland, derzeit vor allem die Echtzeitkommunikation (Instant Messaging).

Entsprechende Anwendungen seien heute bereits auf mobilen Endgeräten wie dem Blackberry verfügbar, bilanziert der Experte von IBM. Spätestens wenn Call Center und Kundendienst rascher und kompetenter reagierten, lägen die Business-Potenziale neuer Web-2.0-Technologien auf der Hand, weil die Mitarbeiter binnen Sekunden auf bislang verstreute Informationsbestände zugreifen könnten und dadurch bessere Antworten parat hätten.

Entsprechende mobile Endgeräte wie PDAs ließen sich sogar in eine Service Orientierte Architektur (SOA) einbinden, verdeutlichte eine RIM Lab Session an dem von IBM gesponsorten ersten DNUG Konferenztag. Der auf Software, Hardware und Service getrimmte Technologiekonzern IBM präsentierte dabei anhand seines eigenen Produktportfolios den Stand der Dinge, die Möglichkeiten der Kommunikation mit der Zusammenarbeit über eng gesteckte Firmengrenzen hinaus über unterschiedliche Kanäle und Medienbrüche hinweg zu verschmelzen.

Eine effektive Zusammenarbeit sei ein betrieblicher Imperativ, betonte Ken Bisconti, Vice President of Messaging and Collaborations Products bei IBM Software. Auch die Marktforscher von Gartner sehen den „High Performance Workplace“ im Kommen, wodurch die Vorherrschaft von Microsoft bei Office Produkten erheblich in Frage gestellt sei. Auch Forrester Research sieht den „Information Worker“ der Marke Web 2.0 auf dem Vormarsch.

Freilich stellt die Konvergenz von Portallösungen, Produktivitätstools, Collaboration, Workflow, Email-Systemen und anderen Anwendungen für die Unternehmen eine große Herausforderung dar. So sind dadurch etwa proprietäre Formate und Interfaces in Frage gestellt. Im Kommen sind offene Ansätze wie Open Document Format, Open XML, RSS und Mash ups. Ob Web 2.0-Technologien einen Ausweg aus der Integrationsfalle mit Blick auf serviceorientierte Architekturen (SOA) weisen, ist unter Experten jedoch heiß umstritten.

Application Framework: Domino, Sametime, Quickr, Connections und Websphere Portal

Neudeutsch ausgedrückt bezeichnen Experten diesen Trend, dem Web 2.0-Technologien neue Flügel verleihen sollen, als Unified Collaboration & Communications (UCC). Innerhalb dieses Rahmens bilden Lotus Domino (E-Mail-Kalender), Sametime (Unified Communications & Collaboration Plattform), Quickr (Collaboration und Dokumentenmanagement), Connections (Business Social Software) und die Portallösung WebSphere die Säulen des von IBM propagierten Applications Framework.

Faktisch bedeutet dies die unternehmensübergreifende Integration von Sprache, Daten und Video, woran sich schon so manches Unternehmen die Zähne ausgebissen hat, wirft man etwa einen Blick auf die Integration der komplexen Computertelefonie (VoIP bzw. CTI). Gerade hier haben Unternehmen bisher kaum einen klaren Integrationspfad definieren können, zumal oftmals leistungsfähige Implementierungspartner fehlen, die die komplexe Materie umfassend beherrschen.

Die unterschiedlichen Philosophien und Zielsetzungen von Software-Verantwortlichen, Netzwerkspezialisten sowie TK-Fachleuten verhindern oft eine effiziente Umsetzung, bestätigt Volker Jürgensen, Software IT Architekt bei IBM Deutschland: „Durch die überlappenden Angebote von Netzwerk-, Telefonie- und Softwareprodukten ist eine verbesserte unternehmensinterne Abstimmung und Entscheidungsfindung notwendig.“ Andererseits gebe es beim Business die Notwendigkeit mit offenen und skalierbaren Ansätzen die Zusammenarbeit zu verbessern, etwa um bei Bedarf nach einer Rückfrage sofort eine Antwort zu erhalten.

Fokus Real Time Enterprise mit Sametime

IBM habe seine Produktlinien wie Sametime auch für die Bedürfnisse der Partner und Kunden geöffnet, für die es leicht sei, Fremdprodukte wie Telephonielösungen oder Tools für Video- und Webkonferenzen zu integrieren. „Meist entsteht der Mehrwert einer konkreten Lösung nicht unbedingt da, wo man es erwartet“, gibt Jürgensen zu bedenken.

Gerade beim Instant Messaging ziehe der Absender den größten Vorteil, da er – während einer parallel stattfindenden Kommunikation z.B. mit einem Kunden am Telefon – unbemerkt in Echtzeit Informationen, die zur Antwort beitragen, mit anderen Mitarbeitern austauschen kann. „Dadurch wird die Servicequalität enorm gesteigert“, sagt Jürgensen.

Ungeachtet der grundsätzlichen Bedenken aus Sicht der Unternehmen zielt IBM auf operativer Ebene dabei vor allem auf das ausgeprägte Social Networking mit Lotus Notes/Domino – und erweitert diese Anwendungen fortlaufend um neue Elemente aus dem Web 2.0. So bildet Instant Messaging auf Basis von Sametime eine zentrale Säule im Geschäftsalltag. Bereits seit der Version 7.0.2. kann der Nutzer Blogs anlegen und über RSS-Feeds Internetangebote abonnieren oder in andere Webseiten integrieren.

Die künftige Version Lotus Notes 8 integriert mit Activities ein modernes Vorgangsmanagement mit dem die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern erstmalig im Konzept der Vorgänge organisiert und aufgeteilt werden könne , erläutert IBM-Spezialist Kevin Cavanaugh auf der DNUG, und kündigte die neue Version Lotus Notes Domino 8.0 für das dritte Quartal dieses Jahres an.

So können die Nutzer beispielsweise in gemeinsam genutzten Vorgängen Präsentationen erstellen oder Kundenanfragen bearbeiten. Die Arbeit werde also nicht mehr ausschließlich um die eingesetzten Werkzeuge herum organisiert, sondern um den Vorgang selbst (Activity). Dadurch seien auch die Möglichkeiten einer rollenbasierten Rechtevergabe sichergestellt.

Ob die neuen Features tatsächlich den produktiven Fortschritt in ungeahnte Höhen heben, ist noch offen. Mit der aktuellen Version 7.5.1 von Sametime ist aus einer„Real Time Collaboration Plattform“ aber bereits die IBM Integrationsplattform für Unified Communication & Collaboration geworden (UC2), die sich durch Plug-ins beliebig erweitern lässt – etwa durch Telefonie- Mobilfunk- und Audio-/Videofunktionen. Neben dem Chat mit Experten, deren Verfügbarkeit über Präsenzfunktionen abgefragt wird, ermöglicht die Plattform Live-Präsentationen sowie Application Sharing, wodurch Teilnehmer parallel zum Gespräch oder zur Präsentation die jeweiligen Anwendungen nutzen können.

Erheblich früher, nämlich bereits in diesem Monat, soll das mit zahlreichen Community-Ansätzen wie Bookmarks, Blogs, Communities und Acitivities aufgestockte Lotus Connections verfügbar sein. Auch noch im Juni verfügbar sein soll das mit Team Blogs und Wikis ausgestattete Lotus Quickr, das sich mit Hilfe von Business Connectoren in Anwendungen wie z.B. MS Office integriert und an Content Repositories (z.B. FileNet) anbinden lässt. Die neue Version 6.0 der WebSphere Portallösung beinhaltet zudem durch Acceleratoren insbesondere für mittelständische Unternehmen, die Möglichkeit „in den Genuss einer schnellen Lösung zu kommen“, bekräftigt Cavanaugh.

Fazit: Wem nützt die bunte Klick-Welt?

Der „QEDWiki“ Prototyp von IBM wiederum versucht den großen Spagat zu bewältigen, indem dieser externe Informationen und Web Services wie News, Karten, Wetter- und Verkehrsnachrichten mit Unternehmensinhalten und Dienstleistungen verknüpft. Mit Hilfe von Mashups führt schließlich der Wiki alle Web-Anwendungen in einer gemeinsamen Portaloberfläche zusammen.

Die Komponenten sollen dabei interagieren können, etwa indem eine einfache Adresse aus einem Dokument an GoogleMaps weitergeleitet wird, wodurch der Ort sofort aktiv auf der Landkarte erscheine. Ein Online-Wetterdienst blendet parallel dazu die Wetterprognose für diese Region ein. Ob Anwender und Unternehmen diesen bunten Strauß in der Servicepalette tatsächlich für den betrieblichen Einsatz bzw. produktiven Fortschritt in der Zusammenarbeit benötigen, bleibt indes dem eigenen Urteil überlassen.

IBM-Experte Volker Jürgensen rät den Unternehmen darauf zu achten, dass UC Anschaffungen, die in einem Bereich getätigt werden, zu Konflikten mit anderen Unternehmensbereichen führen können und zwar aufgrund der umfassenden Funktionalitäten moderner Kommunikationslösungen.

Die vom IBM-Konzern verfolgte Strategie skizziert Jürgensen wie folgt: „Wir zwingen den Kunden nicht zu der Philosophie, alle Funktionen aus einer Hand zu erwerben, sondern geben ihm die Möglichkeit der Auswahl verschiedener Hersteller und integrieren diese durch standardmäßig vorhandene Integrationspunkte oder bei Bedarf durch kundenspezifische Serviceleistungen. So lässt sich der Spagat zwischen Standardisierung und den offenen Strukturen einer gemischten Infrastruktur besser bewältigen.“ Schließlich müsse der interaktive Arbeitsplatz per Knopfdruck erreichbar sein, ohne dass dieser jedoch in einer komplexen Umgebung ersticke.

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